🫂 Es ist okay, sich zu fühlen: Warum deine „schlechten“ Gefühle dich vollständig machen
- Die tiefgreifende Bedeutung einer erlaubnisgebenden Aussage
- Herkunft und Kontext: Eine Botschaft der modernen psychologischen Gesundheitsbewegung
- Psychologische und neurobiologische Grundlagen
- Wie du lernst, dass es wirklich „okay“ ist: 4 praktische Übungen der emotionalen Akzeptanz
- Für wen ist diese Erlaubnis ein lebensveränderndes Geschenk?
- Häufige Fragen (FAQ) zur emotionalen Erlaubnis
- Fazit: Deine Ganzheit ist deine größte Stärke
In einer Kultur, die oft nach Optimismus, Stärke und positiven Vibes schreit, werden unangenehme Gefühle schnell als Störfaktor oder persönliches Versagen abgetan. Doch tief in uns wissen wir: Das Unterdrücken unserer Emotionen ist wie das Ausschalten der Warnleuchten im Auto – es löst das Problem nicht, sondern macht es nur unsichtbar und gefährlicher. Die befreiende Botschaft „Es ist okay, sich zu fühlen: ängstlich, traurig, beschämt, frustriert, verärgert, eifersüchtig, schuldig, unsicher, besorgt, neidisch, wütend, einsam. Jeder fühlt das manchmal. Wir mögen es nicht, aber es macht uns nicht schwach. Es macht uns menschlich.“ ist eine Einladung zur radikalen emotionalen Akzeptanz. In diesem Artikel erforschen wir die heilsame Kraft dieser Worte, ihre psychologische Fundierung und wie du lernen kannst, alle Teile deines emotionalen Spektrums willkommen zu heißen.

Die tiefgreifende Bedeutung einer erlaubnisgebenden Aussage
Dieser Text durchläuft eine klare, therapeutische Progression, die weit mehr ist als eine simple Aufzählung:
- „Es ist okay, sich zu fühlen:“ – Die universelle Erlaubnis. Der Satz beginnt mit einer bedingungslosen Freigabe. „Okay“ bedeutet nicht „erwünscht“ oder „angenehm“, sondern erlaubt, gültig und berechtigt. Er durchbricht sofort das innerliche Verbot („Das darf ich nicht fühlen!“).
- Die explizite Aufzählung der „unerwünschten“ Emotionen – Die Entstigmatisierung. Indem zwölf konkrete, oft tabuisierte Gefühle genannt werden (Beschämung, Eifersucht, Neid…), werden sie aus der Schattenzone geholt. Ihre Benennung entzieht ihnen die Macht des Geheimen und Schändlichen. Es ist eine Normalisierung durch Sichtbarmachung.
- „Jeder fühlt das manchmal.“ – Die Verbindung zur Gemeinschaft. Dies ist der mächtigste Teil gegen emotionale Isolation. Es verwandelt das persönliche Leid („Nur ich bin so kaputt“) in eine geteilte menschliche Erfahrung. Du bist nicht allein mit deinen Gefühlen; sie sind der gemeinsame Nenner unserer Menschlichkeit.
- „Wir mögen es nicht, aber es macht uns nicht schwach. Es macht uns menschlich.“ – Die Neudefinition von Stärke. Hier wird der kulturelle Mythos entkräftet, dass Stärke die Abwesenheit von Verwundbarkeit sei. Stattdessen wird Stärke als die Fähigkeit, die ganze Bandbreite des Menschseins zu beherbergen, neu definiert. Menschlichkeit wird zur Tugend erklärt.
Herkunft und Kontext: Eine Botschaft der modernen psychologischen Gesundheitsbewegung
Dieser prägnante Text lässt sich nicht auf eine einzelne historische Person zurückführen. Er ist ein Kind der modernen psychologischen Aufklärung, der Achtsamkeitsbewegung und der positiven Psychologie. Seine Wurzeln liegen in Therapieansätzen wie der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) und der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT), die beide radikale Akzeptanz von Gefühlen als grundlegenden Heilungsschritt lehren. Der Satz hat durch soziale Medien und Mental-Health-Advocates weltweite Verbreitung gefunden und wurde zu einem Mantra für eine Generation, die offener über emotionale Gesundheit spricht. Er steht im direkten Gegensatz zu toxischen „Positivitäts“-Geboten („Denk einfach positiv!“) und bietet stattdessen einen Weg des Mitgefühls mit sich selbst.
Psychologische und neurobiologische Grundlagen
Die Weisheit des Textes ist wissenschaftlich fundiert:
- Die Funktion von „negativen“ Emotionen: Jedes unangenehme Gefühl hat einen evolutionären oder sozialen Zweck. Angst schützt, Trauer hilft beim Loslassen, Wut markiert Grenzverletzungen, Scham reguliert soziales Verhalten. Sie zu unterdrücken, bedeutet, wichtige körpereigene Signale zu ignorieren.
- Das Paradox der Akzeptanz: Psychologische Studien zeigen: Je mehr wir einen unerwünschten emotionalen Zustand bekämpfen (experientielle Vermeidung), desto mächtiger und anhaltender wird er. Akzeptanz hingegen – das einfache, urteilsfreie Wahrnehmen des Gefühls – lässt seine Intensität oft nach und befreit Energie für lösungsorientiertes Handeln.
- Neurobiologie der Unterdrückung: Das Unterdrücken von Emotionen aktiviert das sympathische Nervensystem (Stress) und kann langfristig zu Erschöpfung, Angststörungen oder Depression beitragen. Das Annehmen von Gefühlen aktiviert Bereiche im präfrontalen Cortex, die mit Selbstregulation und Weisheit verbunden sind.
Wie du lernst, dass es wirklich „okay“ ist: 4 praktische Übungen der emotionalen Akzeptanz
- Benenne das Gefühl, ohne es zu bewerten. Wenn eine starke Emotion auftaucht, werde zum Beobachter. Sage innerlich: „Ah, hier ist Wut“ oder „Ich spüre gerade Angst.“ Vermeide Zusätze wie „…und das ist schlimm“ oder „…die ich loswerden muss.“ Diese simple, beschreibende Benennung (Psychologen nennen es Labeling) schafft einen kleinen Abstand zwischen dir und dem Gefühl und reduziert seine Überwältigungsmacht sofort.
- Gib dem Gefühl körperlichen Raum. Gefühle manifestieren sich im Körper. Schließe für einen Moment die Augen und frage dich: „Wo in meinem Körper spüre ich diese Traurigkeit/Ängstlichkeit am meisten? Wie fühlt es sich genau an? Ist es ein Druck, ein Ziehen, ein Flattern?“ Beobachte diese Empfindung für 30 Sekunden, ohne sie ändern zu wollen, so als würdest du ein Wetterphänomen in deinem Inneren betrachten.
- Verwende die „Jeder-manchmal“-Formel. Wenn du dich für ein Gefühl schämst (z.B. Eifersucht), wiederhole bewusst: „Ich fühle Eifersucht. Und das ist menschlich. Jeder fühlt das manchmal.“ Stelle dir dabei vor, wie Millionen andere Menschen auf der Welt in diesem Moment dasselbe unangenehme Gefühl durchleben. Dies wandelt Scham in Verbundenheit um.
- Führe ein „Erlaubnis-Tagebuch“. Schreibe abends 2-3 Minuten lang: „Heute war es okay, dass ich mich gefühlt habe: [Gefühl] wegen [Auslöser]. Ich mochte es nicht, aber es macht mich nicht zu einem schlechten Menschen. Es macht mich zu einem, der [Bedürfnis hinter dem Gefühl, z.B. Verbindung, Sicherheit, Anerkennung] braucht.“ Diese Praxis verankert die Botschaft tief in deinem Nervensystem.
Für wen ist diese Erlaubnis ein lebensveränderndes Geschenk?
- Hochsensible Personen (HSP) und Empathen: Die von der Intensität ihrer eigenen und fremden Gefühle oft überwältigt sind.
- Menschen mit Angststörungen oder Depression: Die in einem Teufelskreis aus „Angst vor der Angst“ oder „Traurigkeit über die Traurigkeit“ gefangen sind.
- Perfektionisten und People-Pleaser: Die glauben, nur „positive“ Gefühle seien erlaubt, um geliebt und akzeptiert zu werden.
- Eltern: Die ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Emotionen vorleben und vermitteln wollen.
- Männer, die unter dem „Stark-sein-müssen“-Druck leiden: Die gelernt haben, Verwundbarkeit mit Schwäche gleichzusetzen.
- Jeder, der sich für seine Gefühle schämt oder sie versteckt: Also im Grunde fast jeder von uns an irgendeinem Punkt.
Häufige Fragen (FAQ) zur emotionalen Erlaubnis
1. Heißt „es ist okay, das zu fühlen“, dass ich auch so handeln darf, wie ich mich fühle (z.B. wütend jemanden anschreien)?
Nein, absolut nicht. Das ist ein entscheidender Unterschied. Die Erlaubnis gilt für das innere Erleben der Emotion. Das Handeln unterliegt weiterhin unserer Verantwortung. Es ist okay, wütend zu sein. Es ist nicht okay, deswegen jemanden verbal oder körperlich zu verletzen. Die Akzeptanz des Gefühls gibt uns überhaupt erst den klaren Kopf, um zu wählen, wie wir konstruktiv darauf reagieren (z.B. durch eine Ich-Botschaft, Sport oder ein klärendes Gespräch).
2. Fördert das nicht Selbstmitleid und dass man in negativen Gefühlen stecken bleibt?
Ganz im Gegenteil. Selbstmitleid („Armes ich, nur ich habe es so schwer“) isoliert und hält gefangen. Die hier gemeinte Akzeptanz ist eine neutrale, mitfühlende Beobachtung („Ich fühle Traurigkeit, und das ist ein Teil der menschlichen Erfahrung“). Diese Haltung erlaubt es dem Gefühl, zu fließen und sich zu verändern, anstatt sich zu verstetigen. Was wir bekämpfen, persistiert. Was wir annehmen, kann sich verwandeln.
3. Wo ist die Grenze zwischen „normalen“ menschlichen Gefühlen und einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung?
Gefühle werden problematisch, wenn sie überwältigend intensiv, extrem lang anhaltend sind und das alltägliche Leben in wichtigen Bereichen (Arbeit, Beziehungen, Selbstfürsorge) erheblich beeinträchtigen. Wenn Traurigkeit zur anhaltenden Hoffnungslosigkeit wird, Angst zu panischen Attacken oder Sorgen zu unkontrollierbaren Zwangsgedanken, ist professionelle Hilfe angezeigt. Die Botschaft „Es ist okay“ ist kein Ersatz für Therapie, sondern kann ein erster Schritt sein, die eigenen Gefühle überhaupt anzuerkennen und sich dann Hilfe zu holen.
Fazit: Deine Ganzheit ist deine größte Stärke
Der Satz „Es ist okay, sich zu fühlen…“ ist eine Einladung, nach Hause zu kommen – in deinen ganzen, vollständigen, menschlichen Selbst. Er entmachtet das innere Tribunal, das ständig Urteile über deine emotionalen Zustände fällt. Indem wir lernen, unsere sogenannten „negativen“ Gefühle nicht als Feinde, sondern als Boten mit wichtigen Nachrichten zu betrachten, gewinnen wir einen unerschütterlichen inneren Frieden. Wir müssen die Gefühle nicht mögen. Wir müssen sie nur zulassen. In dieser Erlaubnis liegt eine ungeahnte Freiheit: Die Freiheit, echt, verletzlich und dadurch wahrhaft verbunden zu sein – mit uns selbst und mit anderen. Denn in der Tiefe unserer gemeinsamen Verwundbarkeit finden wir unsere gemeinsame Menschlichkeit. Ja, es ist okay. Du bist okay. So wie du gerade bist.