Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Der Engel – ein M├Ąrchen von Hans Christian Andersen

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Der Engel - ein M├Ąrchen von Hans Christian Andersen
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Jedes Mal, wenn ein gutes Kind stirbt, kommt ein Engel Gottes zur Erde hernieder, nimmt das tote Kind auf seine Arme, breite die gro├čen wei├čen Fl├╝gel aus und pfl├╝ckt eine ganze Hand voll Blumen, welche er zu Gott hinaufbringt, damit sie dort noch sch├Âner als auf der Erde bl├╝hen. Der liebe Gott dr├╝ckt alle Blumen an sein Herz, aber der Blume, welche ihm die liebste ist, gibt er einen Kuss, und dann bekommt sie Stimme und kann in der gro├čen Gl├╝ckseligkeit mitsingen!

Sieh, Alles dieses erz├Ąhlte ein Engel Gottes, indem er ein totes Kind zum Himmel forttrug, und das Kind h├Ârte wie im Traume; sie flogen ├╝ber die St├Ątten in der Heimat, wo der Kleine gespielt hatte, und kamen durch G├Ąrten mit herrlichen Blumen.

ÔÇťWelche wollen wir nun mitnehmen und in den Himmel pflanzen?ÔÇŁ fragte der Engel.

Da stand ein schlanker, herrlicher Rosenstock, aber eine b├Âse Hand hatte den Stamm abgebrochen, so dass alle Zweige, voll von gro├čen, halbaufgebrochenen Knospen, rundherum vertrocknet hingen. ÔÇťDer arme Rosenstock!ÔÇŁ sagte das Kind. ÔÇťNimm ihn, damit er oben bei Gott zum Bl├╝hen kommen kann!ÔÇŁ

Und der Engel nahm ihn, k├╝sste das Kind daf├╝r, und der Kleine ├Âffnete seine Augen zur H├Ąlfte. Sie pfl├╝ckten von den reichen Prachtblumen, nahmen aber auch die verachteten Butterblumen und das wilde Stiefm├╝tterchen.

ÔÇťNun haben wir Blumen!ÔÇŁ sagte das Kind und der Engel nickte, aber er flog noch nicht zu Gott empor. Es war Nacht und ganz still, sie blieben in der gro├čen Stadt und schwebten in einer der schmalen Gassen umher, wo Haufen Stroh und Asche lagen; es war Umzug gewesen. Da lagen Scherben von Tellern, Gipsst├╝cke, Lumpen und alte Hutk├Âpfe, was Alles nicht gut aussah. Der Engel zeigte in allen diesen Wirrwarr hinunter auf einige Scherben eines Blumentopfes und auf einen Klumpen Erde, der da herausgefallen war und von den Wurzeln einer gro├čen vertrockneten Feldblume, welche nichts taugte und die man deshalb auf die Gasse geworfen hatte, zusammengehalten wurde.

ÔÇťDiese nehmen wir mit!ÔÇŁ sagte der Engel. ÔÇťIch werde dir erz├Ąhlen, w├Ąhrend wir fliegen!ÔÇŁ

Sie flogen und der Engel erz├Ąhlte:

ÔÇťDort unten in der schmalen Gasse, in dem niedrigen Keller, wohnte ein armer kranker Knabe. Von seiner Geburt an war er immer bettl├Ągerig gewesen; wenn es ihm am besten ging, konnte er auf Kr├╝cken die kleine Stube ein paar Mal auf und nieder gehen, das war Alles. An einigen Tagen im Sommer fielen die Sonnenstrahlen w├Ąhrend einer halben Stunde bis in den Keller hinab, und wenn der Knabe dasa├č und sich von der warmen Sonne bescheinen lie├č und das rote Blut durch seine feinen Finger sah, die es vor das Gesicht hielt, dann hie├č es: ÔÇťHeute ist er ausgewesen!ÔÇŁ Er kannte den Wald in seinem herrlichen Fr├╝hjahrsgr├╝n nur dadurch, dass ihm des Nachbars Sohn den ersten Buchenzweig brachte, den hielt er ├╝ber seinem Haupte und tr├Ąumte dann unter Buchen zu sein, wo die Sonne scheint und die V├Âgel singen. Am einem Fr├╝hlingstage brachte ihm des Nachbars Knabe auch Feldblumen, und unter diesen war zuf├Ąllig eine mit der Wurzel, deshalb wurde sie in einen Blumentopf gepflanzt und am Bette neben das Fenster gestellt. Die Blume war mit einer gl├╝cklichen Hand gepflanzt, sie wuchs trieb neue Zweige und trug jedes Jahr ihre Blumen; sie wurde des kranken Knabens herrlichster Blumengarten, sein kleiner Schatz hier auf Erden; er begoss und pflegte sie, und sorgte daf├╝r, dass sie jeden Sonnenstrahl bis zum letzten, welcher durch das niedrige Fenster hinunterglitt, erhielt; die Blume selbst verwuchs mit seinen Tr├Ąnen, denn f├╝r ihn bl├╝hte sie, verbreitete sie ihren Duft und erfreute das Auge; gegen sie wendete er sich im Tode, da der Herr ihn rief.

Ein Jahr ist er nun bei Gott gewesen, ein Jahr hat die Blume vergessen im Fenster gestanden und ist verdorrt und wurde deshalb beim Umziehen im Kehricht hinaus auf die Stra├če geworfen. Und dies ist die Blume, die arme vertrocknete Blume, welche wir mit in unsern Blumenstrau├č genommen haben, denn diese Blume hat mehr erfreut als die reichste Blume im Garten einer K├Ânigin!ÔÇŁ ÔÇťAber woher wei├čt du das Alles?ÔÇŁ fragte das Kind, welches der Engel gen Himmel trug.

ÔÇťIch wei├č esÔÇŁ, sagte der Engel, ÔÇťdenn ich war selbst der kleine kranke Junge, welcher auf Kr├╝cken ging meine Blume kenne ich wohl!ÔÇŁ

Das Kind ├Âffnete seine Augen ganz und sah in des Engels herrliches, frohes Antlitz hinein, und im selben Augenblick befanden sie sich in Gottes Himmel, wo Freude und Gl├╝ckseligkeit war. Gott dr├╝ckte das tote Kind an sein Herz und da bekam es Schwingen wie der andere Engel und flog Hand in Hand mit ihm. Gott dr├╝ckte alle Blumen an sein Herz, aber die arme verdorrte Feldblume k├╝sste er, und sie erhielt Stimme und sang mit allen Engeln, welche Gott umschwebten, einige ganz nahe, andere um diese herum in gro├čen Kreisen und immer weiter fort, in das Unendliche, aber alle gleich gl├╝cklich. Und alle sangen sie, klein und gro├č, samt dem guten, gesegneten Kinde und der armen Feldblume, welche verdorrt dagelegen, hingeworfen in den Kehricht des Umziehtages, in der schmalen, dunklen Gasse.

Hans Christian Andersen
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Ich hasse Menschen Buch

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