Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Der Tannenbaum – ein M├Ąrchen von Hans Christian Andersen

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Der Tannenbaum - ein M├Ąrchen von Hans Christian Andersen
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Drau├čen im Walde stand ein niedlicher Tannenbaum; er hatte einen guten Platz, die Sonnte konnte zu ihm dringen, Luft war genug da, und rund umher wuchsen viele gr├Â├čere Kameraden, Tannen und Fichten. Aber der kleine Tannenbaum wollte nur immer wachsen und wachsen; er dachte nicht an den warmen Sonnenschein und die frische Luft, bek├╝mmerte sich nicht um die Bauernkinder, die dort gingen und plauderten, wenn sie drau├čen im Walde umherschw├Ąrmten, um Erdbeeren und Himbeeren zu sammeln. Oftmals kamen sie mit einem ganzen Topfe voll oder hatten Erdbeeren auf Strohhalme gezogen. Dann setzten sie sich neben das B├Ąumchen und sagten: Nein, wie niedlich klein ist der!“ Das gefiel dem Baume durchaus nicht.

Im n├Ąchsten Jahre war er schon um einen langen Schuss gr├Â├čer, und das Jahr darauf war er wieder noch um einen l├Ąnger, denn bei einem Tannenbaum kann man, sobald man z├Ąhlt, wie oft er einen neuen Trieb angesetzt hat, genau die Jahre seines Wachstums berechnen. „Oh, w├Ąre ich doch ein so gro├čer Baum wie die anderen!“ seufzte das B├Ąumchen. „Dann k├Ânnte ich meine Zweige weit ausbreiten und mit dem Gipfel in die weite Welt hinaus schauen! Dann w├╝rden die V├Âgel ihre Nester zwischen meinen Zweigen bauen, und wenn es st├╝rmte, k├Ânnte ich so vornehm nicken wie dort die anderen.“ Weder der Sonnenschein noch die V├Âgel oder die roten Wolken, die morgens und abends ├╝ber ihn hinsegelten, machten ihm Freude.

War es nun Winter, und Schnee lag ringsherum blendend wei├č, dann kam oft ein Hase gesprungen und setzte gerade ├╝ber das B├Ąumchen fort, Oh, das war emp├Ârend! Aber zwei Winter verstrichen, und im dritten war der Baum schon so hoch, dass der Hase um ihn herumlaufen musste. Oh, wachsen, wachsen, gro├č und alt werden, das ist doch das einzig Sch├Âne in der Welt! Dachte der Baum. Im Sp├Ątherbst erschienen regelm├Ą├čig Holzhauer und f├Ąllten einige der gr├Â├čten B├Ąume.Das geschah jedes Jahr, und den jungen Tannenbaum, der nun schon t├╝chtig in die H├Âhe geschossen war, befiel Zittern und Beben dabei, denn mit Gepolter und Krachen st├╝rzten sie zur Erde, die Zweige wurden ihnen abgehauen, sie sahen nun ganz nackt, lang und schmal aus, sie waren kaum noch wieder zu erkennen. Dann aber wurden sie auf Wagen gelegt, und Pferde zogen sie von dannen zum Wald hinaus. Wohin sollten sie? Was stand ihnen bevor?

Als im Fr├╝hjahr die Schwalbe und der Storch kamen, fragte sie der Baum: „Wisst ihr nicht, wohin sie gef├╝hrt wurden? Seid ihr ihnen nicht begegnet?“ Die Schwalbe wusste nichts. Doch der Storch sah sehr nachdenklich aus, nickte mit dem Kopfe und sagte: „Ja, ich glaube fast, mir begegneten auf meiner R├╝ckreise von ├ägypten viele neue Schiffe. Auf denselben standen pr├Ąchtige Mastb├Ąume; ich darf wohl behaupten, da├č sie es waren; sie verbreiteten Tannengeruch. Ich kann vielmals gr├╝├čen, sie ├╝berragen alles, sie ├╝berragen alles!“ „Oh, w├Ąre ich doch auch gro├č genug, um ├╝ber das Meer hinzufliegen. Wie ist es eigentlich, dieses Meer, und wem ├Ąhnelt es?“ Ja, das ist etwas weitl├Ąufig zu erkl├Ąren!“ sagte der Storch und ging. „Freue dich deiner Jugend!“ sagten die Sonnenstrahlen. „Freue dich deines Wachstums, des jungen Lebens, das die erf├╝llt!“ Und der Wind k├╝sste den Baum, und der Tau weinte Tr├Ąnen ├╝ber ihn, allein der Tannenbaum verstand es nicht. In der Weihnachtszeit wurden ganz junge B├Ąume gef├Ąllt, B├Ąume, die nicht einmal so gro├č waren, noch in demselben Alter standen wie dieses Tannenb├Ąumchen, das weder Ruh‘ noch Rast hatte, sondern nur immer weiter wollte. Diese jungen B├Ąumchen, und es waren gerade die aller sch├Ânsten, behielten immer ihre Zweige, sie wurden auf Wagen gelegt, und Pferde zogen sie aus dem Walde. „Wohin sollen sie?“ fragte der Tannenbaum. „Sie sind nicht gr├Â├čer als ich, ja, da war sogar einer, der noch weit kleiner war. Weshalb behielten sie alle ihre Zweige? Wo fahren sie hin?“

„Das wissen wir, das wissen wir!“ zwitscherten die Sperlinge. „Unten in der Stadt haben wir zu den Fenstern hinein geschaut. Wir wissen, wohin sie fahren! Oh, sie gelangen zur gr├Â├čten Pracht und Herrlichkeit, die sich denken l├Ąsst! Wir haben zu den Fenstern hinein geschaut und gesehen, dass sie mitten in die warme Stube hinein gepflanzt und mit den herrlichsten Sachen, mit vergoldeten ├äpfeln, Honigkuchen, Spielzeug und vielen hundert Lichtern ausgeschm├╝ckt wurden!“ „Und dann?“ fragte der Tannenbaum und bebte in allen Zweigen. „Und dann? Was geschieht dann?“ „Ja, mehr haben wir nicht gesehen, es war unvergleichlich!“ „Ob auch mir dieses Los zufallen wird, diesen strahlenden Weg zu gehen?“ jubelte das B├Ąumchen. „Das ist noch besser, als ├╝ber das Meer zu gehen. Wie mich die Sehnsucht verzehrt! W├Ąre es doch Weihnachten! Jetzt bin ich hoch und erwachsen wie die anderen, welche das letzte Mal fortgef├╝hrt wurden. Oh, w├Ąre ich erst auf dem Wagen! W├Ąre ich erst in der warme Stube mit all ihrer Pracht und Herrlichkeit! Und dann? Ja, dann kommt noch etwas Besseres, noch Sch├Âneres, weshalb w├╝rde man mich sonst so ausschm├╝cken! Da muss noch etwas Gr├Â├čeres, noch etwas Herrlicheres kommen…! Aber was? Oh, ich leide, mich verzehrt die Sehnsucht; ich wei├č selber nicht, wie mir zumute ist!“ „Freue dich deiner!“ sagten die Luft und der Sonnenschein. „Freue dich deiner frischen Jugend drau├čen im Freien!“ Aber das B├Ąumchen freute sich gar nicht; es wuchs und wuchs, Winter und Sommer stand es gr├╝n; dunkelgr├╝n stand es da! Die Leute, die es sahen, sagten: „Das ist ein h├╝bscher Baum!“, und zur Weihnachtszeit wurde er zuerst von allen gef├Ąllt!

Hans Christian Andersen
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Ich hasse Menschen Buch

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