Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Der Tannenbaum – ein MĂ€rchen von Hans Christian Andersen

Banner fĂŒr das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gefĂ€rbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Der Tannenbaum - ein MĂ€rchen von Hans Christian Andersen
Novellen - Kurzgeschichten - BĂŒcher - Daniela Noitz

Draußen im Walde stand ein niedlicher Tannenbaum; er hatte einen guten Platz, die Sonnte konnte zu ihm dringen, Luft war genug da, und rund umher wuchsen viele grĂ¶ĂŸere Kameraden, Tannen und Fichten. Aber der kleine Tannenbaum wollte nur immer wachsen und wachsen; er dachte nicht an den warmen Sonnenschein und die frische Luft, bekĂŒmmerte sich nicht um die Bauernkinder, die dort gingen und plauderten, wenn sie draußen im Walde umherschwĂ€rmten, um Erdbeeren und Himbeeren zu sammeln. Oftmals kamen sie mit einem ganzen Topfe voll oder hatten Erdbeeren auf Strohhalme gezogen. Dann setzten sie sich neben das BĂ€umchen und sagten: Nein, wie niedlich klein ist der!“ Das gefiel dem Baume durchaus nicht.

Im nĂ€chsten Jahre war er schon um einen langen Schuss grĂ¶ĂŸer, und das Jahr darauf war er wieder noch um einen lĂ€nger, denn bei einem Tannenbaum kann man, sobald man zĂ€hlt, wie oft er einen neuen Trieb angesetzt hat, genau die Jahre seines Wachstums berechnen. „Oh, wĂ€re ich doch ein so großer Baum wie die anderen!“ seufzte das BĂ€umchen. „Dann könnte ich meine Zweige weit ausbreiten und mit dem Gipfel in die weite Welt hinaus schauen! Dann wĂŒrden die Vögel ihre Nester zwischen meinen Zweigen bauen, und wenn es stĂŒrmte, könnte ich so vornehm nicken wie dort die anderen.“ Weder der Sonnenschein noch die Vögel oder die roten Wolken, die morgens und abends ĂŒber ihn hinsegelten, machten ihm Freude.

War es nun Winter, und Schnee lag ringsherum blendend weiß, dann kam oft ein Hase gesprungen und setzte gerade ĂŒber das BĂ€umchen fort, Oh, das war empörend! Aber zwei Winter verstrichen, und im dritten war der Baum schon so hoch, dass der Hase um ihn herumlaufen musste. Oh, wachsen, wachsen, groß und alt werden, das ist doch das einzig Schöne in der Welt! Dachte der Baum. Im SpĂ€therbst erschienen regelmĂ€ĂŸig Holzhauer und fĂ€llten einige der grĂ¶ĂŸten BĂ€ume.Das geschah jedes Jahr, und den jungen Tannenbaum, der nun schon tĂŒchtig in die Höhe geschossen war, befiel Zittern und Beben dabei, denn mit Gepolter und Krachen stĂŒrzten sie zur Erde, die Zweige wurden ihnen abgehauen, sie sahen nun ganz nackt, lang und schmal aus, sie waren kaum noch wieder zu erkennen. Dann aber wurden sie auf Wagen gelegt, und Pferde zogen sie von dannen zum Wald hinaus. Wohin sollten sie? Was stand ihnen bevor?

Als im FrĂŒhjahr die Schwalbe und der Storch kamen, fragte sie der Baum: „Wisst ihr nicht, wohin sie gefĂŒhrt wurden? Seid ihr ihnen nicht begegnet?“ Die Schwalbe wusste nichts. Doch der Storch sah sehr nachdenklich aus, nickte mit dem Kopfe und sagte: „Ja, ich glaube fast, mir begegneten auf meiner RĂŒckreise von Ägypten viele neue Schiffe. Auf denselben standen prĂ€chtige MastbĂ€ume; ich darf wohl behaupten, daß sie es waren; sie verbreiteten Tannengeruch. Ich kann vielmals grĂŒĂŸen, sie ĂŒberragen alles, sie ĂŒberragen alles!“ „Oh, wĂ€re ich doch auch groß genug, um ĂŒber das Meer hinzufliegen. Wie ist es eigentlich, dieses Meer, und wem Ă€hnelt es?“ Ja, das ist etwas weitlĂ€ufig zu erklĂ€ren!“ sagte der Storch und ging. „Freue dich deiner Jugend!“ sagten die Sonnenstrahlen. „Freue dich deines Wachstums, des jungen Lebens, das die erfĂŒllt!“ Und der Wind kĂŒsste den Baum, und der Tau weinte TrĂ€nen ĂŒber ihn, allein der Tannenbaum verstand es nicht. In der Weihnachtszeit wurden ganz junge BĂ€ume gefĂ€llt, BĂ€ume, die nicht einmal so groß waren, noch in demselben Alter standen wie dieses TannenbĂ€umchen, das weder Ruh‘ noch Rast hatte, sondern nur immer weiter wollte. Diese jungen BĂ€umchen, und es waren gerade die aller schönsten, behielten immer ihre Zweige, sie wurden auf Wagen gelegt, und Pferde zogen sie aus dem Walde. „Wohin sollen sie?“ fragte der Tannenbaum. „Sie sind nicht grĂ¶ĂŸer als ich, ja, da war sogar einer, der noch weit kleiner war. Weshalb behielten sie alle ihre Zweige? Wo fahren sie hin?“

„Das wissen wir, das wissen wir!“ zwitscherten die Sperlinge. „Unten in der Stadt haben wir zu den Fenstern hinein geschaut. Wir wissen, wohin sie fahren! Oh, sie gelangen zur grĂ¶ĂŸten Pracht und Herrlichkeit, die sich denken lĂ€sst! Wir haben zu den Fenstern hinein geschaut und gesehen, dass sie mitten in die warme Stube hinein gepflanzt und mit den herrlichsten Sachen, mit vergoldeten Äpfeln, Honigkuchen, Spielzeug und vielen hundert Lichtern ausgeschmĂŒckt wurden!“ „Und dann?“ fragte der Tannenbaum und bebte in allen Zweigen. „Und dann? Was geschieht dann?“ „Ja, mehr haben wir nicht gesehen, es war unvergleichlich!“ „Ob auch mir dieses Los zufallen wird, diesen strahlenden Weg zu gehen?“ jubelte das BĂ€umchen. „Das ist noch besser, als ĂŒber das Meer zu gehen. Wie mich die Sehnsucht verzehrt! WĂ€re es doch Weihnachten! Jetzt bin ich hoch und erwachsen wie die anderen, welche das letzte Mal fortgefĂŒhrt wurden. Oh, wĂ€re ich erst auf dem Wagen! WĂ€re ich erst in der warme Stube mit all ihrer Pracht und Herrlichkeit! Und dann? Ja, dann kommt noch etwas Besseres, noch Schöneres, weshalb wĂŒrde man mich sonst so ausschmĂŒcken! Da muss noch etwas GrĂ¶ĂŸeres, noch etwas Herrlicheres kommen…! Aber was? Oh, ich leide, mich verzehrt die Sehnsucht; ich weiß selber nicht, wie mir zumute ist!“ „Freue dich deiner!“ sagten die Luft und der Sonnenschein. „Freue dich deiner frischen Jugend draußen im Freien!“ Aber das BĂ€umchen freute sich gar nicht; es wuchs und wuchs, Winter und Sommer stand es grĂŒn; dunkelgrĂŒn stand es da! Die Leute, die es sahen, sagten: „Das ist ein hĂŒbscher Baum!“, und zur Weihnachtszeit wurde er zuerst von allen gefĂ€llt!

Hans Christian Andersen
+1
0
+1
0
Dieses Bild teilen:
Ich hasse Menschen Buch

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mut zur Selbstverantwortung: Werde zum Gestalter deines Lebens!

Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand und gestalten Sie es selbst! Mit "Mut zur Selbstverantwortung" lernen Sie, Verantwortung zu ĂŒbernehmen, Ihre Gedanken zu kontrollieren und selbstbestimmt zu handeln. Praktische Übungen helfen Ihnen dabei, negative Muster loszulassen und sich weiterzuentwickeln. Werden Sie zum Gestalter Ihres Lebens und finden Sie ErfĂŒllung und GlĂŒck!

Suche dirk bachhausen. Zitat von rudolf nurejew.