Wechselgeld Kurzgeschichte Moral Über Ehrlichkeit Im Alltag - anschauliche Darstellung
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Das Wechselgeld – Kurzgeschichte mit Moral über Ehrlichkeit im Alltag

Es ging um sechzig Euro. Nicht um sechshundert, nicht um sechs. Um sechzig – die Art Betrag, bei dem man selbst am nächsten Tag noch genau weiß, was man sich davon hätte kaufen können.

Kassenzettel

Sabine hatte für 34,80 Euro eingekauft und mit einem Fünfzig- und einem Zwanzig-Euro-Schein bezahlt. Macht 35,20 Euro Wechselgeld. Der Kassierer, ein Junge mit Kopfhörern um den Hals, der offensichtlich lieber woanders gewesen wäre, hatte ihr 95,20 Euro zurückgegeben.

Sie merkte es erst im Auto, als sie den Schein zusammenfaltete, um ihn ins Portemonnaie zu stecken, und dabei zweimal zählte, weil ihr das Bündel zu dick vorkam.

Sechzig Euro zu viel.

Genau der Betrag, der ihr im Konto fehlte, um die Nachzahlung von der Gasabrechnung zu decken, ohne dass ihr Mann fragte, warum sie schon wieder das Sparkonto der Kinder angreifen musste.

Zwölf Minuten

Sie saß zwölf Minuten auf dem Parkplatz, Motor aus, Kassenzettel auf dem Lenkrad. Rechnete nach. Kam auf dasselbe Ergebnis. Rechnete noch einmal nach, obwohl sie wusste, dass sich daran nichts ändern würde.

Niemand hatte etwas gesehen. Der Junge an der Kasse würde am Abend die Kassenschublade zählen, eine Differenz feststellen, vielleicht kurz fluchen, und dann würde sein Chef ihm sagen, dass so etwas passiert, und dann wäre es vorbei. Für ihn ein Fehler unter vielen an einem langen Tag. Für sie ein Problem weniger.

Sie dachte an die Gasabrechnung. Sie dachte an den Jungen, der aussah, als würde er die Differenz vielleicht selbst aus eigener Tasche nachlegen müssen, weil manche Filialen das so handhaben. Sie wusste es nicht sicher. Das war das Unangenehme daran – sie wusste es einfach nicht.

Zurück rein

Sie ging zurück, stellte sich wieder in seine Schlange, obwohl die Nachbarkasse frei war. Legte den Schein auf das Band.

„Sie haben mir zu viel rausgegeben. Sechzig Euro.“

Er sah sie an, dann den Schein, dann wieder sie, mit einem Gesichtsausdruck, den sie nicht ganz deuten konnte. Kein Strahlen, keine Rührung. Eher so etwas wie Misstrauen, das langsam in Erleichterung überging.

„Danke“, sagte er knapp, tippte etwas in die Kasse und wandte sich schon dem nächsten Kunden zu.

Kein Rabattgutschein, keine Umarmung, kein warmes Gefühl, das den ganzen Tag anhielt. Nur die Gasabrechnung, die jetzt wieder ein Problem war, das sie mit ihrem Mann besprechen musste.

Sabine fuhr nach Hause und dachte nicht mehr großartig darüber nach. Es war einfach eine von den Sachen, die man macht, weil man sie danach noch mit sich selbst aushalten will – nicht weil es sich gut anfühlt, sondern weil sich das andere schlechter angefühlt hätte.

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