Erich Kästner: „Die Entwicklung der Menschheit“ – Ein ehrliches Gedicht über uns Menschen
Manchmal braucht man nur ein paar Zeilen, um die Wahrheit zu sagen. Erich Kästner hat genau das in seinem Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ getan. Mit einem Augenzwinkern und viel Klarheit zeigt er, wie weit wir gekommen sind – und wie wenig sich im Grunde geändert hat.
Das Gedicht ist ehrlich, etwas frech und erstaunlich aktuell. Ideal zum Nachdenken, Weiterleiten oder einfach zum Schmunzeln.
Das Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ von Erich Kästner
Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt, behaart und mit böser Visage. Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt und die Welt asphaltiert und aufgestockt, bis zur dreißigsten Etage. Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn, in zentralgeheizten Räumen. Da sitzen sie nun am Telefon. Und es herrscht noch genau derselbe Ton wie seinerzeit auf den Bäumen. Sie hören weit. Sie sehen fern. Sie sind mit dem Weltall in Fühlung. Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern. Die Erde ist ein gebildeter Stern mit sehr viel Wasserspülung. Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr. Sie jagen und züchten Mikroben. Sie versehn die Natur mit allem Komfort. Sie fliegen steil in den Himmel empor und bleiben zwei Wochen oben. Was ihre Verdauung übrigläßt, das verarbeiten sie zu Watte. Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest. Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest, daß Cäsar Plattfüße hatte. So haben sie mit dem Kopf und dem Mund Den Fortschritt der Menschheit geschaffen. Doch davon mal abgesehen und bei Lichte betrachtet sind sie im Grund noch immer die alten Affen.
Was sagt uns dieses Gedicht?
Kästner nimmt uns nicht auf den Arm – er hält uns den Spiegel vor. Wir haben Hochhäuser, Telefone, Fernsehen, Atomspaltung und sogar Zahnpasta. Technisch sind wir weit gekommen. Aber der Ton, der Umgang miteinander? Der ist oft noch genauso roh wie damals auf den Bäumen.
Genau das macht das Gedicht so stark: Es ist nicht böse, sondern ehrlich. Und ein bisschen tröstlich. Denn wenn selbst ein großer Autor wie Kästner das so sieht, sind wir mit unseren menschlichen Schwächen nicht allein.
Für wen eignet sich dieses Gedicht?
Dieses Gedicht passt gut:
- Als nachdenkliche Grußbotschaft an Freunde
- Zum Weiterleiten, wenn man über den „Fortschritt“ schmunzeln möchte
- Für alle, die gern ehrliche und etwas freche Texte lesen
Es ist kein klassisches Liebes- oder Trauergedicht – eher ein kluger Kommentar über uns Menschen. Deshalb eignet es sich besonders gut als kleiner Denkanstoß.
Gefällt dir Kästners direkter Blick auf die Menschheit? Dann teile das Gedicht gerne – manchmal sagt ein ehrlicher Text mehr als viele Worte.