Ich wünsche mir zu Weihnachten einen Freund zum lieb haben.
Zwischen den Wunschzetteln für Spielzeug, Technik und Kleidung findet sich manchmal ein Satz, der tiefer geht als alle materiellen Geschenke: „Ich wünsche mir zu Weihnachten einen Freund zum lieb haben.“ Dieser schlichte, berührende Wunsch – ob von einem Kind ausgesprochen oder im stillen Herzen eines Erwachsenen getragen – enthüllt die eigentliche, ursprüngliche Sehnsucht hinter dem Fest: die Sehnsucht nach bedingungsloser Verbundenheit, nach Nähe und nach einem sicheren Hafen im anderen Menschen. In diesem Artikel erkunden wir die universelle Tiefe dieses Wunsches und seine besondere Bedeutung in der Weihnachtszeit.
Die Schlichtheit einer großen Wahrheit
Dieser Satz wirkt wie ein direkter Blick in die menschliche Seele. Warum berührt er uns so unmittelbar?
- Die Reduktion auf das Wesentliche: Es geht nicht um Attribute (reich, schön, witzig), sondern um die reine Funktion der Beziehung: „zum lieb haben“. Das ist der Kern jeder Freundschaft oder Partnerschaft.
- Die Aktivit„ät des „lieb habens“: Es ist kein passiver Wunsch, geliebt zu werden. Es ist der Wunsch, selbst lieben zu dürfen – jemandem Zuneigung schenken zu können, sich sorgen zu dürfen, einen Menschen zu haben, für den man da ist. Das ist die aktive, schenkende Seite der Liebe.
- Der Bezug zu Weihnachten: Weihnachten als Fest der Liebe und Menschwerdung ist der perfekte Rahmen für diesen Ur-Wunsch. Er erinnert daran, dass das größte Geschenk der ersten Weihnacht selbst eine Beziehung war: Gott sucht die Beziehung zum Menschen.

Für wen spricht dieser Wunsch?
Dieser Satz kann die innere Stimme ganz unterschiedlicher Menschen sein:
- Ein Kind, das sich einen besten Freund oder eine beste Freundin wünscht, vielleicht in einer neuen Umgebung.
- Ein einsamer Erwachsener, der sich nach echter, tiefer Freundschaft oder einer Partnerschaft sehnt.
- Jemand, der Verlust erfahren hat (durch Trennung, Tod, Umzug) und dessen Herz nun eine Leere spürt.
- Menschen mit sozialen Ängsten oder Schwierigkeiten, für die wahre Verbindung eine große Hürde darstellt.
- Im übertragenen Sinn: Jeder von uns in Momenten, in denen wir uns isoliert oder missverstanden fühlen.
Vom Wunsch zur Handlung: Wie wir Antworten auf diese Sehnsucht sein können
Was können wir tun, wenn wir diesen Wunsch bei anderen spüren oder selbst in uns tragen?
- Zuhören und den Wunsch validieren: Wenn dir jemand diesen Wunsch anvertraut, antworte nicht mit „Das wird schon“ oder „Ach, du findest schon jemanden“. Sage stattdessen: „Das ist ein ganz wichtiger und schöner Wunsch. Danke, dass du mir das sagst.“ Diese Anerkennung ist das erste Geschenk.
- Ein temporäres „Freund sein“ anbieten: Du kannst für jemanden in dieser Weihnachtszeit ganz bewusst die Rolle eines zuverlässigen Freundes einnehmen. Lade zu einem Adventskaffee ein, frag regelmäßig nach, hör zu. Manchmal ist ein echter, temporärer Freund der erste Schritt zu dem Wunsch.
- Gemeinschaften und Begegnungsräume schaffen: In der Gemeinde, im Verein oder in der Nachbarschaft kannst du niedrigschwellige Treffen initiieren – einen Bastelnachmittag, einen Spieleabend. Für viele ist der erste Schritt der schwerste.
- Den Wunsch an sich selbst richten: Frage dich: Bin ich bereit, ein Freund „zum lieb haben“ zu sein? Welche Eigenschaften müsste ich kultivieren? Oft zieht man Beziehungen an, wenn man selbst zu einem guten Freund wird.
Ein Gedicht, das diesen Wunsch einfängt
Nicht Gold, nicht Glanz, nicht bunte Pracht, steht auf dem Zettel in der Nacht. Ein einzig Wort, das leise steht: "Ein Freund, der bei mir aus- und eingeht. Einer, zum Reden und zum Schweigen, zum Tragen und zum stillen Zeigen. Einer, zum lieb haben – nur das. Mehr wünsch ich nicht unterm Sternenhas."
Häufige Fragen (FAQ)
Ist es traurig, sich das zu wünschen?
Es ist nicht traurig, sondern unglaublich mutig und ehrlich. Es zeigt ein gesundes Bedürfnis nach Bindung, das in unserer oft oberflächlichen und digitalen Welt untergehen kann. Dieser Wunsch anerkennt, dass Menschen für tiefe Beziehungen gemacht sind.
Wie reagiert man, wenn ein Kind das sagt?
Nimm es ernst. Sage: „Das ist ein wunderschöner Wunsch. Weißt du, Freundschaft ist wie ein Garten. Man muss ihn pflegen. Lass uns zusammen überlegen, wie wir einen solchen Freundschaftsgarten für dich pflanzen können.“ Vielleicht kann man ihm helfen, Kontakte zu knüpfen (z.B. in einem Verein).
Kann man diesen Wunsch „erfüllen“?
Einen Menschen kann man nicht wie ein Objekt verschenken. Aber man kann den Boden bereiten und Brücken bauen. Man kann ein sicherer Hafen sein, von dem aus der andere sich auf die Suche machen kann. Die eigentliche Erfüllung des Wunsches liegt in der Begegnung zweier Menschen, die bereit sind, einander „zum lieb haben“ zu sein.
Fazit: Das größte Geschenk ist ein Du
„Ich wünsche mir zu Weihnachten einen Freund zum lieb haben“ erinnert uns daran, dass unter all den Paketen das größte Geschenk ein Gegenüber ist. Es ist die Erinnerung an den Kern von Weihnachten: Nicht der Konsum, sondern die Gemeinschaft; nicht der Besitz, sondern die Beziehung steht im Mittelpunkt. Dieser Wunsch ist ein Gebet um Nähe in einer kalten Welt.
Vielleicht ist die schönste Antwort auf diesen Wunsch, in dieser Weihnachtszeit selbst ein wenig mehr der Freund zu sein, den man sich wünscht. Für jemand anderen. Denn oft erfüllen sich solche Herzenswünsche auf Umwegen – indem wir zu dem werden, was wir uns sehnsüchtig erhoffen.