Theodor Fontane: Der Übergang zwischen den Jahreszeiten – Der Übergang zwischen den Jahreszeiten hat etwas Magisches – besonders der vom... | Inspiration & Gedanken
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Theodor Fontane: Der Übergang zwischen den Jahreszeiten

Der Übergang zwischen den Jahreszeiten hat etwas Magisches – besonders der vom Herbst zum Winter. In Theodor Fontanes Gedicht „Noch ist Herbst nicht ganz entflohn…“ wird dieser fließende Moment eingefangen und unmittelbar mit der Vorfreude auf Weihnachten verknüpft. Es ist ein Gedicht des Übergangs und der Ahnung, das die stillen Vorzeichen des Festes in der winterlich werdenden Landschaft liest. In diesem Artikel tauchen wir ein in die feine Beobachtungsgabe und die weihnachtliche Stimmung dieses klassischen Werkes.

Das gesamte Gedicht

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Theodor Fontane (1819-1898)

Eine Wanderung durch drei Strophen: Vom Nachherbst zum verheißenen Stern

Fontane, der große Realist und Stimmungsmaler, führt uns in drei kurzen Strophen von der konkreten Naturbeobachtung zur spirituellen Erwartung.

1. Strophe: Der personifizierte Jahreszeitenwechsel

Das Gedicht beginnt in einer Schwellenzeit: „Noch ist Herbst nicht ganz entflohn“. Der Winter wird nicht als abstrakte Kraft, sondern als mythische Figur eingeführt: „als Knecht Ruprecht schon / Kommt der Winter hergeschritten“. Knecht Ruprecht, der Gehilfe des Nikolaus, ist eine volkstümliche, winterlich-vorweihnachtliche Gestalt. Durch diese Gleichsetzung wird der Winter sofort in den Dienst der Weihnachtsvorbereitung gestellt. Sein Kommen kündigt sich nicht nur durch Kälte an, sondern durch ein freudiges Signal: das „Klingen des Schlittenglöckleins“. Der Ton ist kein bedrohliches Dröhnen, sondern ein helles, festliches Geläut – der Winter als Vorbote des Festes.

2. Strophe: Die Verwandlung der Welt

Die zweite Strophe kontrastiert das „Bunte“ des Herbstes (die letzten Blätter) mit dem alles vereinheitlichenden „Weiß“ des Schnees. Diese Verwandlung ist umfassend: „Türme, Dächer, Zweige“. Die Welt wird rein, still und neu zugedeckt. In dieser allgemeinen Stille fällt der Satz: „Und das Jahr geht auf die Neige“. Es ist eine nüchterne Feststellung des Jahresendes, die jedoch sofort vom folgenden Vers überstrahlt wird: „Und das schönste Fest ist da.“ Fontane setzt hier kein „kommt“, sondern „ist da“. Das Fest existiert bereits in der Erwartung, in der vollendeten winterlichen Stimmung. Es ist im Gefühl schon gegenwärtig.

3. Strophe: Die geistliche Ahnung in weltlichen Zeichen

Die letzte Strophe wendet sich direkt dem Festtag zu („Tag du der Geburt des Herrn“) und gesteht seine zeitliche Ferne ein. Doch dann folgt der geniale Blick Fontanes auf die weltlichen Vorzeichen:
„Aber Tannen, Engel, Fahnen / Lassen uns den Tag schon ahnen“.
Die Dekorationen, die profanen Weihnachtssymbole in den Stuben und auf den Straßen, werden zu Prophetien des Heiligen. Sie sind die sichtbaren, fassbaren Hinweise auf das unsichtbare Wunder. Das Gedicht endet mit einer Steigerung dieser Ahnung: „Und wir sehen schon den Stern.“ Nicht den Stern von Bethlehem als historisches Faktum, sondern den Stern als Symbol der Hoffnung und Gewissheit, der schon im Geiste des Gläubigen und in den funkelnden Lichtern der Vorbereitung leuchtet.

Fontanes Blick: In der winterlichen Verwandlung der Welt kündigt sich das „schönste Fest“ schon an.

Die zentralen Motive und ihre Bedeutung

  • Knecht Ruprecht / Winter: Personifizierung der Jahreszeit als dienende, vorbereitende Kraft für das Fest. Zeigt die Verzahnung von Natur und Kultur im Weihnachtszyklus.
  • Weiß / Schnee: Symbol der Reinigung, Stille und des neuen Anfangs. Die Deckung des Bunten durch Weiß schafft die neutrale, erwartungsvolle Fläche für das Fest.
  • Tannen, Engel, Fahnen: Die säkularen, volkstümlichen Zeichen, die dennoch eine transzendente Ahnung vermitteln. Fontane würdigt die äußere Festfreude als Weg zum inneren Geheimnis.
  • Der Stern: Das letzte, überirdische Symbol. Sein „Sehen“ ist ein Akt des Glaubens und der vorfreudigen Imagination.

Wie du dieses Gedicht in deine Adventszeit integrieren kannst

  1. Als Einstimmung am ersten verschneiten Tag: Lese das Gedicht, wenn der erste Schnee fällt oder die Landschaft winterlich wird. Es hilft, diesen Moment nicht nur meteorologisch, sondern als poetischen Vorboten zu erleben.
  2. Als Text für eine frühe Adventskarte: Für literaturbegeisterte Freunde ist es ein wunderbarer, unaufdringlicher Gruß, der die Vorfreude auf das Fest ausdrückt, ohne es schon einzufordern.
  3. Als Gesprächsimpuls in der Familie: Frage: „Welche ‚Tannen, Engel, Fahnen‘ lassen uns bei uns zu Hause den Tag schon ‚ahnen‘?“ So wird die eigene Dekoration bewusster und bedeutungsvoller.
  4. Als Meditationsanlass: Nimm dir die dritte Strophe vor. Schließe die Augen und frage dich: Wo sehe ich „schon den Stern“ in meiner Vorweihnachtszeit? Was ist mein persönliches Zeichen der Hoffnung?

Für wen ist dieses Gedicht ein besonderer Schatz?

  • Fur Naturverbundene und aufmerksame Beobachter, die den Zauber im Übergang der Jahreszeiten spüren.
  • Fur Liebhaber der klassischen deutschen Dichtung und des poetischen Realismus.
  • Fur Menschen, die die Adventszeit als Phase der Ahnung und stillen Freude schätzen, mehr als die laute Festlichkeit.
  • Fur Theologisch Interessierte, die den Zusammenhang von Naturerfahrung und Glaubensgewissheit reflektieren möchten.

Häufige Fragen (FAQ)

Aus welchem Werk von Fontane stammt dieses Gedicht?
Es gehört zu Fontanes lyrischem Werk und findet sich in verschiedenen Sammlungen seiner Gedichte. Fontane, bekannter für seine Romane und Balladen, hat auch eine Reihe von stimmungsvollen Natur- und Jahreszeitenlyriken verfasst, zu denen dieses zählt.

Was bedeutet „geht auf die Neige“?
Es ist eine bildhafte Redewendung. Wenn ein Fass oder eine Flasche „auf die Neige geht“, ist es fast leer. Das Jahr geht zu Ende, seine Zeit ist fast verbraucht.

Warum sind „Fahnen“ ein Zeichen für Weihnachten?
Hier sind wohl nicht Nationalfahnen, sondern festliche Wimpel und Fahnenschmuck gemeint, wie er früher (und auch heute noch) an Ständen auf Weihnachtsmärkten, an Häusern oder in Kirchen angebracht wurde. Sie sind Teil der volkstümlichen Festdekoration.

Fazit: Die Poesie der Vorbereitung

Theodor Fontanes Gedicht lehrt uns, in den äußeren Zeichen der winterlichen Welt die innere Gewissheit des Festes zu lesen. Es feiert nicht das Fest selbst, sondern die schöne, ahnungsvolle Spanne davor. Es ist ein Loblied auf die Vorfreude als eigenständige, erfüllende Kraft und darauf, wie der Glaube die sinnliche Wahrnehmung verwandelt: Aus Schnee wird ein Glöckchen, aus einer geschmückten Tanne ein Prophet und aus einem Lichterpunkt am Himmel schon der Stern von Bethlehem.

In diesem Sinne: Möge auch Ihre Vorweihnachtszeit von solch einer hellsichtigen Ahnung erfüllt sein, die in den ersten Schneeflocken schon den Glöckchenton und in den Lichtern der Stadt schon den verheißenen Stern erkennt.

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