Ein junger Schüler kam atemlos zum Meister. „Ich möchte so schnell wie möglich erleuchtet werden“, sagte er. „Sagen Sie mir, was ich tun muss. Ich werde Tag und Nacht üben.“
Der Meister betrachtete ihn ruhig. „Komm mit.“
Er führte den Schüler in den Garten und zeigte auf einen jungen Baum. „Gieße diesen Baum. Jeden Tag. Nicht zu viel, nicht zu wenig.“
Der Schüler nickte eifrig. „Und dann? Wann kommt die Erleuchtung?“
„Gieße den Baum“, wiederholte der Meister.
Wochen vergingen. Der Schüler goss fleißig. Der Baum wuchs langsam. Eines Tages fragte er ungeduldig: „Ich gieße und gieße. Aber ich fühle mich nicht erleuchtet. Wann passiert es endlich?“
Der Meister setzte sich unter den Baum. „Du willst, dass der Baum über Nacht zum Wald wird. Aber Bäume wachsen nicht, weil man sie anschreit. Sie wachsen, weil man sie gießt – und dann wartet.“
Der Schüler setzte sich neben ihn. Zum ersten Mal seit Wochen sagte er nichts. Sie saßen da und sahen zu, wie das Licht durch die Blätter fiel.
Nach einer Weile murmelte der Schüler: „Vielleicht ist das Warten auch eine Art des Gehens.“
Der Meister lächelte nur und sagte nichts mehr.
Die Lehre
Erleuchtung und Wachstum lassen sich nicht erzwingen. Wer nur auf das Ergebnis starrt, verpasst den Weg dorthin. Manchmal ist das Geduldige, Alltägliche – das Gießen, das Sitzen, das Warten – bereits der Übungsweg selbst.
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