- Zwei Männer mit demselben Namen
- Der Zauberer im Sack
- Der Küster im Fluss
- Große Klaus verkauft seine Häute
- Die tote Großmutter im Bett
- Der Wirt und der Meth
- Der Apotheker und die Kirche
- Der Viehtreiber und der Sack
- Das Seevieh
- Was diese Geschichte so unverblümt macht
- Häufige Fragen zum kleinen und großen Klaus
- Wer hat „Der kleine Klaus und der große Klaus“ geschrieben?
- Basiert die Geschichte auf einem Volksmärchen?
- Ist das Märchen für Kinder geeignet?
- Wie endet die Geschichte?
Der kleine Klaus und der große Klaus
Eine Geschichte über List gegen Gewalt – und einen kleinen Mann, der immer einen Ausweg findet.
Nicht jedes Märchen endet mit einer Krone. „Der kleine Klaus und der große Klaus“ von Hans Christian Andersen erzählt vom ungleichen Kampf zweier Nachbarn mit demselben Namen – und davon, wie sich List gegen Gewalt behauptet. Eine Geschichte über Neid, Grausamkeit und einen kleinen Mann, der immer einen Ausweg findet, wo keiner zu sein scheint.
Zwei Männer mit demselben Namen
In einem Dorfe wohnten zwei Leute, die beide denselben Namen hatten. Alle Beide hießen sie Klaus, aber der eine besaß vier Pferde und der andere nur ein einziges Pferd. Um sie jedoch von einander unterscheiden zu können, nannte man Den, der vier Pferde hatte, den großen Klaus, und Den, der nur ein einziges Pferd hatte, den kleinen Klaus.
Die ganze Woche hindurch mußte der kleine Klaus für den großen Klaus pflügen und ihm sein einziges Pferd leihen; dann half der große Klaus ihm wieder mit allen seinen vieren, aber nur einmal wöchentlich, des Sonntags. Dann klatschte der kleine Klaus vergnügt mit der Peitsche über alle fünf Pferde und rief: „Hü, alle meine Pferde!“ – bis der große Klaus es ihm verbot und, als er es doch wieder sagte, das einzige Pferd des kleinen Klaus mit einem Hammerschlag tötete.
Der Zauberer im Sack
Mit der Haut des toten Pferdes im Sack machte sich der kleine Klaus auf den Weg zur Stadt, verirrte sich im Wald und bat auf einem Bauernhof um Unterkunft. Von seinem Schlafplatz auf dem Schuppendach aus sah er durchs Fenster, wie die Bauersfrau mit dem Küster ein festliches Mahl genoss – und wie beide, als der Bauer heimkehrte, das Essen versteckten und der Küster sich in eine Kiste verkroch, weil der Bauer keinen Küster ausstehen konnte.
Als der kleine Klaus zum Essen hereingebeten wurde, knarrte seine Pferdehaut unter seinem Fuß – und er behauptete, ein Zauberer im Sack habe ihm gerade Braten, Fisch, Kuchen und Wein für sie herbeigehext. Der staunende Bauer wollte den Zauberer unbedingt kaufen und öffnete auf dessen Rat sogar die Kiste, um „den Teufel“ zu sehen – und erschrak vor dem echten, verängstigten Küster darin. Am Ende bekam der kleine Klaus einen gehäuften Scheffel Geld für den Sack samt „Zauberer“ und musste die Kiste mit dem Küster nur noch loswerden.
Der Küster im Fluss
Auf einer Brücke drohte der kleine Klaus laut, die schwere Kiste in den Fluss zu werfen – bis der Küster darin flehte, ihn herauszulassen, und ihm dafür einen weiteren Scheffel Geld versprach. So kam der kleine Klaus mit einem ganzen Karren voller Geld nach Hause: „Sieh, das Pferd erhielt ich ganz gut bezahlt!“
Große Klaus verkauft seine Häute
Als der große Klaus durch einen Trick mit einem präparierten Scheffelmaß entdeckte, wie reich der kleine Klaus geworden war, schlachtete er kurzerhand alle seine vier Pferde und zog mit den Häuten in die Stadt – überzeugt, für jede einen Scheffel Geld zu bekommen. Schuhmacher und Gerber prügelten ihn stattdessen aus der Stadt.
Die tote Großmutter im Bett
Voller Wut wollte der große Klaus sich rächen und erschlug in der Dunkelheit die im Bett liegende, bereits verstorbene Großmutter des kleinen Klaus – in dem Glauben, es sei der kleine Klaus selbst. Der aber lebte, kleidete die tote Großmutter in Sonntagskleider und setzte sie auf einen Wagen, um sie „in die Stadt“ zu fahren.
Der Wirt und der Meth
In einem Gasthaus bat der kleine Klaus den hitzigen Wirt, seiner „schwerhörigen“ Großmutter draußen ein Glas Met zu bringen. Als diese nicht reagierte, warf der Wirt ihr das Glas ins Gesicht – die Leiche fiel vom Wagen. Aus Angst vor Strafe zahlte der erschrockene Wirt dem kleinen Klaus einen weiteren Scheffel Geld und begrub die Großmutter heimlich selbst.
Der Apotheker und die Kirche
Auch diesmal ließ sich der große Klaus täuschen, erschlug seine eigene Großmutter und versuchte, sie beim Apotheker zu verkaufen – der ihn entsetzt fortjagte. Rasend vor Zorn steckte der große Klaus den kleinen Klaus in einen Sack, um ihn im Fluss zu ertränken. Unterwegs stellte er den Sack vor einer Kirche ab, um kurz einen Psalm zu hören.
Der Viehtreiber und der Sack
Im Sack seufzte der kleine Klaus, er sei „noch zu jung fürs Himmelreich“ – und überredete damit einen vorbeiziehenden alten Viehtreiber, mit ihm die Plätze zu tauschen. Der Viehtreiber kroch freiwillig in den Sack, während der kleine Klaus mit dessen gesamter Rinderherde davonzog. Der ahnungslose große Klaus warf den Sack samt Viehtreiber in den Fluss – überzeugt, endlich seine Rache bekommen zu haben.
Das Seevieh
Als der große Klaus dem quicklebendigen kleinen Klaus mit seiner neuen Rinderherde begegnete, erzählte dieser ihm von einem Reich der Meerjungfrauen auf dem Flussgrund, wo es „Seevieh“ im Überfluss gebe. Gierig ließ sich der große Klaus mit einem Stein beschwert in einen Sack packen und in den Fluss werfen. „Ich fürchte, er wird das Vieh nicht finden!“, sagte der kleine Klaus – und trieb seine Herde allein nach Hause.
Hans Christian Andersen (1805–1875), „Der kleine Klaus und der große Klaus“, zuerst erschienen 1835. Der Text ist gemeinfrei.
Was diese Geschichte so unverblümt macht
Anders als in vielen Märchen gibt es hier keine Fee, die eingreift, und keine Zauberformel, die alles löst. Der kleine Klaus rettet sich allein – mit Nervenstärke, Chuzpe und der Bereitschaft, jede Notlage sofort in eine Geschichte umzudichten, die sein Gegenüber glauben will. Der große Klaus dagegen scheitert immer wieder an derselben Schwäche: Er sieht nur den Reichtum, nie die Falle darin.
Andersen erzählt hier bewusst kein sanftes Märchen. Die Gewalt gegen Tiere und Menschen wird nicht beschönigt, der Humor ist trocken und manchmal grausam. Gerade dieser ungeschliffene Ton – nah an der dänischen Volkserzählung, aus der der Stoff stammt – macht die Geschichte bis heute so lebendig: Sie zeigt, wie Wortwitz und kühle Beobachtungsgabe größer sein können als Kraft und Besitz.
Häufige Fragen zum kleinen und großen Klaus
Wer hat „Der kleine Klaus und der große Klaus“ geschrieben?
Hans Christian Andersen veröffentlichte das Märchen 1835 als eines seiner ersten Märchen überhaupt.
Basiert die Geschichte auf einem Volksmärchen?
Ja, Andersen griff einen bekannten dänischen Erzählstoff um einen listigen armen und einen gierigen reichen Bauern auf und gab ihm seine literarische Form.
Ist das Märchen für Kinder geeignet?
Es enthält deutlich mehr Gewalt und schwarzen Humor als etwa „Däumelinchen“ – Tiere und Menschen werden getötet, wenn auch in überzeichneter, märchenhafter Form. Für jüngere Kinder lohnt sich daher ein Vorlesen mit Einordnung.
Wie endet die Geschichte?
Der kleine Klaus überlistet den großen Klaus ein letztes Mal, indem er ihn glauben lässt, auf dem Flussgrund warte „Seevieh“. Der große Klaus lässt sich mit einem Stein beschwert in den Fluss werfen und wird nicht mehr gesehen.
Vorschau-Ansicht – zeigt nur den Stil. Der vollständige Beitragstext steht in der Gutenberg-Datei.