Illustration zum Thema: Sprache Ein Gedicht Über Macht Worte
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Die Sprache – ein Gedicht über die Macht der Worte

Manche Worte bleiben. Nicht weil sie laut waren, sondern weil sie genau im richtigen Moment kamen. Friedrich von Sallet hat genau davon geschrieben – in einem Gedicht, das die Sprache selbst zum Leuchten bringt. Es heißt schlicht: „Die Sprache“. Und wer es liest, versteht sofort, warum Worte manchmal mehr sagen als tausend Gesten.

Die Sprache

Friedrich von Sallet

Der hat die Sprach‘ als Blumenflor gezogen,
Draus er mit Anmut stille Kränze flicht;
Dem ist sie Roß, das, stürz‘ er oder nicht,
Donnernden Hufschlags Klippen überflogen;

Dem Springquell, der empor in Silberwogen
Kühn bis ins Blau in ew’ger Frische bricht,
Demantentanz erblitzt im Sonnenlicht,
Und drüber, zaub’risch, bebt ein Regenbogen.

Der Andre läßt des Busens Sturm nicht rasten,
Bis tiefsten Weh’s Akkord von schwingenden Saiten
Der Äolsharf‘ aushallt in fernste Weiten.

Der Meister nur greift sicher in die Tasten
Der Riesenorgel, mit geübten Händen
So Donner, wie Gesäusel uns zu spenden.

Fünf Bilder, in denen die Sprache lebt

Sallet zeigt uns die Sprache nicht als Regelwerk, sondern als etwas Lebendiges – und jeder Mensch findet sich in einem seiner Bilder wieder:

Der Blumenflor. Manche behandeln Worte wie Blumen: Sie pflanzen sie mit Geduld, pflegen sie und flechten leise Kränze daraus. Ihre Sprache ist zart, höflich, schön.

Das Ross. Anderen ist die Sprache ein kraftvolles Pferd: wild, unerschrocken, donnernd über Klippen hinweg. Ihre Worte sind Energie, Mut, manchmal auch Sturm.

Der Springquell. Wieder anderen entspringt die Sprache wie ein Brunnen – frisch, kühn, in Silberwogen bis in den Himmel. Ein Regenbogen schwebt darüber: ihre Ideen erhellen alles.

Die Äolsharfe. Und dann sind da jene, deren Sprache tief aus der Seele kommt. Sie lassen den Sturm des Herzens nicht ruhen, bis der tiefste Schmerz in fernste Weiten klingt. Ihre Worte weinen und trösten zugleich.

Die Riesenorgel. Doch nur der Meister beherrscht sie alle: Er kann donnern und flüstern, laut sein und leise, stark und sanft. Wer so spricht, hat gelernt, dass echte Sprache alles sein darf.

Was dieses Gedicht mit dir macht

Wir alle sprechen. Aber manche Menschen sprechen so, dass es bleibt. Dieses Gedicht erinnert uns daran, dass die Art, wie wir Worte wählen, eine Art ist, wie wir uns zeigen: mutig oder behutsam, laut oder leise – und manchmal genau richtig für jemanden, der es gerade braucht.

Sprache ist nie nur Technik. Sie ist das Fenster, durch das wir einander sehen. Und das schönste an Sallets Worten: Sie machen uns nicht kleiner, sondern bewusster – jede Begegnung, jedes Gespräch kann ein kleiner Regenbogen sein.

Friedrich von Sallet: Ein Dichter des leisen Tons

Geboren 1812 in Neiße, ging Sallet mit 23 Jahren nach Berlin an die Kriegsschule und hörte dort auch Hegels Vorlesungen. Bekannt wurde er vor allem durch sein Laien-Evangelium und Gedichte, die klug, kritisch und dennoch voller Wärme waren. Mit nur 30 Jahren starb er 1843 in Reichau – und hinterließ Worte, die bis heute weiterleben. Ein Dichter, der früh ging und doch so lebendig spricht.

Gib weiter, was dich berührt

Vielleicht hat dich dieses Gedicht gerade jetzt erreicht – genau im richtigen Moment. Dann gib es weiter: an einen Menschen, der Worte gerade dringend braucht. Oder stöbere weiter in unseren nachdenklichen Gedichten und finde Texte, die das aussprechen, was du selbst schon lange fühlst.

Häufige Fragen zu „Die Sprache“

Von wem stammt das Gedicht „Die Sprache“?

Das Gedicht „Die Sprache“ stammt von Friedrich von Sallet (1812–1843), einem deutschen Dichter, der vor allem für sein „Laien-Evangelium“ und seine nachdenklichen Gedichte bekannt ist.

Was bedeutet das Gedicht „Die Sprache“?

Das Gedicht zeigt die Sprache als vielseitiges, lebendiges Werkzeug: Sie kann schön und zart sein wie ein Blumenkranz, kraftvoll wie ein Ross, frisch wie ein Springquell, tief wie die Töne einer Äolsharfe – oder meisterhaft wie eine Riesenorgel, die Donner und Gesäusel zugleich hervorbringt.

Darf ich das Gedicht „Die Sprache“ auf meiner Webseite verwenden?

Ja. Friedrich von Sallet starb 1843, das Gedicht ist damit gemeinfrei und darf frei verwendet werden.

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