Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

­čîč Der Stern der Mitte | Adventgeschichte | Weihnachtsgeschichte

Der Stern in der Mitte - eine Weihnachtsgeschichte
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Ein weiser Mann aus dem Morgenland hatte nach Jahren m├╝hseliger Arbeit aus den Gesteinen der Erde einen Stern zusammengesetzt, in dem die feinsten Kr├Ąfte des Lebens gebannt waren. Was dem Weisen Sch├Ânes und Wertvolles begegnet war, hatte er in Kristallen verwandelt und dem Sterne eingef├╝gt.
Als der Wunderstern vollendet war, lie├č er auf der Landstra├če, die von Mekka nach Medina f├╝hrt, eine pr├Ąchtige Schau- und Kaufhalle errichten. Hoch oben in der Kuppel befestigte er seinen Stern. Um ihn her liefen goldene Lettern, die in einer fremden Sprache folgenden Spruch trugen:
Weib oder Mann,
sieh mich gl├Ąubig an,
dann leuchtet tief,
was verborgen schlief,
dann wird zum Kern der Dinge Gestalt,
dann wird zur Ohnmacht fremde Gewalt,
dann wird zum Helden das Kind, der Tor,
dann klimmt ein Mensch zu Gott empor!

Tausende von Wanderer kamen t├Ąglich durch die Wunderhalle und bestaunten die Pracht und die Sch├Ątze, die der weise Mann darin aufgeh├Ąuft hatte. Sie betasteten das k├╝nstliche Gitterwerk vor den Schauk├Ąsten, die farbenpr├Ąchtigen Teppiche an den W├Ąnden, die herrlichen Sammlungen der Waffen und edlen Gesteine in den Nischen – jedoch den Stern hoch oben in der Deckenw├Âlbung sah niemand gl├Ąubig an. Wohl streifte ab und zu ein halber blick den hellen Fleck, aber man hielt ihn f├╝r wertloses Glas, und niemandes Auge blieb an ihm haften. Immer kehrten die Blicke in die pr├Ąchtige Halle unten zur├╝ck. Da hingen auch zwei gro├če Bilder an den W├Ąnden. Vor diesen Bildern stand die Menge immer dichtgedr├Ąngt mit Staunen und Gefl├╝ster.
Das eine Bild stellte den Tod dar, wie er an einer langen Kette vorbeimarschierte und mit der Sense einem Soldaten nach dem andern den Kopf abschl├Ągt. Die Soldaten aber – und das war grausig anzusehen – standen alle stramm wie auf dem Kasernenhof, und die ihren Kopf noch hatten, machten die Augen zu. Vorn, auf dem Feuer einer platzenden Granate, sa├č grinsend der Teufel und schwenkte sein rotes F├Ąhnchen.
Das Bild auf der andern Seite war ein Gastmahl in einer offenen Veranda. Eine Menge sch├Ângeputzter Herren und Damen sa├čen da zu Tische. Erlesene Speisen und edle Weine standen vor ihnen. Sie a├čen und lachten mit einander und warfen Knochen und Brotst├╝cke ├╝ber die Br├╝stung. Drau├čen standen viele arme Leute und fingen die Broken auf; einige mit Hass in den Augen, andere mit tiefer Verbeugung. Daneben standen etliche, die sahen traurig oder ingrimmig zu, und einer ballte die Faust nach dem Tisch mit den Speisen.
Diese beiden Bilder zogen die Menschen immer wieder machtvoll an, aber der Weise aus dem Morgenland sah kopfsch├╝ttelnd zu; die Halle war schon seit Jahren fertig, und noch kein Pilger hatte den Stern der Decke gl├Ąubig angesehen.

Da kam eines Tages ein Findelkind der Armut in das Gew├Âlbe. Heimatlos und elternlos war der Knabe ausgezogen, aber Augen waren voll Sonne und sein Herz voll G├╝te. Er sang in den blauen Himmel hinein, und sein trocknes Brot mundete ihm wie k├Âstliches Manna. Ehrfurchtsvoll trat er in das hohe Tor, lie├č seine staunenden Blicke langsam durch das Gew├Âlbe gleiten und sah entz├╝ckt auf zur Kuppel. Da war ihm, als ob das ganze Bauwerk fern oben in der Mitte zusammenfloss, und als ob sich goldne Str├Âme in langen Bahnen aus dem leuchtenden Sterne in die Halle zur├╝ckerg├Âssen. Immer wieder sah er hinab – hinauf – seine Augen wurden weit vor staunender Erkenntnis, und wie zum Gebet schlossen sich seine H├Ąnde.
Da erf├╝llte sich das Wunder, das den Sterne innewohnte: Er fing an sich zu drehen und dem Knaben sein verborgenes Farbenspiel zu zeigen. Weich und gl├╝hend dehnten sich seine bunten Kreise durch das Gew├Âlbe; und was sie ber├╝hrten, wurde von eigenem Leben erf├╝llt oder kristallen durchsichtig und offenbarte dem Beschauer sein innerstes Wirken. Da faltete der einsame Knabe gl├Ąubig die H├Ąnde und betete: „Gelobt sei Allah!“
Wie ein Tr├Ąumender ging er zuerst durch das Gewimmel der anderen Pilger; sie wichen scheu vor ihm, er aber merkte es nicht.

Bald jedoch erf├╝llte sich die Verhei├čung des Weisen an ihm; es war, als ob ein geheimes Licht in Menschen und Dinge hineinleuchtete. So sah er vieles, was den andern verborgen war, und was er selbst nie vorher gesehen hatte. Auch die Bilder in der Halle sah er mit neuen Augen. Auf dem Bilde mit den gek├Âpften Soldaten erblickte er hinter allen Greueln den Friedensengel; und auf dem Bilde der Reichen und Armen sah er den Geist der Gerechtigkeit, der eben das Schwert aus der Scheide zog. Fern aber zwischen beiden Bildern, tat sich ihm die Wand auf, und er sah ein neues Land in der D├Ąmmerung liegen, wo stolze, gesunde Menschen ihrem Tagewerk und ihrer Mu├če nachgingen.
Und er sah das Lebendige und das Tote, und erkannte, dass ein Weizenkorn mehr sei als ein Goldkorn.
Und sah den Krieg und die Bitternis, und wusste, dass der Frieden ihr letztes Kind sein w├╝rde.
Und er sah, dass der Tod nur ruhendes Leben und das Endliche nur ein Widerspiel des Unendlichen ist.

Und er wuchs und tat seinen Mund auf und sagte den Pilgern, was er sah. Und es ging ein Leuchten von ihm aus, so dass sie ihm glaubten und ihm anhingen.
Er hatte den Stern in der Mitte gl├Ąubig angesehen.

Paula Dehmel

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Ich hasse Menschen Buch

1 Kommentar zu ÔÇ×­čîč Der Stern der Mitte | Adventgeschichte | WeihnachtsgeschichteÔÇť

  1. Hallo und gr├╝├č Dich Mahababa ­čĄŁ
    DANKESCH├ľN erstmal wieder :::F├ťR do viel TOLLES,GUTES ,SCH├ľNES, BEMERKENSWERTES was Du immer hervor tust­čĺÖ­čĺč­čĺÖ­č匭čî║ECHT KLASSE.
    Ich ,habe so wie ­čĽ»jetzt ­čĽ»auch grade wieder so Sch├Ânes, Bemerkenswertes nich nie gelesenNICHT lesen k├ÂnnenÔŁŚ
    GR├ťNDE ????LASSEN wir im TIEFEN Hintergrund ÔŁŚLiest,ja nicht nur DUÔŁŚNochmals DANK ­čĄŁF├╝r so VIEL Flei├č mit F├╝hlbarer G├╝teÔŁŚL­čĺÖ­čĺč­čĺÖG­čĺÖK­čĺÖ­čĺč­čĺÖA­čĺÖ­čĺč­čĺÖR­čĺÖ­čĺč­čĺÖI­čĺÖ­čĺč­čĺÖN­čĺč­čî║­čĺŚÔŁŚ

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