Kleine Auszeiten

In unserer schnelllebigen Welt ist es oft eine echte Herausforderung, sich Zeit fĂŒr sich selbst zu nehmen. Aber genau das ist so wichtig fĂŒr unser Wohlbefinden und unsere LebensqualitĂ€t.

Das silberne Seil | Ein MĂ€rchen aus Japan

Das silberne Seil - ein MĂ€rchen aus Japan
Novellen - Kurzgeschichten - BĂŒcher - Daniela Noitz
Eines sonnigen Morgens ging der Buddha in den Himmeln am Ufer des LotosblĂŒtensees spazieren und trĂ€umte unter den sanften Strahlen der Sonne vor sich hin. Als er sich ĂŒber das Wasser des Sees beugte, erblickte er in den tiefen Strudeln von Naraka einen Mann, der wild um sich schlug und um Hilfe zu rufen schien. Der Buddha erkannte ihn auf den ersten Blick: Es war ein Mann namens Kantuka, ein Dieb, ein WĂŒstling, ein verabscheuenswerter Mörder dem er wĂ€hrend seines Aufenthaltes auf der Erde begegnet war. Der Buddha ist unendliches MitgefĂŒhl.. Er erinnerte sich, dass dieser Kantuka einmal in seinem Leben so etwas wie GĂŒte gezeigt hatte: Eine große Spinne hatte sich auf seine Sandale gesetzt, und statt sie zu zerquetschen, hatte er sie verschont und war seines Weges gegangen.

„Ich werde ihm helfen, weil er damals MitgefĂŒhl an den Tag gelegt hat“, sagte Buddha. Wer weiß, vielleicht ist diesem UnglĂŒcklichen doch ein Funken GroßzĂŒgigkeit geblieben. Er nahm also einen seidenen Spinnfaden und ließ ihn zu Kantuka in den See hinab.
Der Faden verwandelte sich in ein silbernes Seil, und der Bandit ergriff es mit beiden HĂ€nden. Er begann sich hinaufzuarbeiten, was gar nicht so einfach war. Kantuka bot seine letzten KrĂ€fte auf. Er mĂŒhte sich mit HĂ€nden, Knien und FĂŒĂŸen ab, er schwitzte und keuchte. Bald erblickte er ein Eckchen blauen Himmels ĂŒber seinem Kopf. Da strengte er sich noch mehr an und warf dabei einen Blick nach unten.
Was fĂŒr ein grauenhafter Anblick: Einige seiner alten Kumpane griffen nach dem silbernen Seil und versuchten ihrerseits, daran hochzuklettern.
„Dieses Seil ist wahrscheinlich nicht fest genug, um uns alle tragen zu können“, sagte sich Kantuka. In diesem Moment erinnerte er sich daran, dass er in einer Tasche ein Messer versteckt hatte, das er bei seinen Mordtaten benutzt hatte.
„Ich werde das Seil durchschneiden“, dachte er, „dann bin ich sie los.“

Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende gedacht, als das Seil ĂŒber ihm riss und er fĂŒr alle Ewigkeit in der Hölle versank.

+1
0
+1
0
Dieses Bild teilen:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mut zur Selbstverantwortung: Werde zum Gestalter deines Lebens!