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Liebesgeschichten

Das offene Fenster – Eine kurze Liebesgeschichte

Visualisierung: Offene Fenster Kurze Liebesgeschichte

Jeden Abend ließ Frau Berger das Fenster zur Straße einen Spalt offen. Nicht weit, nur so viel, dass die kühle Luft hereinkam und man die Geräusche der Stadt hören konnte.

Ihr Mann hatte das früher nicht gemocht. „Es zieht“, hatte er gesagt. Nach seinem Tod ließ sie es trotzdem offen. Manchmal, wenn sie abends allein am Tisch saß, hörte sie Schritte auf dem Bürgersteig und stellte sich vor, er käme noch einmal vorbei.

Eines Abends blieb jemand unter ihrem Fenster stehen. Eine leise Stimme sagte: „Guten Abend.“

HERZENSKREIS

Ich vertraue dir nicht
Herzenskreis

Ich vertraue dir nicht

Franziska Franzi

Wenn Vertrauen zerbricht, bleibt oft die Angst, erneut verletzt zu werden.

Nicht deins? Vielleicht die nächste kleine Überraschung.

Frau Berger erschrak leicht und trat ans Fenster. Unten stand ein älterer Herr mit einem Hund. Er lächelte entschuldigend. „Entschuldigung, wenn ich störe. Ich gehe hier jeden Abend vorbei und sehe Ihr Licht. Es wirkt … freundlich.“

Sie wusste nicht recht, was sie antworten sollte. Also sagte sie nur: „Guten Abend.“

In den folgenden Wochen blieb er öfter stehen. Manchmal nur kurz, manchmal ein paar Minuten. Sie unterhielten sich über das Wetter, über den Hund, über die Straßenlaterne, die schon seit Wochen flackerte. Nie über große Dinge. Nie über das, was fehlte.

Eines Abends fragte er: „Darf ich Ihnen morgen eine Zeitung mitbringen? Die gute, mit dem Rätsel.“

Frau Berger zögerte. Dann nickte sie. „Gerne.“

Als er gegangen war, schloss sie das Fenster nicht. Sie ließ es einen Spalt offen – nicht mehr aus Gewohnheit, sondern weil sie merkte, dass es sich gut anfühlte, wenn jemand vorbeikam.


Die leise Moral

Manchmal beginnt Nähe nicht mit großen Gesten. Manchmal reicht ein offenes Fenster und die Bereitschaft, jemanden stehen zu lassen, der einfach nur grüßt. Liebe muss nicht laut sein. Oft genügt es, den Spalt offen zu halten.

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