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Liebesgeschichten

Das geteilte Brot – Eine kurze Liebesgeschichte

Jeden Freitagabend kaufte Frau Hartmann ein frisches Brot beim Bäcker an der Ecke. Immer dasselbe: ein kräftiges Roggenbrot. Sie brach es zu Hause entzwei, aß die eine Hälfte und legte die andere auf den Teller gegenüber.

Seit dem Tod ihres Mannes hatte sie das Ritual beibehalten. Nicht aus Aberglauben. Einfach, weil es sich anfühlte, als wäre der Platz nicht ganz leer.

Eines Freitags war der Bäcker besonders freundlich. „Für zwei?“ fragte er, als er das Brot einpackte.

Frau Hartmann zögerte. „Für … ja. Für zwei.“

Er lächelte nur und gab ihr noch ein kleines Stück Kuchen dazu. „Passt zum Brot.“

Zu Hause setzte sie sich an den Tisch. Die eine Hälfte des Brotes, der leere Teller, der Kuchen. Sie aß langsam. Als sie fertig war, blieb sie sitzen und sah auf den Platz gegenüber.

Am nächsten Freitag kam sie wieder. Der Bäcker nickte ihr zu. „Dasselbe?“

„Ja. Aber diesmal … vielleicht für zwei, die beide noch da sind.“

Er verstand nicht ganz, aber er lächelte. Am Abend lag auf dem Teller gegenüber nicht nur Brot, sondern auch ein kleines Stück Kuchen. Frau Hartmann aß ihre Hälfte und dachte: Manchmal teilt man nicht, weil jemand fehlt. Manchmal teilt man, weil man gelernt hat, dass Geben auch eine Form von Nähe ist – selbst wenn der andere Stuhl noch leer bleibt.


Die leise Moral

Liebe endet nicht immer mit dem letzten gemeinsamen Bissen. Manchmal bleibt sie als Geste, als Ritual, als Bereitschaft, den Platz freizuhalten – und irgendwann auch wieder zu füllen, auf neue Weise. Teilen ist nicht nur für die, die da sind. Es ist auch für die, die man nicht vergessen will.

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