Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

­čÄů Weihnachten in der Fremde | Weihnachtsgeschichte | Theodor Storm

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Weihnachten in der Fremde - eine Geschichte von Theodor Storm
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Weihnachtsabend kam heran. Es war noch nachmittags, als Reinhard mit anderen Studenten im Ratskeller am alten Eichentisch zusammensass. Die Lampen an den W├Ąnden waren angez├╝ndet, denn hier unten d├Ąmmerte es schon; aber die G├Ąste waren sparsam versammelt, die Kellner lehnten m├╝├čig an den Mauerpfeilern. In einem Winkel des Gew├Âlbes sassen ein Geigenspieler und ein Zitherm├Ądchen mit feinen zigeunerhaften Z├╝gen. Sie hatten ihre Instrumente auf dem Scho├č liegen und schienen teilnahmslos vor sich hinzusehen.

Am Studententisch knallte ein Champagnerpfropfen.

„Trinke, mein b├Âhmisch Liebchen!“ rief ein junger Mann von junkerhaftem ├äu├čerem, indem er sein volles Glas zu dem M├Ądchen hin├╝berreichte.
„Ich mag nicht“, sagte sie, ohne ihre Stellung zu ver├Ąndern.
„So singe!“ rief der Junker und warf ihr eine Silberm├╝nze in den Scho├č. Das M├Ądchen strich sich langsam mit den Fingern durch ihr schwarzes Haar, w├Ąhrend der Geigenspieler ihr ins Ohr fl├╝sterte, aber sie warf den Kopf zur├╝ck uns st├╝tzte das Kinn auf die Zither.
„F├╝r den spielÔÇś ich nicht“, sagte sie.
Reinhard sprang mit dem Glase in der Hand auf und stellte sich vor sie.
„Was willst du?“ fragte sie trotzig.
„Deine Augen sehen.“
„Was gehen dich meine Augen an?“
Reinhard sah funkelnd auf sie nieder. „Ich wei├č wohl, sie sind falsch!“ Sie legte ihre Wange in die flache Hand und sah ihn lauernd an.
Reinhard hob sein Glas an den Mund.
„Auf deine sch├Ânen, s├╝ndhaften Augen!“ sagte er und trank.
Sie lachte und warf den Kopf herum.
„Gib!“ sagte sie, und indem sie ihre schwarzen Augen in die seinen heftete, trank sie langsam den Rest.
Dann griff sie einen Dreiklang und sang mit tiefer, leidenschaftlicher Stimme:“Heute, nur heute
bin ich so sch├Ân;
morgen, ach morgen
muss alles vergehn!
Nur diese Stunde
bist du noch mein;
sterben, ach sterben,
soll ich allein.“

W├Ąhrend der Geigenspieler im raschen Tempo das Nachspiel einsetzte, gesellte sich ein neuer Ank├Âmmling zu der Gruppe.
„Ich wollte dich abholen, Reinhard“, sagte er.
„Du warst schon fort; aber das Christkind war bei dir eingekehrt.“
„Das Christkind?“ sagte Reinhard.
„Das kommt nicht mehr zu mir.“
„Ei was!
Dein ganzes Zimmer roch nach Tannenbaum und braunem Kuchen.“
Reinhard setzte das Glas aus der Hand und griff nach seiner M├╝tze.
„Was willst du ?“ fragte das M├Ądchen.
„Ich komme schon wieder.“
Sie runzelte die Stirn.
„Bleib!“ rief sie leise und sah ihn vertraulich an.
Reinhard z├Âgerte.
„Ich kann nicht“, sagte er.
Sie stie├č ihn lachend mit der Fu├čspitze.

„Geh!“ sagte sie. „Du taugst nichts; ihr taugt miteinander nichts.“ Und w├Ąhrend sie sich abwandte, stieg Reinhard langsam die Kellertreppe hinauf.
Drau├čen auf der Stra├če war es tiefe D├Ąmmerung; er f├╝hlte die frische Winterluft an seiner hei├čen Stirn. Hier und da fiel der helle Schein eines brennenden Tannenbaumes aus den Fenstern, dann und wann h├Ârte man von drinnen das Ger├Ąusch von kleinen Pfeifen und Blechtrompeten und dazwischen jubelnde Kinderstimmen.

Scharen von Bettelkindern gingen von Haus zu Haus oder stiegen auf die Treppengel├Ąnder und suchten durch die Fenster einen Blick in die versagte Herrlichkeit zu gewinnen.
Mitunter wurde auch eine T├╝r pl├Âtzlich aufgerissen, und scheltende Stimmen trieben einen ganzen Schwarm solcher kleiner G├Ąste aus dem hellen Hause auf die dunkle Gasse hinaus; anderswo wurde auf dem Hausflur ein altes Weihnachtslied gesungen; es waren klare M├Ądchenstimmen darunter.
Reinhard h├Ârte sie nicht, er ging rasch an allem vor├╝ber, aus einer Stra├če in die andere.
Als er an seine Wohnung gekommen, war es fast v├Âllig dunkel geworden; er stolperte die Treppe hinauf und trat in seine Stube. Ein s├╝├čer Duft schlug ihm entgegen; das heimelte ihn an, das roch wie zu Hause der Mutter Weihnachtsstube.
Mit zitternder Hand z├╝ndete er sein Licht an; da lag ein m├Ąchtiges Paket auf dem Tisch, und als er es ├Âffnete, fielen die wohlbekannten braunen Festkuchen heraus; auf einigen waren die Anfangsbuchstaben seines Namens in Zucker ausgestreut; das konnte niemand anders als Elisabeth getan haben. Dann kam ein P├Ąckchen mit feiner gestrickter W├Ąsche zum Vorschein, T├╝cher und Manschetten, zuletzt Briefe von der Mutter und von Elisabeth. Reinhard ├Âffnete zuerst den letzteren; Elisabeth schrieb:
„Die sch├Ânen Zuckerbuchstaben k├Ânnen Dir wohl erz├Ąhlen, wer bei den Kuchen mitgeholfen hat; dieselbe Person hat die Manschetten f├╝r Dich gestickt. Bei uns wird es nun Weihnachtsabend sehr still werden; meine Mutter stellt immer schon um halb zehn ihr Spinnrad in die Ecke.
Es ist gar so einsam diesen Winter, wo Du nicht hier bist. Nun ist auch vorigen Sonntag der H├Ąnfling gestorben, den Du mir geschenkt hattest; ich habe sehr geweint, aber ich habe ihn doch immer gut gewartet. Der sang sonst immer nachmittags, wenn die Sonne auf seinen Bauer schien; Du wei├čt, die Mutter hing oft ein Tuch ├╝ber, um ihn zu geschweigen, wenn er so recht aus Kr├Ąften sang. Da ist es nun noch stiller in der Kammer, nur dass Dein alter Freund Erich uns jetzt mitunter besucht. Du sagtest einmal, er s├Ąhe seinem braunen ├ťberrock ├Ąhnlich. Daran muss ich nun immer denken, wenn er zur T├╝r hereinkommt, und es ist gar zu komisch; ich sag es aber nicht zur Mutter, sie wird dann leicht verdrie├člich. ÔÇô
Rat, was ich Deiner Mutter zu Weihnachten schenke!
Du r├Ątst es nicht? Mich selber!
Der Erich zeichnete mich in schwarzer Kreide; ich habe ihm schon dreimal sitzen m├╝ssen, jedesmal eine ganze Stunde. Es war mir recht zuwider, dass der fremde Mensch mein Gesicht so auswendig lernte. Ich wollte auch nicht, aber die Mutter redete mir zu; sie sagte, es w├╝rde der guten Frau Werner eine gro├če Freude machen.
Aber Du h├Ąltst nicht Wort, Reinhard. Du hast keine M├Ąrchen geschickt. Ich habe Dich oft bei Deiner Mutter verklagt; sie sagt dann immer, Du habest jetzt mehr zu tun als solche Kindereien. Ich glaub es aber nicht; es ist wohl anders.“
Nun las Reinhard den Brief seiner Mutter, und als er beide Briefe gelesen und langsam wieder zusammengefaltet und weggelegt hatte, ├╝berfiel ihn unerbittliches Heimweh.
Er ging eine Zeit lang in seinem Zimmer auf und nieder; er sprach leise und dann halb verst├Ąndlich zu sich selbst:
„Er w├Ąre fast verirrt und wusste nicht hinaus; da stand das Kind am Wege und winkte ihm nach Haus!“
Dann trat er an sein Pult, nahm einiges Geld heraus und ging wieder auf die Stra├če hinab. Hier war es mittlerweile stiller geworden, die Weihnachtsb├Ąume waren ausgebrannt, die Umz├╝ge der Kinder hatten aufgeh├Ârt. Der Wind fegte durch die einsamen Stra├čen; Alte und Junge sassen in ihren H├Ąusern familienweise zusammen; der zweite Abschnitt des Weihnachtsabends hatte begonnen.
Als Reinhard in die N├Ąhe des Ratskellers kam, h├Ârte er aus der Tiefe herauf Geigenstrich und den Gesang des Zitherm├Ądchens; nun klingelte unten die Kellert├╝re, und eine dunkle Gestalt schwankte die breite, matt erleuchtete Treppe herauf.
Reinhard trat in den H├Ąuserschatten und ging dann rasch vor├╝ber. Nach einer Weile erreichte er den erleuchteten Laden eines Juweliers; und nachdem er hier ein kleines Kreuz von roten Korallen eingehandelt hatte, ging er auf demselben Weg, den er gekommen war, wieder zur├╝ck. Nicht weit von seiner Wohnung bemerkte er ein kleines in kl├Ągliche Lumpen geh├╝lltes M├Ądchen an einer hohen Haust├╝r stehen, in vergeblicher Bem├╝hung, sie zu ├Âffnen.
“ Soll ich dir helfen ?“ sagte er.
Das Kind erwiderte nichts, lie├č aber die schwere T├╝rklinke fallen. Reinhard hatte schon die T├╝r ge├Âffnet.
„Nein“, sagte er, „sie k├Ânnten dich hinausjagen; komm mit mir!
Ich will dir Weihnachtskuchen geben.“ Dann machte er die T├╝r wieder zu und fasste das kleine M├Ądchen an der Hand, das stillschweigend mit ihm in seine Wohnung ging.
Er hatte das Licht beim Weggehen brennen lassen.
„Hier hast du Kuchen“, sagte er und gab ihr die H├Ąlfte seines ganzen Schatzes in die Sch├╝rze, nur keine mit den Zuckerbuchstaben.
„Nun geh nach Haus und gib deiner Mutter auch davon.“
Das Kind sah mit einem scheuen Blick zu ihm hinauf; es schien solcher Freundlichkeiten ungewohnt und nichts darauf erwidern zu k├Ânnen.
Reinhard machte die T├╝r auf und leuchtete ihr, und nun flog die Kleine wie ein Vogel mit ihrem Kuchen die Treppe hinab und zum Haus hinaus. Reinhard sch├╝rte das Feuer in seinem Ofen an und stellte das bestaubte Tintenfass auf seinen Tisch; dann setzte er sich hin und schrieb und schrieb die ganze Nacht Briefe an seine Mutter, an Elisabeth.
Der Rest der Weihnachtskuchen lag unber├╝hrt neben ihm; aber die Manschetten von Elisabeth hatte er angekn├╝pft, was sich gar wunderlich zu seinem wei├čen Flauschrock ausnahm.
So sass er noch, als die Wintersonne auf die gefrorenen Fensterscheiben fiel und ihm gegen├╝ber im Spiegel ein blasses, ernstes Antlitz zeigte.Theodor Storm

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Ich hasse Menschen Buch

1 Kommentar zu ÔÇ×­čÄů Weihnachten in der Fremde | Weihnachtsgeschichte | Theodor StormÔÇť

  1. Gr├╝├č Dich Mahababa. Einen sch├Ânen 2.ten Advent DIR­čĽ»­čîč­č匭čî║.Ein tolles Gedicht.Werde gerade abgeholtÔŁŚWEIHNACHTEN in der FREMDEÔŁôkann,positiv negativ sein. Danke an Dich­čĄŁ­čĺč­čĺč­čĺŚÔÖą´ŞĆ­čî║F├╝r Deinen Flei├č.+++++Toller MenschÔŁŚ­čĺč­čĺÖ­čĺčBis sp├Ąter­čĺÖ­čĺÖ Deine Karin­čîč­čĽ»­čĺÖ­čĺč­čĺÖ­čĺÖ

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