Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Der Rosenelf – ein MĂ€rchen von Hans Christian Andersen

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Der Rosenelf - ein MĂ€rchen von Hans Christian Andersen
Novellen - Kurzgeschichten - BĂŒcher - Daniela Noitz

Mitten in einem Garten wuchs ein Rosenstock, der war ganz voller Rosen, und in einer derselben, der schönsten von allen, wohnte ein Elf; er war so winzig klein, dass kein menschliches Auge ihn erblicken konnte; hinter jedem Blatte in der Rose hatte er eine Schlafkammer; er war so wohlgebildet und schön wie nur ein Kind sein konnte, und hatte FlĂŒgel von den Schultern bis gerade hinunter zu den FĂŒĂŸen. O, welcher Duft war in seinem Zimmer, und wie klar und schön waren die WĂ€nde! Es waren ja die blassroten RosenblĂ€tter. Den ganzen Tag erfreute er sich im warmen Sonnenschein, flog von Blume zu Blume, tanzte auf den FlĂŒgeln des fliegenden Schmetterlings und maß, wie viele Schritte er zu gehen hatte, um ĂŒber alle Landstraßen und Steige zu gelangen, welche auf einem einzigen Lindenblatte sind. Das war, was wir die Adern im Blatte nennen, die er fĂŒr Landstraßen und Steige nahm, ja das waren große Wege fĂŒr ihn! Ehe er damit fertig wurde, ging die Sonne unter, er hatte auch spĂ€t damit angefangen.

Es wurde kalt, der Tau fiel und der Wind wehte; nun war es das Beste, nach Hause zu kommen, er tummelte sich, so sehr er konnte, aber die Rose hatte sich geschlossen, er konnte nicht hineingelangen – keine einzige Rose stand geöffnet. Der arme kleine Elf erschrak sehr. Er war frĂŒher nie Nachts weggewesen, hatte immer sĂŒĂŸ hinter den warmen RosenblĂ€ttern geschlummert. O, das wird sicher sein Tod werden! Am andern Ende des Gartens, wusste er, befand sich eine Laube mit schönem JelĂ€ngerjelieber, die Blumen sahen wie große bemalte Hörner aus; in eine derselben wollte er hinabsteigen und bis morgen schlafen. Er flog dahin. Was sah er! Es waren zwei Menschen darin, ein junger hĂŒbscher Mann und ein schönes MĂ€dchen; sie saßen nebeneinander und wĂŒnschten, dass sie sich nicht zu trennen brauchten; sie waren einander so gut, weit mehr noch, als das beste Kind seiner Mutter und seinem Vater sein kann. „Doch mĂŒssen wir uns trennen!“ sagte der junge Mann. „Dein Bruder mag uns nicht leiden, deshalb sendet er mich mit einem Auftrage soweit ĂŒber Berge und Seen fort! Lebe wohl, meine sĂŒĂŸe Braut, denn das bist du mir doch!“ Dann kĂŒssten sie sich, und das junge MĂ€dchen weinte und gab ihm eine Rose. Aber bevor sie ihm dieselbe reichte, drĂŒckte sie einen Kuss darauf, so fest und innig, dass die Blume sich öffnete. Da flog der kleine Elf in diese hinein und lehnte sein Haupt gegen die feinen duftenden WĂ€nde, hier konnte er gut hören, dass Lebewohl gesagt wurde. Und er fĂŒhlte, dass die Rose ihren Platz an des jungen Mannes Brust erhielt. O wie schlug doch das Herz darinnen! Der kleine Elf konnte gar nicht einschlafen, so pochte es.

Doch nicht lange lag die Rose auf der Brust. Der Mann nahm sie hervor, und wĂ€hrend er einsam in dem dunklen Walde ging, kĂŒsste er die Blume, so oft und stark, dass der kleine Elf fast erdrĂŒckt wurde; er konnte durch das Blatt fĂŒhlen, wie die Lippen des Mannes brannten, und die Rose selbst hatte sich, wie bei der stĂ€rksten Mittagssonne, geöffnet. Da kam ein anderer Mann, finster und böse; es war des hĂŒbschen MĂ€dchens schlechter Bruder. Ein scharfes und großes Messer zog er hervor, und wĂ€hrend jener die Rose kĂŒsste, stach der schlechte Mann ihn tot, schnitt seinen Kopf ab und begrub ihn mit dem Körper in der weichen Erde unter dem Lindenbaume. „Nun ist er vergessen und fort“, dachte der schlechte Bruder; „er kommt nie mehr zurĂŒck. Eine lange Reise sollte er machen, ĂŒber Berge und Seen, da kann man leicht das Leben verlieren, und das hat er verloren. Er kommt nicht mehr zurĂŒck, und mich darf meine Schwester nicht nach ihm fragen.“ Dann scharrte er mit dem Fuße verdorrte BlĂ€tter ĂŒber die lockere Erde und ging wieder in der dunklen Nacht nach Hause. Aber er ging nicht allein, wie er glaubte; der kleine Elf begleitete ihn, er saß in einem vertrockneten, aufgerollten Lindenblatte, welches dem bösen Mann, als er grub, in die Haare gefallen war. Der Hut war nun darauf gesetzt, es war dunkel darin, und der Elf zitterte vor Schreck und Zorn ĂŒber die schlechte Tat.

In der Morgenstunde kam der böse Mann nach Hause; er nahm seinen Hut ab und ging in der Schwester Schlafstube hinein. Da lag das schöne blĂŒhende MĂ€dchen und trĂ€umte von ihm, dem sie so gut war und von dem sie nun glaubte, dass er ĂŒber Berge und durch WĂ€lder gehe; der böse Bruder neigte sich ĂŒber sie und lachte hĂ€sslich, wie nur ein Teufel lachen kann, da fiel das trockne Blatt aus seinem Haare auf die Bettdecke nieder, aber er bemerkte es nicht und ging hinaus, um in der Morgenstunde selbst ein wenig zu schlafen. Aber der Elf schlĂŒpfte aus dem vertrockneten Blatte, setzte sich in das Ohr des schlafenden MĂ€dchens und erzĂ€hlte ihr, wie in einem Traum, den schrecklichen Mord, beschrieb ihr den Ort, wo der Bruder ihn erschlagen und seine Leiche verscharrt hatte, erzĂ€hlte von dem blĂŒhenden Lindenbaume dicht dabei und sagte: „Damit du nicht glaubst, dass es nur ein Traum sei, was ich dir erzĂ€hlt habe, so wirst du auf deinem Bette ein verdorrtes Blatt finden!“ und das fand sie, als sie erwachte.

O, welch bittere TrĂ€nen weinte sie und durfte doch Niemanden ihren Schmerz anvertrauen! Das Fenster stand den ganzen Tag offen, der kleine Elf konnte leicht zu den Rosen und all den ĂŒbrigen Blumen nach dem Garten hinaus gelangen, aber er wagte es nicht, die BetrĂŒbte zu verlassen. Im Fenster stand ein Strauch mit Monatsrosen, in eine der Blumen setzte er sich und betrachtete das arme MĂ€dchen. Ihr Bruder kam oft in die Kammer hinein, und war heiter trotz seiner Schlechtigkeit, aber sie durfte kein Wort ĂŒber ihren Herzenskummer sagen. Sobald es dunkel wurde, schlich sie sich aus dem Hause, ging im Walde nach der Stelle, wo der Lindenbaum stand, nahm die BlĂ€tter von der Erde, grub in dieselbe hinein und fand ihn sogleich, der erschlagen worden war. O, wie weinte sie, und bat den lieben Gott, dass er sie auch bald sterben lasse! –

Gern hĂ€tte sie die Leiche mit sich nach Hause genommen, aber das konnte sie nicht, da nahm sie das bleiche Haupt mit den geschlossenen Augen, kĂŒsste den kalten Mund und schĂŒttelte die Erde aus seinem schönen Haar. „Das will ich behalten!“ sagte sie, und als sie Erde und BlĂ€tter auf den toten Körper gelegt hatte, nahm sie den Kopf und einen kleinen Zweig von dem Jasminstrauch, der im Walde blĂŒhte, wo er begraben war, mit sich nach Hause. Sobald sie in ihrer Stube war, holte sie sich den grĂ¶ĂŸten Blumentopf, der zu finden war, in diesen legte sie des Toten Kopf, schĂŒttete Erde darauf und pflanzte dann den Jasminzweig in den Topf. „Lebewohl! Lebewohl!“ flĂŒsterte der kleine Elf, er konnte es nicht lĂ€nger ertragen, all diesen Schmerz zu sehen, und flog deshalb hinaus zu seiner Rose; aber die war abgeblĂŒht, da hingen nur einige bleiche BlĂ€tter an der grĂŒnen Hagebutte. „Ach wie bald ist es doch mit all dem Schönen und Guten vorbei seufzte der Elf. Zuletzt fand er eine Rose wieder, die wurde sein Haus, hinter ihren feinen und duftenden BlĂ€ttern konnte er wohnen.

Jeden Morgen flog er nach dem Fenster des armen MĂ€dchens, und da stand sie immer bei dem Blumentopf und weinte. Die bitteren TrĂ€nen fielen auf den Jasminzweig, und mit jedem Tage, wie sie bleicher und bleicher wurde, stand der Zweig frischer und grĂŒner da, ein Sprössling trieb nach dem andern hervor, kleine weiße Knospen blĂŒhten auf, und sie kĂŒsste sie, aber der böse Bruder schalt und fragte, ob sie nĂ€rrisch geworden sei? Er konnte es nicht begreifen, weshalb sie immer ĂŒber den Blumentopf weinte. Er wusste ja nicht, welche Augen da geschlossen und welche roten Lippen da zu Erde geworden waren; sie neigte ihr Haupt gegen den Blumentopf, und der kleine Elf von der Rose fand sie so schlummern, da setzte er sich in ihr Ohr, erzĂ€hlte von dem Abend in der Laube, vom Duft der Rose, und der Elfen Liebe; sie trĂ€umte sĂŒĂŸ, und wĂ€hrend sie trĂ€umte, entschwand das Leben, sie war eines stillen Todes verblichen, sie war bei ihm, den sie liebte, im Himmel.

Und die Jasminblumen öffneten ihre großen weißen Glocken, sie dufteten eigentĂŒmlich sĂŒĂŸ, anders konnten sie nicht ĂŒber die Tote weinen. Aber der böse Bruder betrachtete den schön blĂŒhenden Strauch, nahm ihn als ein Erbgut zu sich, und setzte ihn in seine Schlafstube, dicht beim Bette, denn er war herrlich anzuschauen und der Duft war sĂŒĂŸ und lieblich. Der kleine Rosenelf folgte mit, flog von Blume zu Blume, in jeder wohnte ja eine kleine Seele, und der erzĂ€hlte er von dem Ermordeten jungen Mann, dessen Haupt nun Erde unter der Erde war, erzĂ€hlte von dem bösen Bruder und der armen Schwester. „Wir wissen es“, sagte eine jede Seele in den Blumen, „wir wissen es! Sind wir nicht aus des Erschlagenen Augen und Lippen entsprossen? Wir wissen es; wir wissen es!“ Und dann nickten sie sonderbar mit dem Kopfe.

Der Rosenelf konnte es gar nicht begreifen, wie sie so ruhig sein könnten und flog hinaus zu den Bienen, die Honig sammelten, erzĂ€hlte ihnen die Geschichte von dem bösen Bruder, und die Bienen sagten es ihrer Königin, welche befahl, dass sie alle am nĂ€chsten Morgen den Mörder umbringen sollten. Aber in der Nacht vorher, es war die erste Nacht, welche auf den Tod der Schwester folgte, als der Bruder in seinem Bette dicht neben dem duftenden Jasminstrauch schlief, öffnete sich ein jeder Blumenkelch, unsichtbar, aber mit giftigen Spießen, stiegen die Blumenseelen hervor und setzten sich zuerst in seine Ohren und erzĂ€hlten ihm böse TrĂ€ume, flogen darauf ĂŒber sein Lippen und stachen seine Zunge mit den giftigen Spießen. „Nun haben wir den Toten gerĂ€cht!“ sagten sie und flogen zurĂŒck in das Jasmins weiße Glocken. Als es Morgen wurde, und das Fenster der Schlafstube geöffnet wurde, fuhr der Rosenelf mit der Bienenkönigin und dem ganzen Bienenvolk herein, um ihn zu töten. Aber er war schon tot; es standen Leute rings um das Bett, die sagten: „Der Jasminduft hat ihn getötet!“

Da verstand der Rosenelf der Blumen Rache, und er erzĂ€hlte es der Königin der Bienen, und sie summte mit ihrem ganzen Schwarm um den Blumentopf; die Bienen waren nicht zu verjagen; da nahm ein Mann den Blumentopf fort und eine der Bienen stach seine Hand, so dass er den topf fallen ließ nd er zerbrach. Da sahen sie den bleichen TotenschĂ€del, und sie wussten, dass der Tote im Bette ein Mörder war. Die Bienenkönigin summte in der Luft und sang von der Rache der Blumen und von dem Rosenelf, und das hinter dem geringsten Blatte Einer wohnt, der das Böse erzĂ€hlen und rĂ€chen kann!

Hans Christian Andersen
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Ich hasse Menschen Buch

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