Kleine Auszeiten

In unserer schnelllebigen Welt ist es oft eine echte Herausforderung, sich Zeit fĂŒr sich selbst zu nehmen. Aber genau das ist so wichtig fĂŒr unser Wohlbefinden und unsere LebensqualitĂ€t.

Wasilisa und der Feuervogel | Ein MĂ€rchen aus Russland

Wasilisa und der Feuervogel - ein MĂ€rchen aus Russland
Novellen - Kurzgeschichten - BĂŒcher - Daniela Noitz

In einem weit entfernten Königreich, hinter dreimal neun LĂ€ndern im dreimal zehnten Reich lebte einst ein starker und mĂ€chtiger König. Der König hatte einen mutigen JĂ€gersmann in Diensten und dieser JĂ€ger besaß ein tapferes Pferd. Eines Tages ritt der JĂ€ger auf einer Jagd durch den tiefen Wald. Er folgte einem alten, verwitterten Pfad und plötzlich lag da auf dem Boden eine goldene Feder vom Feuervogel. Sie glĂ€nzte so hell wie eine Flamme. Da sagte das Pferd zum JĂ€ger: „Nimm diese Feder nicht! Wenn du sie nimmst, wirst du großes UnglĂŒck kennen lernen!“ Der JĂ€ger bedachte die Worte des Pferdes wohl – sollte er sie aufheben oder nicht? Wenn er sie aufhob und zu seinem König brachte, wĂŒrde er sicherlich eine große Belohnung erhalten. Und gab es etwas, das es nicht wert war, dem König zu Diensten zu sein?

So hörte der JĂ€gersmann nicht auf sein Pferd, hob die Feder des Feuervogels auf und brachte sie dem König als Geschenk. „Ich danke dir“ sprach der König, doch sein Herz war angesichts der goldenen Feder voll der Gier. „Aber wenn du die Feder des Feuervogels finden konntest, so finde auch den Feuervogel selbst. Wenn du dies nicht kannst, so verlierst du deinen Kopf!“ Der JĂ€ger weinte bittere TrĂ€nen und ging zurĂŒck zu seinem tapferen Pferd. „Warum weinst du?“ fragte ihn das Ross. „Der König hat mir befohlen, ihm den Feuervogel zu bringen!“ „Habe ich dich nicht gewarnt, die Feder zu nehmen? Doch grĂ€me und Ă€ngstige dich nicht. Dies ist nicht das UnglĂŒck, das auf dich wartet. Geh zum König und frag nach hundert Scheffeln Korn, die morgen auf ein offenes Feld gestreut werden sollen.“

Der JĂ€ger tat wie geheißen und ritt am folgenden Tag zu diesem Feld, stieg von seinem Pferd und versteckte sich hinter einem Baum. Nach einer Weile hörte er ein Rauschen im Wald – der Feuervogel kam geflogen. Er erreichte das Feld, ließ sich dort nieder und begann, das Korn aufzupicken. Leise nĂ€herte sich ihm das Pferd, stieg mit seinen Hufen auf seine FlĂŒgel und drĂŒckte sie auf den Boden. Der JĂ€ger kam aus seinem Versteck, rannte zum Feuervogel und fesselte ihn mit Stricken. Darauf band er ihn an sein Pferd und ritt zurĂŒck zum Schloss. Dort zeigte er den Feuervogel dem König. Dieser bestaunte den Vogel mit EntzĂŒcken, dankte dem JĂ€gersmann fĂŒr seine Dienste, erhob ihn in den Adelsstand und gab ihm sofort eine andere Order. „Nun musst du mir eine Braut suchen. Hinter dem dreimal neunten Land am Ende der Welt lebt die wunderschöne Prinzessin Wasilisa – sie ist die, die ich begehre. Wenn du sie mir bringst, ĂŒberhĂ€ufe ich dich mit Silber und Gold. Wenn nicht, wirst du deinen Kopf verlieren.“

Der JĂ€ger weinte erneut bittere TrĂ€nen und ging zurĂŒck zu seinem Pferd. „Warum weinst du, Meister?“ fragte ihn das Ross. „Der König hat mir befohlen, Prinzessin Wasilisa zu ihm zu bringen!“ “GrĂ€me und Ă€ngstige dich nicht. Dies ist noch immer nicht das UnglĂŒck, das auf dich wartet. Geh zum König und frag nach einem Zelt mit einem goldenen Dach sowie nach aller Art von Speis und Trank fĂŒr die Reise.“

Der König gab ihm Speis und Trank und ein Zelt mit goldenem Dach ebenso. Der JÀger bestieg sein tapferes Pferd und ritt hinter das dreimal neunte Land. Nach einiger Zeit erreichte er das Ende der Welt, wo die rote Sonne aus dem blauen Meer stieg. Auf dem Meer erblickte er die Prinzessin Wasilisa. Sie war voll der Schönheit und segelte dort in einem silbernen Boot mit goldenen Rudern. Der JÀgersmann stieg von seinem Pferd, schickte es auf eine saftige Weide und errichte das Zelt mit dem goldenen Dach. Dann tischte er darin alle Arten von Speisen und GetrÀnken auf. Er setzt sich, bewirtete sich selbst und wartete auf die Prinzessin.

Prinzessin Wasilisa erblickte das goldene Dach des Zeltes, segelte ans Ufer, verließ ihr Boot und schritt zum Zelt. „Seid gegrĂŒĂŸt, Prinzessin Wasilisa“ sagte der JĂ€gersmann „seid mein Gast und testet meine erlesenen Weine!“ Wasilisa betrat das Zelt und sie begannen zu essen und trinken und sich zu unterhalten. Die Prinzessin trank ein großes Glas von dunklem Wein, wurde betrunken und fiel in Schlaf. Der JĂ€ger rief sein Pferd, faltete das Zelt zusammen und ritt schnell wie der Wind zusammen mit der schlafenden Prinzessin nach Hause.

Sie kamen zum König und als dieser Wasilisa erblickte, war er hoch erfreut. Er dankte dem JĂ€gersmann fĂŒr seine Dienste, beschenkte ihn mit großem Reichtum und gab ihm Titel mit höchsten WĂŒrden. WĂ€hrenddessen erwachte Wasilisa, entdeckte, dass sie weit entfernt war von ihrer blauen See war und begann sich zu grĂ€men und zu weinen. In ihrem lieblichen Gesicht lag tiefer Schmerz. Egal was der König sagte, um sie zu trösten, alles war umsonst. Der König wollte sie heiraten, doch sie sprach: „Schick den, der mich hierher brachte, zurĂŒck zu der blauen See. In der Mitte der See liegt ein Stein, darunter ist meine Hochzeitsrobe versteckt. Ohne die Robe werde ich nicht heiraten.“ Der König ließ sofort den JĂ€gersmann rufen und sprach zu ihm: „Eile zurĂŒck zum Ende der Welt, wo die rote Sonne aufgeht. Dort in der See liegt ein großer Stein und unter dem Stein liegt Prinzessin Wasilisas Hochzeitskleid. Hole das Kleid und bringe es hierher – es ist Zeit meine Hochzeit zu feiern. Wenn du es bringst, belohne ich dich noch reicher als zuvor, wenn nicht, verlierst du deinen Kopf!“

Der JĂ€ger weinte wieder bittere TrĂ€nen und ging zurĂŒck zu seinem Pferd. „Dieses mal“ dachte er „werde ich dem Tod nicht entkommen!“ „Warum weinst du, Meister?“ fragte das Ross. „Der König befahl mir, Wasilisas Hochzeitsrobe vom Grund der tiefen See zu holen. „Nun siehst du es! Riet ich dir nicht, die goldene Feder nicht zu nehmen oder du wirst das UnglĂŒck kennen lernen? Doch fĂŒrchte dich nicht. Dies ist noch immer nicht das UnglĂŒck, das auf dich wartet. Setze dich nieder auf meinem RĂŒcken und lass uns reisen zur großen blauen See.

Nach einiger Zeit erreichte der JĂ€gersmann wieder das Ende der Welt und zĂŒgelte sein Ross an der KĂŒste der See. Das Pferd sah eine große Krabbe ĂŒber den Sand kriechen und trat mit seinem schweren Huf in ihren Nacken. „Tötet mich nicht, lasst mir das Leben“ sprach die Krabbe „Ich will fĂŒr euch tun, was ihr wollt.“ Das Pferd antwortete: „In der Mitte der weiten See liegt ein großer Stein. Unter dem Stein liegt Prinzessin Wasilisas Hochzeitsgewand versteckt. Bring mir das Kleid!“ Die Krabbe rief etwas mit lauter Stimme ĂŒber die weite blaue See und auf einmal kam eine unzĂ€hlbar große Menge von Krabben – große und kleine – zum Ufer geschwommen. Der Krabbenkönig gab ein Kommando und sie sprangen alle zurĂŒck ins Wasser. Schon nach einer Stunde fanden sie Prinzessin Wasilisas Hochzeitsrobe am Grund der See, direkt unter dem großen Stein.

Der mutige JĂ€gersmann ging darauf mit dem Hochzeitsgewand zurĂŒck zum König, doch die Prinzessin war noch immer verstockt. „Ich werde dich nicht heiraten, bevor du den JĂ€ger in kochendem Wasser badest.“ Der König ließ einen großen Kessel mit Wasser fĂŒllen, wies die Diener an, ihn zu heizen und den JĂ€ger hineinzuwerfen, sobald das Wasser anfing zu kochen. Dann war alles bereit, das Wasser kochte und brodelte und der JĂ€gersmann wurde zum Kessel gebracht. „Nun, das ist das UnglĂŒck!“ dachte er, „Warum nur habe ich die goldene Feder des Feuervogels aufgehoben? Warum habe ich nicht auf mein Pferd gehört?“ Er dachte an sein tapferes Ross und sprach zum König: „König, mein Herr! Lass mich lebe wohl zu meinem Pferd sagen, bevor ich sterbe.“ „Gehe, sag lebe wohl zu ihm“ sprach da der König.

Der JĂ€ger ging zu seinem Pferd und weinte bittere TrĂ€nen. „Warum weinst du, Meister?“ fragte ihn das Ross. „Der König befahl, mich in kochendem Wasser zu baden.“ „Ängstige dich nicht, du wirst ĂŒberleben!“ Und das Pferd verzauberte den JĂ€ger, so dass das kochende Wasser seinen Körper nicht verletzen konnte. Der JĂ€gersmann kam zurĂŒck vom Stall, die Diener brachten ihn zum Kessel und warfen ihn direkt hinein. Er tauchte seinen Kopf ein oder zweimal unter, sprang aus dem Kessel und hatte sich in einen stattlichen und ansehnlichen Mann verwandelt. Als der König sah, dass der JĂ€ger so stattlich und schön im kochenden Wasser geworden war, wollte er auch darin baden. Er sprang in den Topf und fing auf der Stelle an zu kochen. Nach seinem Tod wurde der tapfere JĂ€gersmann König, heiratete die Prinzessin Wasilisa und sie lebten viele Jahre glĂŒcklich bis an ihr Ende.

ein MÀrchen aus Russland 
+1
0
+1
0
Dieses Bild teilen:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mut zur Selbstverantwortung: Werde zum Gestalter deines Lebens!
VerfĂŒgbar.