Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Eine ­čĺľ ber├╝hrende Geschichte ├╝ber Wahrnehmung | Das Fenstertheater | Ilse Aichinger

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Das Fenstertheater - eine Kurzgeschichte
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Die Frau lehnte am Fenster und sah hin├╝ber. Der Wind trieb in leichten St├Â├čen vom Fluss herauf und brachte nichts Neues. Die Frau hatte den starren Blick neugieriger Leute, die uners├Ąttlich sind. Es hatte ihr noch niemand den Gefallen getan, vor ihrem Haus niedergefahren zu werden. Au├čerdem wohnte sie im vorletzten Stock, die Stra├če lag zu tief unten. Der L├Ąrm rauschte nur mehr leicht herauf. Alles lag zu tief unten. Als sie sich eben vom Fenster abwenden wollte, bemerkte sie, dass der Alte gegen├╝ber Licht angedreht hatte. Da es noch ganz hell war, blieb dieses Licht f├╝r sich und machte den merkw├╝rdigen Eindruck, den aufflammende Stra├čenlaternen unter der Sonne machen.

Als h├Ątte einer an seinen Fenstern die Kerzen angesteckt, noch ehe die Prozession die Kirche verlassen hat. Die Frau blieb am Fenster. Der Alte ├Âffnete und nickte her├╝ber. Meint er mich? dachte die Frau. Die Wohnung ├╝ber ihr stand leer und unterhalb lag eine Werkstatt, die um diese Zeit schon geschlossen war. Sie bewegte leicht den Kopf. Der Alte nickte wieder. Er griff sich an die Stirne, entdeckte, dass er keinen Hut aufhatte, und verschwand im Inneren des Zimmers. Gleich darauf kam er in Hut und Mantel wieder. Er zog den Hut und l├Ąchelte. Dann nahm er ein wei├čes Tuch aus der Tasche und begann zu winken. Erst leicht und dann immer eifriger. Er hing ├╝ber die Br├╝stung, dass man Angst bekam, er w├╝rde vorn├╝berfallen. Die Frau trat einen Schritt zur├╝ck, aber das schien ihn zu best├Ąrken. Er lie├č das Tuch fallen, l├Âste seinen Schal vom Hals – einen gro├čen bunten Schal – und lie├č ihn aus dem Fenster wehen. Dazu l├Ąchelte er. Und als sie noch einen weiteren Schritt zur├╝cktrat, warf er den Hut mit einer heftigen Bewegung ab und wand den Schal wie einen Turban um seinen Kopf. Dann kreuzte er die Arme ├╝ber der Brust und verneigte sich. Sooft er aufsah, kniff er das linke Auge zu, als herrsche zwischen ihnen ein geheimes Einverst├Ąndnis.
Das bereitete ihr so lange Vergn├╝gen, bis sie pl├Âtzlich nur mehr seine Beine in d├╝nnen, geflickten Samthosen in die Luft ragen sah. Er stand auf dem Kopf. Als sein Gesicht ger├Âtet, erhitzt und freundlich wieder auftauchte, hatte sie schon die Polizei verst├Ąndigt. Und w├Ąhrend er, in ein Leintuch geh├╝llt, abwechselnd an beiden Fenstern erschien, unterschied sie schon drei Gassen weiter ├╝ber dem Geklingel der Stra├čenbahnen und dem ged├Ąmpften L├Ąrm der Stadt das Hupen des ├ťberfallautos. Denn ihre Erkl├Ąrung hatte nicht sehr klar und ihre Stimme erregt geklungen. Der alte Mann lachte jetzt, so dass sich sein Gesicht in tiefe Falten legte, streifte dann mit einer vagen Geb├Ąrde dar├╝ber, wurde ernst, schien das Lachen eine Sekunde lang in der hohlen Hand zu halten und warf es dann hin├╝ber. Erst als der Wagen schon um die Ecke bog, gelang es der Frau, sich von seinem Anblick loszurei├čen. Sie kam atemlos unten an.
Eine Menschenmenge hatte sich um den Polizeiwagen gesammelt. Die Polizisten waren abgesprungen, und die Menge kam hinter ihnen und der Frau her. Sobald man die Leute zu verscheuchen suchte, erkl├Ąrten sie einstimmig, in diesem Hause zu wohnen. Einige davon kamen bis zum letzten Stock mit. Von den Stufen beobachteten sie, wie die M├Ąnner, nachdem ihr Klopfen vergeblich blieb und die Glocke allem Anschein nach nicht funktionierte, die T├╝r aufbrachen. Sie arbeiteten schnell und mit einer Sicherheit, von der jeder Einbrecher lernen konnte. Auch in dem Vorraum, dessen Fenster auf den Hof sahen, z├Âgerten sie nicht eine Sekunde. Zwei von ihnen zogen die Stiefel aus und schlichen um die Ecke. Es war inzwischen finster geworden. Sie stie├čen an einen Kleiderst├Ąnder, gewahrten den Lichtschein am Ende des schmalen Ganges und gingen ihm nach. Die Frau schlich hinter ihnen her.
Als die T├╝r aufflog, stand der alte Mann mit dem R├╝cken zu ihnen gewandt noch immer am Fenster. Er hielt ein gro├čes wei├čes Kissen auf dem Kopf, das er immer wieder abnahm, als bedeutete er jemandem, dass er schlafen wolle. Den Teppich, den er vom Boden genommen hatte, trug er um die Schultern. Da er schwerh├Ârig war, wandte er sich auch nicht um, als die M├Ąnner auch schon knapp hinter ihm standen und die Frau ├╝ber ihn hinweg in ihr eigenes finsteres Fenster sah. Die Werkstatt unterhalb war, wie sie angenommen hatte, geschlossen. Aber in die Wohnung oberhalb musste eine neue Partei eingezogen sein. An eines der erleuchteten Zimmer war ein Gitterbett geschoben, in dem aufrecht ein kleiner Knabe stand. Auch er trug sein Kissen auf dem Kopf und die Bettdecke um die Schultern. Er sprang und winkte her├╝ber und kr├Ąhte vor Jubel. Er lachte, strich mit der Hand ├╝ber das Gesicht, wurde ernst und schien das Lachen eine Sekunde lang in der hohlen Hand zu halten. Dann warf er es mit aller Kraft den Wachleuten ins Gesicht.
Ilse Aichinger 
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Ich hasse Menschen Buch

1 Kommentar zu ÔÇ×Eine ­čĺľ ber├╝hrende Geschichte ├╝ber Wahrnehmung | Das Fenstertheater | Ilse AichingerÔÇť

  1. Ja ÔŁŚFenster sind wahrhaftig ein FENSTERTHEATER.
    Dieses —-LUSTIG oder??ÔŁôDachte ich Vor Ewigkeiten ÔŁŚVORM Fenster stehend Mh mh ja mhÔŁŚN Witz dachte ICH::Brauchste kein Theather.Da,ist genug Theater ÔŁŚGenau:::::Bei manchen Familien.—-Mit KidsÔŁŚWie viele?VOLL egal.ABER Mahababa ­č匭čî║ n Fenster Theater wird NIE langweilig.Einen guten Tag Dir noch.
    ­čĺŤLG ­čĺÖvon ­čĺčmir­čĺÜ­čĺľK.­čĺÜ­čî┐­čî║ÔŁŚ

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