Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Wie Herr Hansaemon eine Fliege verschluckte | Ein M├Ąrchen aus Japan

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Ein M├Ąrchen aus Japan: Wie Herr Hansaemon eine Fliege verschluckte
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

In der Stadt Nagoja lebte einst der reiche Tuchh├Ąndler Hansaemon, dem nichts ├╝ber guten Reiswein ging. Er liebt den Wein so sehr, dass ihm die gew├Âhnlichen Porzellansch├Ąlchen nicht gro├č genug waren und er sich einen gro├čen Lackbecher anfertigen lie├č, der einen ganzen Krug Sake fasste. Einmal hatte sich Herr Hansaemon nach einem guten Essen wieder seinen Lieblingsbecher mit Sake f├╝llen lassen, fasste ihn mit beiden H├Ąnden, schloss wonnig die Augen und trank und trank. Nun geschah es aber, dass gerade eine neugierige Fliege um ihn herum flog, und als die Diener sie verjagen wollten, fiel die Fliege direkt in den Becher.

Noch ehe die Diener Herrn Hansaemon warnen konnten, hatte er die Fliege schon mit dem Wein hinuntergesp├╝lt. Die Diener entschuldigten sich bei Herrn Hansaemon, und der war zum Gl├╝ck – wie immer, wenn er getrunken hatte – guter Laune und verzieh ihnen. Nur hatte er nun die Fliege im Bauch. Sie kreiste darin herum, machte ss, ssss, sssss, und das war Herrn Hansaemon ganz und gar nicht angenehm. Er setzte sich in seine S├Ąnfte und lie├č sich zu Herrn Hori, dem ber├╝hmten Arzt, tragen.
Als der Arzt nach seinem Begehr fragte, klagte Herr Hansaemon: „Herr Doktor, ich habe heute wunderbaren Sake getrunken, aber leider dabei eine Fliege verschluckt. Die fliegt nun in meinem Bauch herum, macht ss, sss, ssss, und das ist sehr unangenehm. Sagt mir doch, was ich tun soll.“
Der Arzt dachte angestrengt nach, wiegte den Kopf hin und her und sprach dann: „Wisst Ihr was, das beste wird sein, Ihr verschluckt einen Frosch. Der f├Ąngt die Fliege und Ihr habt wieder Ruhe.“
Herr Hansaemon bedankte sich, lie├č sich schnell nach Hause tragen und schickte sogleich die Diener in den Garten, einen Frosch zu fangen. Er schluckte den Frosch hinunter, und nach einer Weile h├Ârte das Summen im Bauch auf. Aber nun hatte Herr Hansaemon statt der Fliege einen Frosch im Bauch, und dem gefiel es dort ganz und gar nicht. Er sprang darin herum, machte quack, quack, quack, und das war auch nicht gerade angenehm. Also setzte Herr Hansaemon wieder in seine S├Ąnfte und lie├č sich zu Herrn Hori, dem ber├╝hmten Arzt, tragen.

Dort klagte er: „Herr Doktor, ich habe einen Frosch verschluckt, wie Ihr mir geraten habt. Die Fliege summt nicht mehr, aber daf├╝r springt der Frosch in meinem Bauch hin und her, macht quack, quack, quack, und das ist auch sehr unangenehm. Was soll ich nur machen?“

Der Arzt ├╝berlegte, wiegte den Kopf hin und her und sprach schlie├člich: „Wisst Ihr was, wenn Ihr einen Frosch im Bauch habt, so verschluckt eine Natter. Die f├Ąngt Euren Frosch und schon habt Ihr Ruhe.“
Herr Hansaemon bedankte sich, lie├č sich nach Hause tragen und schickte die Diener zum Bach, eine Natter zu fangen. Er verschluckte die Natter, und schon gab der Frosch Ruhe. Aber der Natter gefiel es in dem Bauch auch nicht, sie wand und kr├╝mmte sich und zischte dabei zz, zzz, zzzz. Na, das war Herrn Hansaemon auch nicht angenehm. Was blieb ihm anderes ├╝brig, als wieder Herrn Hori, den ber├╝hmten Arzt, aufzusuchen und um Rat zu fragen.

„Herr Doktor, Herr Doktor, ich habe eine Natter verschluckt, wie Ihr mir geraten habt. Der Frosch plagt mich nicht mehr, daf├╝r aber windet und kr├╝mmt sich die Natter in meinem Bauch und macht zz, zzz, zzzz. Das ist sehr unangenehm, was soll ich nur tun?“

Der Arzt wiegte diesmal den Kopf noch l├Ąnger und meinte: „Wenn Euch die Natter plagt, so solltet Ihr einen Wildeber verschlucken. Der macht der Natter den Garaus, und Ihr habt Eure Ruhe.“
Herr Hansaemon bedankte sich und schickte sogleich seine Diener in den Wald, einen wilden Eber zu fangen. Den verschluckte er, und wirklich, nach einer Weile h├Ârte die Natter auf zu zischen. Nun ist ein Eber im Bauch aber noch schlimmer als eine Natter. Er lief w├╝tend hin und her, stampfte und machte rr, rrr, rrrr. Das war kaum auszuhalten, und so musste Herr Hansaemon wieder den Arzt aufsuchen und um Rat bitten.

„Herr Doktor, bitte helft mir. Der Eber hat zwar die Schlange vertilgt, aber daf├╝r stampft er nun in meinem Bauch herum und macht rr, rrr, rrrrr, dass es nicht zum Aushalten ist. Was soll ich nur tun?“
Der Arzt ├╝berlegte wieder lange, wiegte nachdenklich den Kopf und sprach dann: „Wisst ihr was, das beste gegen so einen Eber ist ein J├Ąger. Verschluckt einen J├Ąger, der erschie├čt den Eber, und Ihr habt Eure Ruhe!“

Herr Hansaemon dankte dem klugen Arzt und eilte nach Hause. Gleich schickte er seine Diener in die Berge, einen J├Ąger herbei zu schaffen. Als der J├Ąger am n├Ąchsten Tag kam, fragte Herr Hansaemon gar nicht erst, sondern verschluckte ihn schnell. Und der Arzt hatte recht. Schon nach einer Weile ert├Ânten im Bauch des Herrn Hansaemon Sch├╝sse. Das war der J├Ąger, der den Eber erschie├čen wollte. Aber in der Finsternis traf er nicht so recht. Er schoss und schoss, und weil er erst mit der letzten Kugel, die er hatte, den Eber traf, konnte er selbst nicht mehr heraustreffen, und so sitzt er noch heute im Bauch des Herrn Hansaemon.

M├Ąrchen aus Japan┬á

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Zitat von rudolf nurejew.