Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Der standhafte Zinnssoldat – ein M├Ąrchen von Hans Christian Andersen

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Der standhafte Zinnssoldat - M├Ąrchen von Hans Christian Andersen
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Es waren einmal f├╝nfundzwanzig Zinnsoldaten, die waren alle Br├╝der, denn sie waren aus einem alten zinnernen L├Âffel gemacht worden. Das Gewehr hielten sie im Arm und das Gesicht gerade aus; rot und blau, ├╝beraus herrlich war die Uniform, das Allererste, was sie in dieser Welt h├Ârten, als der Deckel von der Schachtel genommen wurde, in der sie lagen, war das Wort „Zinnsoldaten!“ Das rief ein kleiner Knabe und klatschte in die H├Ąnde; er hatte sie erhalten, denn es war sein Geburtstag, und er stellte sie nun auf dem Tische auf. Der eine Soldat glich dem andern leibhaftig, nur ein einziger war etwas verschieden; er hatte nur ein Bein, denn er war zuletzt gegossen worden, und da war nicht mehr Zinn genug da; doch stand er ebenso fest auf seinem einen Bein als die andern auf ihren zweien, und gerade er ist es, der sich bemerkbar machte. Auf dem Tisch, auf welchem sie aufgestellt wurden, stand vieles andere Spielzeug, aber das, was am meisten in die Augen fiel, war ein niedliches Schloss von Papier, durch die kleinen Fenster konnte man gerade in die S├Ąle hineinsehen.

Drau├čen vor demselben standen kleine B├Ąume rings um einen kleinen Spiegel, der wie ein kleiner See aussehen sollte. Schw├Ąne von Wachs schwammen darauf und spiegelten sich. Das war alles niedlich, aber das Niedlichste war doch ein kleines M├Ądchen, das mitten in der offenen Schlosst├╝r stand; sie war auch aus Papier ausgeschnitten, aber sie hatte ein sch├Ânes Kleid und ein kleines schmales blaues Band ├╝ber die Schultern, gerade wie eine Sch├Ąrpe; mitten in diesem sa├č ein gl├Ąnzender Stern, gerade so gro├č wie ihr ganzes Gesicht. Das kleine M├Ądchen streckte ihre beiden Arme aus, denn sie war eine T├Ąnzerin, und dann hob sie das eine Bein so hoch empor, da├č der Zinnsoldat es durchaus nicht finden konnte und glaubte, da├č sie gerade wie er nur ein Bein habe. „Das w├Ąre eine Frau f├╝r mich“, dachte er; „Aber sie ist etwas vornehm, sie wohnt in einem Schlo├če, ich habe nur eine Schachtel und da sind wir f├╝nfundzwanzig darin, das ist kein Ort f├╝r sie; doch ich mu├č suchen Bekanntschaft mit ihr anzukn├╝pfen!“

Und dann legte er sich, so lang er war, hinter eine Schnupftabaksdose, welche auf dem Tische stand, da konnte er recht die kleine feine Dame betrachten, die fortfuhr auf einem Beine zu stehen, ohne umzufallen. Als es Abend wurde, kamen alle anderen Zinnsoldaten in ihre Schachtel und die Leute im Hause gingen zu Bette. Nun fing das Spielzeug an zu spielen, sowohl „Es kommen Fremde!“ als auch „Krieg f├╝hren“ und „Ball geben“; die Zinnsoldaten ra├čelten in der Schachtel, denn sie wollten mit dabei sein, aber sie konnten den Deckel nicht aufheben. Der Nu├čknacker scho├č Purzelb├Ąume , und der Griffel belustigte sich auf der Tafel, es war ein L├Ąrm, da├č der Kanarienvogel davon erwachte und anfing mitzusprechen, und zwar in Versen. Die beiden einzigen, die sich nicht von der Stelle bewegten, waren der Zinnsoldat und die T├Ąnzerin; sie hielt sich gerade auf der Zehenspitze und beide Arme ausgestreckt; er war ebenso standhaft auf seinem Einen Beine; seine Augen wandte er keinen Augenblick von ihr weg.

Nun schlug die Uhr zw├Âlf, und klatsch! da sprang der Deckel von der Schnupftabaksdose, aber da war kein Tabak darin, nein, sondern ein kleiner schwarzer Kobold. Das war ein Kunstst├╝ck. „Zinnsoldat“, sagte der Kobold, „halte Deine Augen im Zaum!“ Aber der Zinnsoldat tat, als ob er nicht h├Ârte. „Ja, warte nur bis morgen!“ sagte der Kobold. Als es nun Morgen wurde und die Kinder aufstanden, wurde der Zinnsoldat in das Fenster gestellt, und war es nun der Kobold oder der Zugwind, auf einmal flog das Fenster auf und der Soldat st├╝rzte drei Stockwerke hinunter. Das war eine schreckliche Fahrt. Er streckte das Bein gerade in die H├Âhe und blieb auf dem Tschako mit dem Bajonnet abw├Ąrts zwischen den Pflastersteinen stecken.

Das Dienstm├Ądchen und der kleine Knabe kamen sogleich hinunter, um zu suchen, aber obgleich sie nahe daran waren, auf ihn zu treten, so konnten sie ihn doch nicht erblicken. H├Ątte der Zinnsoldat gerufen.
Hier bin ich! so h├Ątten sie ihn wohl gefunden, aber er fand es nicht passend, laut zu schreien, weil er in Uniform war. Nun fing es an zu regnen; die Tropfen fielen immer dichter, es war ein ordentlicher Platzregen; als derselbe zu Ende war, kamen zwei Stra├čenjungen vorbei. „Sieh Du!“ sagte der eine, „da liegt ein Zinnsoldat! Der soll hinaus und segeln!“ Sie machten ein Boot von einer Zeitung, setzten den Soldaten mitten in dasselbe, und nun segelte er den Rinnstein hinunter; beide Knaben liefen neben her und klatschten in die H├Ąnde.

Was schlugen da f├╝r Wellen in dem Rinnstein und welcher Strom war da! Ja, der Regen hatte aber auch gestr├Âmt. Das Papierboot schaukelte auf und nieder, mitunter drehte es sich so geschwind, da├č der Zinnsoldat bebte; aber er blieb standhaft, verzog keine Miene, sah gerade aus und hielt das Gewehr im Arm. Mit einem Mal trieb das Boot unter eine lange Rinnsteinbr├╝cke; da wurde es gerade so dunkel, als w├Ąre er in seiner Schachtel. „Wohin mag ich nun kommen?“ dachte er. „Ja, ja, das ist des Kobolds Schuld! Ach s├Ą├če doch das kleine M├Ądchen hier im Boote, da m├Âchte es meinetwegen noch einmal so dunkel sein!“

Da kam pl├Âtzlich eine gro├če Wasserratte, welche unter der Rinnsteinbr├╝cke wohnte. „Hast du einen Pa├č?“ fragte die Ratte. „Her mit dem Pa├če!“ Aber der Zinnsoldat schwieg still und hielt das Gewehr noch fester. Das Boot fuhr davon und die Ratte hinterher. Hu! wie fletschte sie die Z├Ąhne und rief den Holzsp├Ąnen und dem Stroh zu : „Halt auf! halt auf! Er hat keinen Zoll bezahlt; er hat den Pa├č nicht gezeigt!“ Aber die Str├Âmung wurde st├Ąrker und st├Ąrker! Der Zinnsoldat konnte schon da, wo das Brett aufh├Ârte, den hellen Tag erblicken, aber er h├Ârte auch einen brausenden Ton, der schon einen tapferen Mann erschrecken konnte; denkt nur, der Rinnstein st├╝rzte, wo die Br├╝cke endete, gerade hinaus in einen gro├čen Kanal; das w├╝rde f├╝r ihn ebenso gef├Ąhrlich gewesen sein, als f├╝r uns, einen gro├čen Wasserfall hinunterzufahren.

Nun war er schon so nahe dabei, da├č er nicht mehr anhalten konnte. Das Boot fuhr hinaus, der arme Zinnsoldat hielt sich, so steif er konnte, niemand sollte ihm nachsagen, da├č er mit den Augen blinkte. Das Boot schnurrte drei- viermal herum und war bis zum Rande mit Wasser gef├╝llt, es mu├čte sinken. Der Zinnsoldat stand bis zum Halse in Wasser, und tiefer und tiefer sank das Boot, mehr und mehr l├Âste das Papier sich auf; nun ging das Wasser ├╝ber des Soldaten Kopf. Da dachte er an die kleine niedliche T├Ąnzerin, die er nie mehr zu Gesicht bekommen sollte, und es klang vor des Zinnsoldaten Ohren: „Fahre, fahre Kriegsmann! Den Tod mu├čt du erleiden!“

Nun ging das Papier entzwei und der Zinnsoldat st├╝rzte hindurch, wurde aber augenblicklich von einem gro├čen Fisch verschlungen. Wie war es dunkel da drinnen! Da war es noch schlimmer als unter der Rinnsteinbr├╝cke, und dann war es sehr eng; aber der Zinnsoldat war standhaft und lag so lang er war, mit dem Gewehre im Arm. Der Fisch fuhr umher, er machte die allerschrecklichsten Bewegungen; endlich wurde er ganz still, es fuhr wie ein Blitzstrahl durch ihn hin. Das Licht schien ganz klar und jemand rief laut: „Der Zinnsoldat!“ Der Fisch war gefangen worden, auf den Markt gebracht, verkauft und war in die K├╝che hinaufgenommen, wo die K├Âchin ihn mit einem gro├čen Messer aufschnitt.

Sie nahm mit zwei fingern den Soldat mitten um den Leib und trug ihn in die Stube hinein, wo alle den merkw├╝rdigen Mann sehen wollten, der im Magen eines Fisches herumgereist war; aber der Zinnsoldat war in
derselben Stube, in der er fr├╝her gewesen war, er sah dieselben Kinder und das selbe Spielzeug stand auf dem Tische, das herrliche Schlo├č mit der niedlichen kleinen T├Ąnzerin, sie hielt sich noch auf dem einen Bein und hatte das andere hoch in die Luft, sie war auch standhaft; das r├╝hrte den Zinnsoldat, er war nahe daran Zinn zu weinen, aber es schickte sich nicht. Er sah sie an, aber sie sagten gar nichts. Da nahm der eine der kleinen Knaben den Soldaten und warf ihn gerade in den Ofen, obwohl er gar keinen Grund daf├╝r hatte, es war sicher der Kobold in der Dose, der schuld daran war.

Der Zinnsoldat stand ganz beleuchtet da und f├╝hlte eine Hitze, die schrecklich war; aber ob sie von dem wirklichen Feuer oder von der Liebe herr├╝hrte, das wu├čte er nicht. Die Farben waren ganz von ihm abgegangen, ob das auf der Reise geschehen oder ob der Kummer daran schuld war, konnte niemand sagen. Er sah das kleine M├Ądchen an, sie blickte ihn an, und er f├╝hlte, da├č er schmelze, aber noch stand er standhaft mit dem Gewehre im Arm. Da ging eine T├╝r auf, der Wind ergriff die T├Ąnzerin und sie flog, einer Sylphide gleich, gerade in den Ofen zum Zinnsoldaten, loderte in Flammen auf und war verschwunden, da schmolz der Zinnsoldat zu einem Klumpen, und als das M├Ądchen am folgenden Tage die Asche herausnahm, fand sie ihn als ein kleines Zinnherz; von der T├Ąnzerin hingegen war nur der Stern noch da, und der war kohlschwarz gebrannt.

Hans Christian Andersen
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Ich hasse Menschen Buch

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