Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Die kleine Meerjungfrau – ein M├Ąrchen von Hans Christian Andersen

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Die kleine Meerjungfrau - ein M├Ąrchen von Hans Christian Andersen
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Es war einmal in dem tiefen ,blauen Meer ein Meeresk├Ânig , der in einem Palast aus bunten Muscheln und schimmernden Perlen wohnte. Er hatte f├╝nf wundersch├Âne T├Âchter , die Seejungfrauen waren , so da├č sie statt der Beine einen Fischschwanz hatten. Seine j├╝ngste Tochter wurde Sirene genannt. Sie war nicht nur die sch├Ânste von ihren Schwestern, nein, sie verf├╝gte auch ├╝ber eine ├╝beraus s├╝├če Stimme. Wenn sie sang, kamen die bunt glitzernden Fische herbeigeschwommen, die Muscheln ├Âffneten sich, um ihre Perlen zu zeigen, und die Quallen standen still im Wasser, um dem zauberhaften Gesang zu lauschen. Oft schaute die kleine Seejungfrau dabei hinauf zur Wasseroberfl├Ąche wo sich die Sonnenstrahlen brachen und sich glitzernd spiegelten. Je mehr die Sonnenstrahlen dabei zu ihr hinunter auf den Grund drangen umso mehr w├╝nschte sich die Seejungfrau einmal, wenigstens einmal hinauf zur Wasseroberfl├Ąche hinaufsteigen zu d├╝rfen. Ihre Sehnsucht wurde immer gr├Â├čer und sie rief: Oh, wie sch├Ân mu├č es sein einmal hinauf zu steigen. All die sch├Ânen B├Ąume und den blauen Himmel zu bewundern. Wie gerne m├Âchte ich den Duft der W├Ąlder, Blumen und Wiesen zu riechen und was erst w├╝rde ich geben, um nur einmal einen Mensch sehen zu d├╝rfen! Noch war sie daf├╝r zu jung, aber ihr Vater der Meerk├Ânig hatte ihr versprochen da├č sie an ihrem 15ten Geburtstag zur Meeresoberfl├Ąche aufsteigen d├╝rfe.

So kam es, da├č die kleine Meerjungfrau sich in Geduld ├╝ben mu├čte und auf die Erz├Ąhlungen ihrer ├Ąlteren Geschwister angewiesen war. So war es auch nicht verwunderlich, da├č jedes Mal wenn ihre ├Ąlteren Schwestern von ihren Ausfl├╝gen an die Meeresoberfl├Ąche zur├╝ckkehrten, ihr alles erz├Ąhlen mu├čten. Dann lauschte die kleine Sirene neugierig den Worten ihrer Geschwister und lie├č sich alles ganz genau berichten, was sie dort oben gesehen hatten. Doch bis auch sie endlich nach oben durfte, vertrieb sich die kleine Seejungfrau die Wartezeit mit der Pflege des Meeresgarten. Hier hegte und pflegte sie die Meerespflanzen, ritt auf ihrem Lieblingsdelfin oder sang eines ihrer sch├Ânen Lieder und dachte dabei voller Sehnsucht und Ungeduld an die mit diesen herrlichen Sonnenstrahlen erleuchtete, helle Welt dort oben ├╝ber der Wasseroberfl├Ąche. Endlich war der so sehns├╝chtig erwartete Tag da! Sie hatte ihren 15 Geburtstag erreicht, und ihr Vater strich seiner j├╝ngsten Tochter liebevoll ├╝ber das Haar, steckte ihr eine funkelnde Bernsteinbl├╝te ins Haar und legte ihr danach auch noch eine sanft rosa schimmernde Perlenkette um den Hals und sagte: So, meine liebe Tochter, jetzt darfst auch du zum erstenmal hinaufsteigen. Doch vergi├č dabei nicht, da├č die Welt dort oben nicht die unsrige ist! Wir d├╝rfen diese Welt zwar beobachten aber nicht an ihr teilhaben! Denn die Menschen haben eine Seele, wir aber sind Kinder des Meeres!

Dann gab er seiner j├╝ngsten Tochter noch einen warmen z├Ąrtlichen Ku├č und f├╝gte, w├Ąhrend er ihr mit g├╝tigen Blick in die Augen schaute: Verge├če nie, da├č die Menschen uns nur Ungl├╝ck bringen. Deshalb darfst du sie zwar beobachten, aber du darfst dich ihnen nie zeigen! Nachdem der Vater geendet hatte, gab ihm seine Tochter einen lieben Ku├č auf die Wange und schwamm so schnell nach oben, da├č die neugierigen Fische ihr kaum noch folgen konnten. Kaum war die kleine Meerjungfrau aus den Wellen aufgetaucht, blickte sie hinauf zu dem sich langsam r├Âtlich verf├Ąrbenden Himmel und kam ob der sich ihr offenbarenden Sch├Ânheit aus dem Staunen nicht heraus. Zu sch├Ân war das Bild das sich ihr bot. Die Sonne war gerade am untergehen und f├Ąrbte die Oberfl├Ąche der Wellen in einen goldroten Wasserteppich von unsagbarer Sch├Ânheit. ├ťber ihr kreischten fr├Âhlich ein paar aufm├╝pfige M├Âwen w├Ąhrend nur ein paar Meter weiter ein paar junge Delfine mit den Wellen spielten. Wie wundersch├Ân, strahlte die kleine Meerjungfrau und setzte sich auf einen nahe gelegenen, von Wellen sanft umsp├╝lten Felsen. Da sah sie pl├Âtzlich ein stolzes Segelschiff n├Ąher kommen. Die Matrosen warfen den Anker aus und das Segelschiff hielt an. Dann z├╝ndeten sie bunte Petroleumlaternen an und unterhielten sich.

Voller Neugier beobachtete die kleine Seejungfrau das Geschehen. Zu gerne w├Ąre sie hin├╝ber zu den unbekannten M├Ąnnern geschwommen, doch der Blick auf ihre Fischflo├če hielt sie zur├╝ck. Die warnenden Worte ihres Vater hatte sie nicht verge├čen. Pl├Âtzlich wurde sie aus ihren Gedanken geri├čen. Der ganze Himmel begann zu leuchten und ein wundersch├Ânes Feuerwerk war am Himmel zu sehen, w├Ąhrend vom Schiff laute Rufe erschallten: Hoch soll er leben, hoch soll er leben, dreimal hoch! Jaaaa, hoch soll er leben unser Kapit├Ąn! Er lebe hoch! Neugierig versuchte die kleine Seejungfrau einen Blick vom Kapit├Ąn zu erhaschen, und tats├Ąchlich. Jetzt konnte sie ihn sehen. Gro├č, kr├Ąftig und von stattlicher Statur sah sie ihn zwischen seinen M├Ąnnern stehen. Seine dunkelbraunen Haare gl├Ąnzten im Licht und sein breites, offenes L├Ącheln ber├╝hrte sie tief bis in ihr Herz und auf eine nie erlebte Art und Weise. Sie sp├╝rte pl├Âtzlich ein Gef├╝hl zwischen Schmerz und Freude, zwischen Himmel hoch jubelnd und einer eigenartigen Mischung von tiefer, nie gekannter Traurigkeit. W├Ąhrend die kleine Seejungfrau noch ├╝ber ihre eigenartigen Gef├╝hle nachdachte ging das Fest auf dem nahe gelegenen Segelschiff weiter. Vor lauter ausgela├čener Festfreude schien keiner auf dem Schiff zu bemerken da├č sich ein gewaltiges Unwetter zusammenbraute. ├ängstlich und vergebens begann die Seejungfrau zum Schiff hin├╝ber zu rufen: Pa├čt auf! Pa├čt auf! Ein Sturm zieht heran!

Doch noch w├Ąhrend die Seejungfrau zum Schiff ihre Warnungen hin├╝ber rief, heulte auch schon der Wind. Laut und Furcht erregend peitschte er die Wellen auf, r├╝ttelte an der Ankerkette und zerbrach den Mast! Im Licht eines hernieder gehenden Blitz sah die kleine Sirene noch das entsetzte Gesicht des Kapit├Ąn w├Ąhrend im n├Ąchsten Moment das Schiff kenterte und alle Seeleute ins kalte Na├č zog. Eilig glitt die kleine Seejungfrau ins Wasser um dem Kapit├Ąn zu Hilfe zu eilen. So gut sie auch schwimmen konnte, so sehr hatte auch sie mit den hohen Wellen zu k├Ąmpfen. Sie glaubte den Kapit├Ąn bereits verloren als sie ihn doch noch in den brausenden Fluten treiben sah. Schnell schwamm sie zu ihm hin und nahm ihn in ihre Arme. Die Sonne war inzwischen l├Ąngst untergegangen und die schwarzen Sturmwolken lie├čen alles um die Seejungfrau g├Ąnzlich dunkel erscheinen. Es war so schwarz vor ihren Augen, da├č sie nicht einmal mehr wu├čte, in welcher Richtung sich wohl das rettende Meeresufer befand? Auch sie hatte mit der aufgew├╝hlten Sturmsee zu k├Ąmpfen. Dennoch hielt sie den ermatteten K├Ârper des Kapit├Ąn sicher in ihren H├Ąnden w├Ąhrend ihre Gedanken wild durcheinander wirbelten. Sie war beklommen und verwirrt zugleich, denjenigen, den sie so bewundert hatte, nun so nahe, ja sogar in ihren Armen zu wissen.

Der Sturm hatte sich langsam gelegt und im ersten Morgenlicht der aufgehenden Sonne sah die Seejungfrau alsbald die nahe K├╝ste. Sie schwamm darauf zu und zog den jungen Kapit├Ąn unter letzter gro├čer Kraftanstrengung ans rettende Ufer. Weil die Seejungfrau wegen ihres Fischschwanz nicht gehen konnte, blieb sie nahe dem Kapit├Ąn liegen und versuchte ihn mit ihrem K├Ârper zu w├Ąrmen. Kurz darauf vernahm sie pl├Âtzlich n├Ąher kommende Stimmen. Drei edle Damen in teurer Kleidung kamen n├Ąher, und die kleine Sirene sprang eilig zur├╝ck ins Meer um nicht entdeckt zu werden. Aus sicherer Entfernung beobachtete die kleine Meerjungfrau wie sich die laut plaudernden Damen dem immer noch leblos am Ufer liegenden Kapit├Ąn n├Ąherten. Da, da liegt jemand! Rief pl├Âtzlich eine der drei plaudernden Frauen und eilig rannten sie zu dem im Sand liegenden Kapit├Ąn. „Wir m├╝├čen ihm helfen!“ sagten sie und w├Ąhrend sich eine der drei jungen Frauen ├╝ber den Kapit├Ąn beugte holten die beiden anderen Hilfe.

Doch genau in dem Moment in denen sich eine der drei Edeldamen ├╝ber den Kapit├Ąn hin├╝ber beugte, ├Âffnete dieser f├╝r einen Moment seine Augen und blickte in das wundersch├Âne liebliche Gesicht der j├╝ngsten der drei Edelfrauen. Gleich darauf verfiel er wieder in Ohnmacht. Doch dieser kleine Augenblick in das Antlitz der sch├Ânen Frau hatte sich tief und f├╝r immer in sein Herz eingegraben. Die kleine Seejungfrau beobachtete noch eine Weile vom sicheren Wasser aus, wie der J├╝ngling den sie gerettet hatte, zum nahe gelegenen Schlo├č getragen wurde, und schwamm danach hinunter zum Meeresgrund wo ihre Schwestern und ihr Vater bereits ungeduldig auf sie warteten. Traurig erreichte sie den Palast des Vaters wo ihre Schwestern sich bereits Sorgen um sie gemacht hatten, weil sie schon so lange an der Meeresoberfl├Ąche geblieben war. Neugierig fragten sie die kleine Sirene warum sie so lange fortgeblieben sei und die kleine Meerjungfrau begann von all ihrem Liebesschmerz und Kummer zu erz├Ąhlen.

Doch je mehr die kleine Sirene davon erz├Ąhlte, umso mehr nahm der Schmerz in ihrer Brust zu und sie rannte pl├Âtzlich in Tr├Ąnen aufgel├Âst in ihre Gem├Ącher und wollte niemanden mehr sehen. Dort blieb sie viele Tage und weinte bitterlich vor sich hin. Keiner und niemand konnte sie in ihrem Kummer tr├Âsten. Weder ihre Schwestern noch ihr g├╝tiger Vater! So blieb sie viele lange Tage in ihren Gem├Ąchern und ihr Kummer nahm kein Ende. Sie a├č nichts und wurde krank. Bleich und schwach ging es ihr von Tag zu Tag immer schlechter. Sie wu├čte nur zu genau da├č ihre Liebe zu dem J├╝ngling hoffnungslos war. Niemals konnte eine Meerjungfrau einen Mensch heiraten. Doch weil ihr Liebeskummer kein Ende nahm, versuchte sie endlich bei der Meerhexe Rat zu suchen und machte sich schlie├člich auf den Weg. Als die Meerhexe sich die Geschichte der Meerjungfrau angeh├Ârt hatte, begann sie auch schon zu l├Ąstern und h├Âhnte: So, du m├Âchtest also zwei Beine wie die Menschen haben? Zwei Beine wie eine Frau, und alles nur weil du dich in einen Mensch verliebt hast?

Nach einigen ├ťberlegungen und h├Âhnischen Gel├Ąchter meinte die alte Meerhexe schlie├člich: Hmm, na ja, vielleicht ist es ja doch m├Âglich deinen Wunsch in die Wirklichkeit umzusetzen? Aber bedenke, du wirst h├Âllische Schmerzen erleiden, so, als ob dein K├Ârper mit dem Schwert geteilt wird. Und wenn du dann mit deinen F├╝├čen den Boden ber├╝hrst, so wird es sein, als liefest du auf scharfen Scherben und spitzen Messerklingen. Nein, das wird mir nichts ausmachen. Wichtig ist mir nur, da├č ich in seiner N├Ąhe sein darf! fl├╝sterte die kleine Seejungfrau. Doch die alte Meerhexe prophezeite ihr schlimme Erlebnisse und f├╝gte weitere Offenbarungen hinzu indem sie anf├╝gte: Au├čerdem ist dein Kapit├Ąn in Wirklichkeit ein stolzer Prinz der in einem Schlo├č lebt. Dort wartet und tr├Ąumt er l├Ąngst von einer anderen Frau. Du aber wirst zudem deine Stimme verlieren und stumm all die dir genannten Schmerzen ertragen w├Ąhrend der Prinz eines Tages eine andere Frau heiraten wird! Du aber wirst bei all deinen Schmerzen nie wieder eine Seejungfrau sein k├Ânnen und wirst eines Tages zu Schaum auf den Wellen des Meeres!

Doch die kleine liebliche Sirene sagte mit trauriger Stimme zur Meerhexe nur: Gut, dann soll es so sein! Einen Tag sp├Ąter legte sich die kleine Meerjungfrau auch schon in der N├Ąhe des Prinzenschlo├č an den Strand, trank den von der Meerhexe gebrauten Zaubertrank und im selben Augenblick durchfuhr sie auch schon ein wahnsinnig stechender Schmerz und fiel in Ohnmacht. Durch den Zaubertrank hatte die alte Meerhexe bewirkt, da├č der Prinz genau in dem Moment am Strand spazieren ging, als die Verwandlung der kleinen Seejungfrau gerade geschehen war. Als der Prinz die kleine Sirene wie tot daliegen sah, wollte er sie sogleich retten, bedeckte sie eilig mit seinem Mantel und trug sie in sein Schlo├č. Dort veranla├čte er da├č man ihr ein hei├čes Bad bereite, trockene Kleidung und ein weiches, w├Ąrmendes Bett.

Als die kleine Sirene endlich schwach und ersch├Âpft im Bett lag und eine hei├če Suppe zu sich nahm, trat der Prinz zu ihr und fragte: Wer bist du und woher kommst du? Aber die Seejungfrau hatte inzwischen ihre Stimme verloren. Genauso wie es ihr die alte Meerhexe prophezeit hatte. So konnte die kleine Sirene dem Prinz nur mit Handzeichen andeuten, da├č sie stumm war! Aber der Prinz mochte die h├╝bsche Sirene dennoch und so ver├Ąnderte sich auch f├╝r die kleine Meerjungfrau ihr ganzes Leben. Fortan bekam sie neue Kleider, kostbares Geschmeide und wundersch├Ânen Schmuck, und der Prinz k├╝mmerte sich um die junge Frau sooft es seine Zeit erlaubte. Eines Abends wurde im Schlo├č ein gro├čes Fest gegeben und auch die Meerjungfrau hatte der Prinz dazu eingeladen und obwohl ihr jeder Schritt Schmerzen bereitete als laufe sie ├╝ber scharfe Messerklingen, tanzte sie zusammen mit dem geliebten Prinz Arm in Arm ├╝ber das Parkett.

Wie in einem wundersamen Traum schwebte sie tanzend ├╝ber den Boden und war gl├╝cklich. Der Prinz aber der Mitleid mit dem sch├Ânen stummen M├Ądchen hatte, ├╝berh├Ąufte es zwar mit Liebensw├╝rdigkeiten, aber tief in seinem Herz trug er das sch├Âne Bildnis jener unbekannten Edeldame, die er bisher nur einmal gesehen hatte. Damals gesehen hatte, als er als Schiffbr├╝chiger an Strand lag und von der er annahm, da├č diese ihm sein leben gerettet hat. Nicht ahnend da├č dies in Wirklichkeit jene kleine Meerjungfrau war, die er jetzt als sch├Âne Frau in seinen H├Ąnden ├╝ber das Tanzparkett f├╝hrte. Der Prinz war seiner geliebten Edeldame seitdem nie mehr begegnet. Denn nachdem die damals zur Unterst├╝tzung geholten Helfer ihn versorgt hatten, waren die drei Edeldamen sogleich weiter gereist. Das Bild seiner Edeldame aber hatte er seitdem nie wieder vergessen. So gern er auch die kleine Seejungfrau inzwischen hatte, so wenig konnte er das liebliche Gesicht mit den sanften Augen seiner damaligen Edelfrau vergessen. Denn immer wieder und immer wieder mu├čte er an sie denken und dachte seither immer ├Âfters an die sch├Âne, unbekannt gebliebene Frau.

Die Meerjungfrau aber sp├╝rte ebenso seinen Kummer und wu├čte nur zu genau da├č sie keine Chance bei dem Prinzen hatte. Dann ging sie einsam und alleine an den Strand, haderte mit ihrer Liebe und begann bitterlich zu weinen. Denn die Sirene f├╝hlte nur zu genau da├č sein Herz nicht ihr, sondern einer anderen geh├Ârte. Manchmal war es ihr, als w├╝rden ihre Schwestern dabei aus dem Meer auftauchen und ihr zuwinken. Dann aber wurde die kleine Meerjungfrau nur noch trauriger und weinte noch mehr. Aber trotz all des schlimmen Leid, sollte das Schicksal eine weitere b├Âse ├ťberraschung f├╝r die kleine Sirene bereithalten. Denn eines Tages legte pl├Âtzlich ein fremdes Schiff im Hafen an und der Prinz begr├╝├čte gemeinsam mit der Meerjungfrau die fremden G├Ąste. Gerade als der Prinz die ersten G├Ąste begr├╝├čte, stieg genau jenes unbekannte M├Ądchen vom Schiff, von der unser Prinz immer noch meinte, da├č diese ihm das Leben gerettet habe.

Voller Freude lief der Prinz der sch├Ânen unbekannten Edeldame entgegen, w├Ąhrend die kleine Sirene im selben Moment einen m├Ârderischen, schmerzhaften Stich versp├╝rte. Jetzt, wo die geliebte Traumfrau des Prinzen erschienen war, wu├čte die Meerjungfrau, da├č sie f├╝r den geliebten Prinz nicht mehr von Bedeutung war. Denn auch die unbekannte Edeldame hatte den Prinz seit jenen Tag am Strand nie mehr vergessen und schlie├člich Boten beauftragt nach ihm zu suchen. So kam es schlie├člich, da├č zwischen den beiden ein reger Briefwechsel entstand durch den sie sich schlie├člich lieb gewannen und nicht mehr mi├čen wollten. So war es auch nicht weiter verwunderlich, da├č der Prinz schlie├člich um die Hand seiner geliebten Edeldame anhielt um sie zu heiraten. Auch die Edeldame wollte den Prinz nicht mehr mi├čen und willigte ein. So wurde bereits wenige Tage nach der fremden Schiffsankunft Hochzeit gehalten und das frische Brautpaar beschlo├č mit dem Segelschiff eine Hochzeitsreise rund um die Welt zu unternehmen. Der Prinz war ├╝ber seine wiedergefundene Liebe so gl├╝cklich, da├č das frisch verheiratete Paar beschlo├č auch die kleine Seejungfrau zur gro├čen Weltreise einzuladen.

Als es Nacht wurde, ging auch die Seejungfrau an Bord, stellte sich an die Reling und begann bitterlich zu weinen. Jetzt wu├čte sie, da├č sie den Prinz entg├╝ltig und f├╝r immer verloren hatte. Jetzt erinnerte sie sich auch wieder an die Wei├čsagungen der Meerhexe und war jetzt so verzweifelt, da├č sie sich am liebsten ins Meer gest├╝rzt und sich dort als Meerschaum aufgel├Âst h├Ątte. Also beugte sie sich ├╝ber die Br├╝stung des Schiffes, beugte sich weit hin├╝ber, schaute in das tiefe, dunkle Wasser, als sie pl├Âtzlich die wohl bekannten Stimmen ihrer geliebten Schwestern h├Ârte: Sirene, Sirene! Wir sind es! Deine Schwestern. Wir wi├čen was mit dir geschehen ist! Nimm diesen Dolch! Die b├Âse Meerhexe hat f├╝r ihn unser Haar verlangt. Wenn du mit diesem Dolch den Prinzen t├Âtest bevor die Sonne aufgeht, dann wirst du wieder eine Seejungfrau werden und wir sind wieder zusammen!

Schweigend und mit einem unbeweglichen Gesichtsausdruck nahm die kleine Seejungfrau den Dolch entgegen und schlich in die Kaj├╝te des Prinzen. Doch als sie in sein sch├Ânes, unschuldiges Gesicht sah, k├╝├čte sie ihn sanft auf die Stirn und verlie├č eilig und innerlich aufgew├╝hlt das Schlafgemach. Sie konnte ihrer gro├čen Liebe einfach kein Leid zuf├╝gen! Drau├čen auf dem Deck angekommen, warf sie eilig den Dolch ins Meer und hielt sich mit beiden H├Ąnden an der Br├╝stung fest. Dann starrte sie gedankenverloren ins nichts und wartete auf den Sonnenaufgang. Als die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Tag heraufzogen st├╝rzte sich die kleine Meerjungfrau in die Meeresfluten um langsam Schaum auf den wogenden Wellen zu werden. Ein letztes Mal wollte sie noch einmal in das warme Licht der aufgehenden Sonne blicken. Nur einmal noch wollte sie die Strahlen einer aufgehenden Morgensonne in ihrem lieblichen Gesicht sp├╝ren.

Doch gerade in diesem Moment f├╝hlte die kleine Meerjungfrau wie eine geheimnisvolle Kraft sie aus dem Wasser zog und langsam in die H├Âhe trug. Der Himmel f├Ąrbte sich rosa und auf dem Meer kr├Ąuselten sich die Wellen zu einem sanften Reigen. Eine frische, sanfte Meeresbrise war aufgekommen und die kleine Meerjungfrau h├Ârte pl├Âtzlich ein sanftes Glockenl├Ąuten und eine liebliche Stimme fl├╝sterte: „Sirene, kleine Sirene! Komm mit uns! Dir wird nichts geschehen, denn wir sind deine Freunde!“ „Wer seid ihr und wo bin ich?“, fragte erstaunt die Sirene und bemerkte freudig und fast ein wenig erschreckt, dass sie ihre Stimme wieder zur├╝ckbekommen hatte. „Du bist bei uns, den Feen der L├╝fte! Wir sind zum Schutz der Menschen auf dieser Welt, weil wir sie lieben! Unsere Aufgabe ist es, alle guten Menschen vor Bosheit und Ungl├╝ck zu besch├╝tzen.

Wir haben keine Seelen wie die Menschen und so darf zu uns nur kommen, wer ebenfalls keine Seele hat und dennoch die Menschen liebt und ihnen wohl gesonnen ist! Als die kleine Meerjungfrau die Worte vernommen hatte, schaute sie tief ber├╝hrt nach unten, wo sie das Schiff des Prinzen erblickte. Sie f├╝hlte sich jetzt wohlig leicht, geborgen und gl├╝cklich. Wie eine Feder schwebte sie auf wundersame Art im Reigen der Feen. Tr├Ąnen zeigten sich in ihrem Gesicht. Tr├Ąnen des Gl├╝cks! Und als sie die Feen fl├╝stern h├Ârte: „Komm mit uns kleine Meerjungfrau, denn wir gie├čen mit unseren Tr├Ąnen die Blumen der Erde damit sie die Menschen erfreuen und sie gl├╝cklich machen! Also habe keine Angst kleine Sirene und bleib bei uns! Die kleine Meerjungfrau war so gl├╝cklich und voller Freude das sie das Angebot der Feen annahm und von nun an f├╝r immer bei den Feen der L├╝fte blieb!

Hans Christian Andersen
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Ich hasse Menschen Buch

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