Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Das tugendhafte israelitische Ehepaar | ein arabisches M├Ąrchen aus 1001 Nacht

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Das tugendhafte israelische Ehepaar - M├Ąrchen aus 1001 Nacht
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Man erz├Ąhlt ferner: Einst lebte unter den S├Âhnen Israels ein sehr tugendhafter und gottesf├╝rchtiger Mann, der sein Herz allen weltlichen Dingen verschlossen hatte, auch seine treue Gattin teilte seine Fr├Âmmigkeit und seine Duldung. Sie ern├Ąhrten sich lange von ihrer H├Ąnde Arbeit, flochten den ganzen Tag F├Ącher, M├╝ckenwehrer und dergleichen, damit ging der Mann Abends auf die Stra├čen und M├Ąrkte, bis er sie verkaufte, und brachte f├╝r das Geld Lebensmittel nach Hause. Als der Mann eines Tages nach vollendeter Arbeit in einer Stra├če umherging, wo er K├Ąufer suchte, sah ihn die Frau eines vornehmen Weltmannes und fand ihn so sch├Ân und ehrw├╝rdig, dass sie sich leidenschaftlich zu ihm hingezogen f├╝hlte. Da ihr Mann gerade abwesend war, sagte sie zu ihrer Dienerin: „Kannst du vielleicht ein Mittel erfinden, den Mann, der da vor├╝bergeht, hereinzubringen und zu veranstalten, dass er unbemerkt die Nacht bei mir zubringe?“ Die Dienerin ging zu ihm auf die Stra├če, rief ihm nach, sie wolle ihm Etwas abkaufen, und lockte ihn so bis zur Haust├╝re. Dann sagte sie ihm: „Komm herein, setze dich auf die Bank hier, dass ich deine Waren meiner Herrin zeige, damit sie aussuche, was sie zu kaufen w├╝nscht.“ Da der Mann kein Misstrauen hegte, folgte er der Dienerin ins Haus, ohne irgend ein ├ťbel zu bef├╝rchten. Aber kaum hatte er sich niedergesetzt, verschloss die Dienerin die Haust├╝re und ihre Herrin kam aus ihrem Gemache, zog ihn zu sich hinein und sagte: „Wie lange w├╝nsche ich schon mit dir allein zu sein! Mit welcher Ungeduld erwartete ich diesen Augenblick! sieh, das Zimmer ist ber├Ąuchert, das Essen ist bereit, der Herr des Hauses kommt heute Nacht nicht nach Hause, und ich liebe dich von ganzem Herzen. Wie manche K├Ânige und Gro├če und Reiche haben schon um meine Liebe sich beworben; aber du bist der erste Mann, dem ich eine solche Gunst bezeige.“ Die Frau sprach noch Vieles in diesem Sinne, aber der Mann hob seinen Kopf nicht in die H├Âhe, weil er vor Gott sich scheute und seine schwere Strafe bef├╝rchtete. Als er aber kein Mittel sah, sie los zu werden, sagte er: „Ich habe eine Bitte an dich.“ – „Worin besteht sie?“ – „Gib mir reines Wasser und lass mich auf der Terrasse deines Hauses waschen und Etwas verrichten, was ich dir jetzt nicht sagen kann.“ – „Das Haus ist gro├č und hat verborgene Winkel gar viele, sowie auch ein Reinigungszimmer, du brauchst nicht auf die Terrasse zu gehen.“ – „Ich muss den h├Âchsten Platz im Hauses besteigen.“ Da rief sie eine Dienerin und sagte ihr: „Geh‘ mit dem Mann auf die Terrasse des Hauses und nimm ein Waschbecken voll Wasser mit!“ Als der Mann auf der Terrasse war, wusch er sich, betete, blickte dann auf die Stra├če hinunter und merkte wohl, dass, wenn er hinunterspringen wollte, er zerst├╝ckelt auf den Boden kommen w├╝rde. Doch dachte er an die gro├če S├╝nde, die er begehen sollte, und an deren harte Strafe, und entschlossen, sein Leben zu opfern, rief er aus: „Mein Gott und Herr! Du siehst meine Lage und wei├čt, dass ich gerne mein Leben hingebe, um dein Wohlgefallen zu erlangen, doch bist du ja allm├Ąchtig.“ Als er diese Worte vollendet hatte, warf er sich von der Terrasse herunter; aber Gott schickte einen Engel, der ihn auf seine Fl├╝gel nahm und sanft auf die Erde niederlie├č, ohne das er sich nur im Mindesten besch├Ądigte.
Als der fromme Mann den Boden erreichte, dankte er Gott, der ihn f├╝r sein Vertrauen so reichlich belohnt, und ging mit leerer Hand zu seiner Gattin. Sie fragte ihn, warum er so lange ausgeblieben und was er mit der mitgenommenen Arbeit angefangen? Er erz├Ąhlte ihr, was ihm f├╝r eine Versuchung zugesto├čen und wie ihn Gott auf eine wunderbare Weise gerettet. Die Frau sagte hierauf: „Da unsere Nachbarn wissen, dass wir jeden Tag fasten und Abends Feuer machen, um unser Abendessen zu kochen, so wollen wir in Gottes Namen auch diesen Abend Feuer anz├╝nden, um ihnen unsere Armut zu verbergen; wir aber wollen auch diese Nacht noch fortfasten.“

Sie ging dann und machte ein gro├čes Feuer, um die Nachbarn zu t├Ąuschen; dann wusch sie sich und betete mit ihrem Mann das Nachtgebet. Auf einmal kam eine ihrer Nachbarinnen, um Feuer bei ihr zu holen. Die J├╝din sagte ihr, sie m├Âchte nur an den Ofen gehen. Als die Nachbarin aber an den Ofen trat, rief sie der J├╝din, sie m├Âchte doch schnell ihr Brot aus dem Ofen nehmen, ehe es verbrenne. Die J├╝din sagte zu ihrem Manne: „Hast du geh├Ârt, was diese Frau sagte?“ Er erwiderte: „Geh‘ einmal und sieh nach!“ Die Frau stand auf und ging an den Ofen, und siehe da, er war mit Brot gef├╝llt von dem allerfeinsten und wei├česten Mehle. Sie brachte es, Gott dankend, ihrem Mann und sie a├čen mit einander davon. Dann sagte sie: „Lass uns zu Gott beten, dass er uns Etwas beschere, wodurch wir diesem armseligen Leben und dieser harten Arbeit enthoben werden, damit wir uns ganz seinem Dienste hingeben k├Ânnen.“ Als sie miteinander gebetet hatten, spaltete sich auf einmal das Dach des Hauses, und es fiel ein Rubin herunter, der das ganze Haus beleuchtete. Sie freuten sich ├╝ber alle Ma├čen mit dieser Gabe Gottes und dankten ihm immer mehr f├╝r seine Huld. Als sie aber sp├Ąt in der Nacht einschliefen, tr├Ąumte die Frau, sie befinde sich im Paradiese, wo sie viele Kanzeln und unz├Ąhlige Throne aufgestellt sah. Sie fragte, f├╝r wen dies w├Ąre. Man sagte ihr: „Die Kanzeln sind f├╝r die Propheten, und die Throne f├╝r die Aufrichtigen und Frommen.“ Sie fragte dann nach dem Throne ihres Gatten. Man zeigte ihn ihr, und sie bemerkte eine Spalte auf einer Seite. Sie fragte: „Was bedeutet diese Spalte?“ Man antwortete ihr: „Sie bedeutet den Rubin, der euch vom Himmel gesandt worden.“ Hierauf erwachte die Frau aus ihrem Traum und weinte und war sehr traurig wegen des mangelhaften Thrones ihres Gatten mitten unter makellosen der andern Frommen, und sie sagte zu ihrem Manne: „Bete zu Gott, dass er diesen Rubin wieder zur├╝cknehme; es ist besser, diese wenigen Tage noch Armut und Hunger ertragen, als unter den vortrefflichen M├Ąnnern auf einem mangelhaften Throne sitzen.“ Der Mann betete, der Rubin flog wieder durch das Dach fort, und das fromme Ehepaar lebte in Armut und Gottesverehrung, bis sie der Herr zu sich rief.

aus 1001 Nacht 

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