Ibn Alpharebi und Masrur | ein arabisches MĂ€rchen aus 1001 Nacht

Ibn Alpharebi Masrur - MĂ€rchen aus 1001 Nacht
Man erzĂ€hlt noch: Harun Arraschid war eines Nachts sehr missmutig. Er ließ seinen Vezier Djasar, den Barmekiden, rufen, und sagte ihm: „Ich kann nicht einschlafen vor Beklemmung und weiß gar nicht, was ich anfangen soll. Masrur, der dabei stand, als Harun Arraschid dies sagte, fing laut zu lachen an. Da fragte ihn der Chalif: „Warum lachst du? Spottest du meiner?“ Masrur antwortete: „Nein, bei Gott und deiner Verwandtschaft mit dem höchsten Propheten! ich lachte nicht ĂŒber dich, sondern mir fiel ein Mann ein, den ich gestern, als ich ausging, am Ufer des Tigris von vielen Menschen umgeben sah, die er durch seine spaßigen und witzigen EinfĂ€lle lachen machte; drum verzeihe, o FĂŒrst der GlĂ€ubigen!“ Harun Arraschid sagte: „Hole mir sogleich diesen Mann!“ Masrur eilte zu ihm – er hieß Ibn Alpharebi – und sagte ihm: „Der FĂŒrst der GlĂ€ubigen wĂŒnscht dich zu sprechen, ich will dich zu ihm fĂŒhren, jedoch unter der Bedingung, dass, wenn er dir Etwas schenkt, du nur einen Viertel davon behĂ€ltst und das Übrige mir gibst.“ Ibn Alpharebi erwiderte: „Das nicht; aber ich will das Geschenk mit dir teilen.“ Nach langem Streite kamen sie endlich dahin ĂŒberein, dass Ibn Alpharebi ein Drittel behalten und Masrur zwei Drittel geben sollte. Als Ibn Alpharebi vor dem FĂŒrsten der GlĂ€ubigen erschien, sagte ihm dieser: „Wenn du mich durch deine SpĂ€ĂŸe lachen machst, so werde ich dich beschenken, wenn nicht, so sollst du drei SchlĂ€ge mit dieser ledernen Tasche erhalten.“ Ibn Alpharebi, welcher glaubte, die Tasche sei leer, willigte ein, machte allerlei SpĂ€ĂŸe und sagte Dinge, worĂŒber der hĂ€rteste Felsen hĂ€tte lachen mĂŒssen, aber alle seine MĂŒhe war vergebens, Harun Arraschid war zu keinem LĂ€cheln zu bringen, und er sagte zu Ibn Alpharebi: „Nun hast du deine SchlĂ€ge verdient.“ Man holte die lederne Tasche herbei, in welcher vier Steine waren, die zwei Pfund wogen, und als er den ersten Hieb auf seinem RĂŒcken empfing, schrie er jĂ€mmerlich und erinnerte sich des Vertrags, den er mit Masrur geschlossen, und sagte: „Verzeihe, FĂŒrst der GlĂ€ubigen! erlaube mir zwei Worte zu sprechen. Harun Arraschid fragte ihn, was er zu sagen habe. Er erwiderte: „Ich bin mit Masrur ĂŒbereingekommen, dass ich ihm zwei Drittel der Gaben des FĂŒrsten der GlĂ€ubigen ĂŒberlassen und nur ein Drittel fĂŒr mich behalten wollte, und zwar kostet es mich noch viele MĂŒhe, bis er mir das Drittel zugestand; nun ist der eine Hieb genug fĂŒr mich, die andern beiden kommen ihm zu, hier steht er, lasst ihn seinen Anteil nehmen!“ Der FĂŒrst der GlĂ€ubigen lachte und ließ Masrur prĂŒgeln. Als dieser einen Schlag empfing, sagte er: „Ich habe genug, ich ĂŒberlasse ihn Ibn Alpharebi zwei Drittel.“ Der Chalif lachte wieder, ließ tausend Dinare holen und schenkte Jedem von ihnen fĂŒnfhundert. Beide gingen dann erfreut mit dem Geschenke des Chalifen fort.
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