Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Das Kagami | Ein M├Ąrchen aus Japan

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Ein M├Ąrchen aus Japan: Das Kagami
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Es ist schon sehr, sehr lange her, da lebte in einem stillen kleinen Ort ein junger Mann mit seiner sch├Ânen braven Frau und einem einzigen T├Âchterchen, das sie sehr lieb hatten. Nun musste einmal der Mann f├╝r mehrere Monate verreisen, nach der Hauptstadt, und das war sehr weit, da konnte er die Frau und das M├Ądchen nicht mitnehmen. Beim Abschied versprach er, etwas recht Sch├Ânes von der Reise mitzubringen. Die junge Frau war von ihrem Heimatorte niemals weiter fortgekommen als bis zum n├Ąchsten Dorf. So war sie ├Ąngstlich in dem Gedanken, dass ihr Mann auf einer so gro├čen Reise war, zugleich aber auch ein bisschen stolz. Denn so weit, bis zu der gro├čen Stadt, wo der Tenno Hof hielt, war bisher noch keiner aus ihrer Gegend gekommen.

Als nun die Zeit um war, die er f├╝r seine Reise angegeben hatte, da legte sie f├╝r das Kind und f├╝r sich zum Empfang des Gatten die allerbesten Kleider zurecht, sie selber zog das sch├Âne blaue Gewand an, das er so gern an ihr sah. Gro├č war die Freude, als er nun froh und gesund heimkehrte, als er anfing zu erz├Ąhlen und dabei die sch├Ânen Sachen auspackte, die er mitgebracht hatte.

„Etwas ganz Wunderbares habe ich hier f├╝r dich“, sagte er zu seiner Frau. “ Es hei├čt Kagami. Schau einmal hinein und sage mir, was du darin erblickst.“ Ein Kagami hatten sie in dem kleinen Nest, diesem Erdenwinkel so ganz abseits der gro├čen Welt, noch nie zu sehen bekommen, die junge Frau hatte ├╝berhaupt keine Ahnung davon, was das war. Sie machte den wei├čen Holzkasten auf, den er ihr l├Ąchelnd hinhielt; es war eine runde Metallplatte darin, auf der Oberseite aus ziseliertem Silber sah sie allerlei Figuren, V├Âgel und Blumen; aber als sie die Platte nun umdrehte, da war die andere Seite ganz klar blank und glatt und zeigte ihr eine wunderh├╝bsche junge Frau mit rosigen Lippen und strahlenden Augen, die ihr l├Ąchelnd zunickte, die Lippen bewegte, als ob sie zu ihr spr├Ąche und merkw├╝rdigerweise dasselbe, genau dasselbe blaue Gewand anhatte wie sie selber, die Besitzerin des Spiegels. Dem jungen Manne war das ein unbezahlbares Vergn├╝gen, wie sie so ├╝berrascht und erstaunt in das Kagami hinein sah; gerade so war es ihm ja auch gegangen. Und er belehrte sie nun dar├╝ber, dass es das eigene Ebenbild sei, was man in dem Spiegel sehe; in der Stadt habe jeder so ein Ding, nur in solche weltfernen Nester wie das ihre sei es zuvor nicht gekommen.

Die junge Frau war ├╝bergl├╝cklich ├╝ber das Geschenk, und man kann es nicht z├Ąhlen, wie oft sie in den n├Ąchsten Tagen in das Kagami hineinschaute. Aber bald hatte sie das Gef├╝hl, so etwas sei zu schade f├╝r den t├Ąglichen Gebrauch, und es sei nicht gut, viel hineinzusehen. Sie schloss es wieder in den wei├čen Kasten und verwahrte den sorgsam bei ihren anderen Kostbarkeiten.

Die Jahre vergingen, das T├Âchterchen wuchs heran, es wurde mehr und mehr das rechte Ebenbild seiner Mutter, die Eltern hatten gro├če Freude an ihm. Wenn die Mutter jetzt an das Kagami dachte, dann zugleich mit dem Wunsch, dass in ihrem Kind niemals Eitelkeit erwache, wenn es etwa in dem Spiegel gewahr werde, wie sch├Ân es sei. So verschloss sie ihn von nun an noch sicherer und sprach niemals von ihm, ebenso wie er dem Vater ganz aus dem Sinn kam. Die Tochter wuchs in derselben Herzenseinfalt auf wie einst die Mutter und wusste nicht, wie sie aussah.

Nun aber geschah es, dass die Mutter schwer krank wurde; die Tochter pflegte sie mit der gr├Â├čten Liebe und Sorgfalt, aber es wurde nicht besser. Die Krankheit verschlimmerte sich zusehends. Als nun die Frau ihr Ende nahe sah, holte sie mit viel M├╝he das Kagami aus seinem Versteck, rief ihre Tochter zu sich und sagte: „Liebes Kind, du wei├čt ja, ich werde bald sterben, ich werde dann von diesen Leiden, die mich jetzt qu├Ąlen, erl├Âst sein. Wenn das geschehen ist, so sollst du jeden Morgen und jeden Abend in dieses Glas hineinschauen, das musst du mir versprechen. Du wirst mich darin sehen, und du wirst dann wissen, dass ich immer in eurer N├Ąhe bin und immer ├╝ber dich wache.“

Das Kind gab der Mutter unter Tr├Ąnen das Versprechen, und die Frau, ├╝ber das Schicksal der Ihren nun ein wenig beruhigt, starb kurze Zeit darauf.

Das junge M├Ądchen hielt die Worte seiner Mutter heilig, und jeden Morgen und jeden Abend nahm sie den Spiegel von seinem verborgenen Platze hervor und schaute lange hinein. Da sah sie das l├Ąchelnde Gesicht ihrer Mutter – nicht so blass und abgezehrt wie in der letzten Zeit, da sie krank war; sondern wieder die sch├Âne, heitere, bl├╝hende junge Mutter vergangener gl├╝cklicher Tage! Und alle Abend erz├Ąhlte die Tochter dem Bilde im Kagami, was sie am Tage getan und erlebt hatte, alle ihre kleinen Sorgen und K├╝mmernisse, und alle Morgen bat sie um den Segen und Beistand der Mutter, dass ihr Tagwerk gelingen m├Âge.

So artete sie t├Ąglich in all ihrem Tun immer mehr nach der Mutter, indem sie bei allem, was sie tat, daran dachte, wie es ihr gefallen und ob sie sich dar├╝ber freuen w├╝rde. Und wenn sie einmal abends dem Spiegelbild sagen konnte: „Heute war ich gerade so, wie du mich hast haben wollen“, dann l├Ąchelte das Spiegelbild gl├╝cklich.

Der Vater nahm mit Erstaunen wahr, wie seine Tochter morgens und abends mit so merkw├╝rdigem Gebaren in den Spiegel sah, und befragte sie eines Tages darum. Da sagte ihm die Tochter, dass sie jeden Tag in diesem Glas die verstorbene Mutter sehe und ihr alles sage, was sie auf dem Herzen habe. Und sie erz├Ąhlte ihm, was sich die Mutter von ihr auf dem Totenbette habe versprechen lassen, und f├╝gte hinzu, dass sie dieses Versprechen niemals vergessen habe. Da scheute sich der Vater, im Gedanken an seine liebe Frau und im innersten Herzen bewegt von der Unschuld und Herzensreinheit des Kindes, ihm zu sagen, dass es nicht das Antlitz der Mutter sei, das ihm aus dem Spiegel entgegenblickte, sondern das Abbild des eigenen lieben Gesichtes. Er verschwieg, was er von der Eigenschaft des Kagami wusste.

Ein M├Ąrchen aus Japan┬á

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