Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Die Geschenke des Frostes | Ein M├Ąrchen aus Litauen

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Geschenk des Frostes - M├Ąrchen aus Estland
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz
Es waren einmal ein Greis und eine Greisin. Die Alte war aber nicht gesund: sie hustete in einem fort und konnte keinerlei Arbeit verrichten. Deshalb liebte der Greis sie nicht, und er hoffte von Tag zu Tag, dass sie endlich sterben m├Âchte. Doch die Greisin dachte gar nicht daran zu sterben, sie hielt sich und qu├Ąlte sich immer so weiter. Als der Greis sah, dass sie nicht starb, packte er sie, warf sie, nur mit einem Hemd bekleidet, in den Schlitten, fuhr mit ihr in den Wald, warf sie auf einem Berge hinaus und fuhr einfach wieder nach Hause. Und es friert, friert, dass es nur so knackt! Die Alte schmiegt sich an einen Stein, sitzt und wartet auf den Tod. Sie sieht, dass sie erfrieren muss.

Wie sie da so sa├č, kam ein furchtbar gro├čer Herr und fragt die Greisin: „Nun, wie ist’s – friert es, Weiblein?“ – „Es friert, lieber Herr, wie sollte es nicht frieren? Es ist ja jetzt die Zeit daf├╝r, soll es nur ordentlich frieren!“ Da wandte sich der Herr und ging weiter. Doch inzwischen hatte die K├Ąlte etwas nachgelassen. Nach kurzer Zeit kommt derselbe Herr wieder, doch er war schon viel kleiner. Er brachte einen Schafspelz, Stiefel, ein Kopftuch und einen halben Laib K├Ąse, und wieder fragt er die Alte: „Friert es. Weiblein?“ Die Alte antwortete: „Es friert, lieber Herr, das muss es ja, es ist die Zeit daf├╝r; soll es ordentlich frieren!“ Da zog der Herr der Alten den Schafspelz und die Stiefel an, band ihr das Kopftuch um, reichte ihr den halben K├Ąse und gebot ihr zu essen, doch selbst ging er wieder fort.

Die K├Ąlte hatte schon fast ganz aufgeh├Ârt. Da wurde der Alten warm. Sie sitzt still f├╝r sich an den Steinen und isst K├Ąse.

Nicht lange darauf sah sie, dass jemand in einer sch├Ânen Kutsche angefahren kommt, die mit vier Pferden bespannt war. Als die Kutsche nahe herangekommen war, erkannte sie ihn wieder: es war jener Herr, doch nun war er schon ganz klein geworden. Als er herangekommen war, fragte er: „Friert es, Weiblein?“ – „Es friert, lieber Herr, warum sollte es nicht frieren? Das muss es doch, es ist die Zeit daf├╝r; soll es ordentlich frieren!“ Darauf stieg der Herr aus der Kutsche, setzte die Alte hinein, gab ihr einen gro├čen Sack voller Geld und gebot ihr, nach Hause zu fahren.

Da fuhr die Alte nach Hause. Der Greis sah, dass jemand mit einem Kutschwagen auf seinen Hof gefahren kommt. Er meinte, dass irgendein Herr gekommen ist, um ihn zu verpr├╝geln, weil er die Alte hat zu Tode frieren lassen. Er lief eilig aus der H├╝tte, um ihn ohne M├╝tze zu empfangen, doch da sieht er, dass in der Kutsche seine Alte sitzt und einen gro├čen Sack voll Geld hat.

Jetzt vers├Âhnte sich der Greis mit der Alten, und sie lebten hinfort in Eintracht miteinander.

Nicht weit von ihnen in der Nachbarschaft lebte ein anderer Greis. Als er von dieser Sache h├Ârte, besprach er sich mit seiner Frau, dass sie den Frost betr├╝gen wollen. Obwohl beide zuvor in gro├čer Eintracht lebten, fing der Greis jetzt absichtlich an, die Alte zu hassen, und als die K├Ąlte gekommen war, fuhr er die Alte auf den Berg und lie├č sie da, nur mit einem Hemd bekleidet. Und es friert, dass es kracht und die Z├Ąune bersten!

Da kommt ein sehr gro├čer Herr und fragt die Alte: „Nun, wie ist’s – friert es, Weiblein?“ Die Alte erhob die froststarren Augen und begann, obwohl sie die steife Zunge kaum r├╝hren konnte, zu fluchen und sagte: „Fort mit dir, du Verfluchter, dass dich doch das Donnerwetter erschlagen m├Âchte!“ Der Herr wandte sich und ging fort. Doch mittlerweile begann es noch st├Ąrker zu frieren. Nach kurzer Zeit kommt derselbe Herr wieder, doch er war jetzt noch viel gr├Â├čer, und fragt die Alte: „Friert es, Weiblein?“ Doch wie zuvor verfluchte ihn die Alte und schrie nur in einem fort, dass ihn das Donnerwetter erschlagen m├Âchte. Denn, siehst du, sie glaubte, dass der Herr hier lauert, um an ihr Geld zu kommen, das sie erwartete. Wie sie da so sa├č und wetterte, erstarrte sie schlie├člich. Da steckte der Frost sie in den gro├čen Sack, legte sie in einen Trog, spannte ein Schwein davor und fuhr sie zur H├╝tte des Greises.

Als der Alte sah, dass jemand angefahren kommt, lief er voller Freude zum Empfang hinaus, doch als er gesehen hatte, dass sie nicht mit Pferden in einer Kutsche kam, sondern mit einem Schwein in einem Trog, wurde der Alte traurig. Aber als er sah, dass in dem Trog ein gro├čer Sack lag, verga├č er, dass doch die Alte nicht zu sehen war, und st├╝rzte sich mit Freude auf den Sack, denn er glaubte, das w├Ąre der Sack voller Geld. Er bindet ihn auf und sieht: das ist seine Alte, v├Âllig erstarrt.

Das war also die Lehre, die der Greis f├╝r seine Gier nach Geld erhielt.

Ein M├Ąrchen aus Litauen┬á

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Ich hasse Menschen Buch

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