Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Die Sonne und die Mutter der Winde | Ein M├Ąrchen aus Litauen

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Die Sonne und die Mutter der Winde
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Es waren einmal drei Br├╝der. Der eine Bruder aber, Juozapas, sah mit seinen Augen immer zwei Sonnen: am Morgen zur Fr├╝hst├╝ckszeit und gegen Abend zur Zeit der Vesper, sonst sieht er die zweite Sonne nicht. Er bittet seine Br├╝der, sie m├Âchten ihn die andere Sonne suchen lassen. Die Br├╝der lie├čen ihn ziehen und segneten ihn. Er zog in andere L├Ąnder und kam in gro├če W├Ąlder. Da h├Ârt er: im Walde ist ein lauter Streit. Er wollte so gerne wissen, wer sich dort zankt. Er sieht: Ein L├Âwe, ein Habicht, eine Ameise und ein Wolf haben einen Bullen gerissen und wissen nun nicht, wie sie ihn unter sich aufteilen sollen. Da bemerkte der L├Âwe den Menschen und rief ihn herbei: „Mensch, sei so gut, teile das Fleisch unter uns!“ Da schnitt er den Kopf gesondert ab und gab ihn der Ameise: „Du bist klein, du kannst alle kleinen L├Âcher leer fressen.“ Das Fleisch gab er dem L├Âwen, die Knochen dem Wolf, die D├Ąrme dem Habicht. „Seid ihr alle mit meiner Teilung zufrieden?“ – „Ja, sehr zufrieden!“ Jeder gab ihm ein wenig von seinen Haaren, die Ameise gab ihm einen F├╝hler, der Habicht eine Feder: „Wenn du einmal in Not bist, dann erinnere dich an unsere Gaben – dann wird wahr, was du dir w├╝nschst!“ Da ging er weiter durch den Wald und wurde hungrig. Er dachte an den Wolf und wurde sogleich zum Wolf, fing sich einen Widder und a├č sich satt. Da dachte er an den Habicht. Er wurde zum Habicht und flog schnell in ein fernes Land.

Es f├╝gte sich so, dass er in das Reich der Mutter der Winde flog. Er geht in ein Haus und gr├╝├čt mit dem Lob Gottes. „In Ewigkeit! Was suchst du?“ – „Ich suche die zweite Sonne.“ – „Ich werde ein Kn├Ąuel rollen. Folge diesem Kn├Ąuel – und du kommst zu meiner Mutter.“ Er fasste mit dem Schnabel, da er ein Habicht war, den Faden, und sehr weit musste er fliegen, bis er dorthin kam.

Er kam zur Mutter der Winde.

Die Mutter stellte ihn in den Obstgarten als W├Ąchter: „Wenn du auf den Garten aufpasst, wirst du morgen von der Sonne h├Âren!“ Sie gab ihm ein Schwert, er ging hinaus in den Obstgarten. Mitten in der Nacht kam ein Mann, die B├Ąume reichten ihm nicht einmal bis zu den Lenden. Wie nichts steigt der Riese ├╝ber den Zaun, rei├čt B├Ąume aus und will sie davontragen. Der Bruder st├╝rzt sich mit dem S├Ąbel auf ihn und hieb dem Riesen beide H├Ąnde ab, und der Riese ging wieder fort. Nach einer Stunde kam ein anderer, der trat den Wald mit seinen F├╝├čen nieder. Er st├╝tzte sich auf den Zaun, wollte wieder einen Apfelbaum ausrei├čen. Da schlug Juozapas ihm den Kopf ab. Da kam ein dritter, den spaltete er mittendurch.
Als es Tag wurde, ging er zur Hausherrin und erz├Ąhlte ihr von den Sorgen und M├╝hen dieser Nacht. Da ging die Mutter mit ihm in den Obstgarten nachsehen, und sie fand die erschlagenen Riesen. F├╝r diese gute Tat schenkte sie ihm drei ├äpfel. Diese ├äpfel waren sehr kostbar. Sie rief ihre Kinder zusammen, die vier Winde, und fragte sie: „Habt ihr nicht irgendwo die zweite Sonne gesehen?“

Der Nordwind antwortete: „Das ist keine Sonne. Ich war heute dort und habe sie gesehen. Das ist eine Jungfrau auf einer Insel im Meere, dort steht ihr Palast. Sie hat Haare wie die Sonne.“ Die Mutter der Winde rollte f├╝r ihn wieder ein Fadenkn├Ąuel. Er verwandelte sich in einen Habicht, ergriff mit dem Schnabel den Faden und flog ans Ufer des Meeres.

Da kam der Nordwind zu ihm geflogen und riet ihm: „Warte jetzt bis zum Abend. Dann kommt der Bulle der Jungfrau mit drei K├╝hen aus dem Walde nach Hause, und sie schwimmen ├╝ber das Meer zum anderen Ufer. H├Ąnge dich dem Bullen an den Schwanz, er bringt dich zum anderen Ufer hin├╝ber. Aber wenn du dr├╝ben bist, dann tauche unter, denn er st├Â├čt dich mit den H├Ârnern zu Tode, wenn er dich sieht. Wenn du aus dem Wasser kommst, wirst du auf der Insel einen Birkenstamm finden. Krieche unter den Stamm, denn der Bulle wird dich suchen. Nach dem Fr├╝hst├╝ck geh in ein Zimmer, dort wirst du die Jungfrau schlafend finden. Sie liegt auf dem Gesicht. Setze dich auf ihren R├╝cken wie auf ein Pferd, winde ihre Haare um deine H├Ąnde. Sie wird sagen: ‚Lass mich frei! Wenn du mich nicht freil├Ąsst, wird das Land verschwinden und ├╝berall Meer sein.‘ Sage darauf: ‚Ich werde auf dir zum Ufer schwimmen.‘ Dreimal wird sie das sagen. Danach sagt sie: ‚Du bist mein, ich bin dein.‘ Dann Lass sie frei.“

Und der Bulle kam mit den K├╝hen aus dem Walde heim. Er h├Ąngte sich an den Schwanz des Bullen, und der brachte ihn ├╝ber das Wasser. Darauf tat er alles nach dem Rat des Windes. Die Jungfrau lie├č er erst frei, als sie gesagt hatte „Du bist mein, ich bin dein!“

Sie beide lebten dort viele Jahre, er als ihr niedriger Diener. Er trieb selber jeden Morgen die K├╝he ├╝ber das Meer, der Bulle tat ihm nichts mehr.

Einmal fand er auf einem Dornenstrauch ein Haar der Jungfrau, und er fand eine Haselnuss mit einem Loch. Er wickelte das Haar zusammen, steckte es in die hohle Nuss und warf sie ins Meer. Da leuchtete aus dem Meer ein Strahl zum Himmel auf wie der gr├Â├čte Stern. Ein K├Ânigssohn, der auf dem Meere fuhr, sah den neuen Stern. Er richtete sein Schiff direkt auf den Stern, fuhr n├Ąher heran, schaute durch sein Fernrohr und fand die Haselnuss. So schnell wie m├Âglich fuhr er nach Hause zur├╝ck.

Er hatte eine alte Hexe: „Sage, Gro├čm├╝tterchen, was ist das f├╝r ein Haar?“ – „Es gibt eine Jungfrau mit solchen Haaren!“ – „K├Ânntest du sie nicht hierher schaffen? Ich werde dir daf├╝r eine goldene H├Ąngewiege gie├čen und dich Tag und Nacht schaukeln!“

Die Hexe verwandelte sich in eine Bettlerin und ging zu der Jungfrau, und sie erz├Ąhlte ihr, dass man sie von einem Schiff gejagt und ans Ufer gesetzt h├Ątte: „Ich arme Bettlerin habe sie gebeten, mich mitfahren zu lassen, doch sie haben mich hier ans Ufer gesetzt. Vielleicht nimmt die gn├Ądige Herrin mich als Dienerin? Ich will ihr treulich dienen.“

Sie nahm sie auf. Die Hexe war bei der Jungfrau eine Woche, eine zweite – sie erwies sich treu wie eine richtige Dienerin. Was die Herrin sie zu tun hie├č, das machte sie zweimal besser, als es gefordert war. Als die Hexe in der Nacht den K├Ânigssohn sah, gebot sie ihm, ein goldenes Schiff gie├čen zu lassen und dorthin zu fahren, wo er ihre Haselnuss gefunden hatte; auch, dass eine silberne Br├╝cke dort sein sollte.
Am Morgen um die achte Stunde stand die Jungfrau auf, trat aus ihrem Palast und erblickte das neue Schiff. Ein solches Schiff hatte sie noch nie gesehen! Die alte Frau rief die Herrin: „Kommt, wir wollen uns das Schiff ansehen!“ Die Jungfrau war barhaupt aus dem Palast getreten, jetzt wollte sie zur├╝ckkehren, um ein Tuch zu holen. Doch die Zauberin sagte: „Ich werde eines holen!“ Und ihr Mann schlief. Die Hexe nahm ein Messer und schlachtete ihren Mann. Sie nahm die Lunge heraus und die Leber, im Vor├╝bergehen warf sie beides ins Meer. Die Herrin wei├č nicht, was sie da getan hat. Sie kommt nahe an das Schiff heran und sieht, dass kein Mensch darin ist. Die Zauberin forderte die Herrin auf, einzusteigen und sich das Schiff anzusehen.

Als sie eingestiegen war, fuhr es aufs Meer hinaus. Da kam der K├Ânigssohn herausgesprungen, ergriff die Herrin und f├╝hrte sie in sein Gemach: „F├╝rchte dich nicht, bei mir wirst du es besser haben als hier. Ich habe ein K├Ânigreich, ich habe viele Krieger.“ Er fuhr mit ihr in sein K├Ânigreich. Er wollte sie sofort heiraten. „Ich kann erst in einem Jahr heiraten! Ich trauere um meinen Vater, er ist vor kurzem gestorben.“ Soviel sie nur immer konnte, z├Âgerte sie die Zeit hinaus, denn sie wollte nicht, dass er sie heiratete.

Alle vier Winde kamen bei ihrer Mutter zusammen, um von ihr Neuigkeiten zu h├Âren. Sie sehen, dass im Obstgarten der Mutter alle Apfelb├Ąume verwelkt sind. „Warum ist das so, M├╝tterchen?“ – „Lauft hin und seht nach, vielleicht ist unser Freund nicht mehr am Leben, der unseren Garten bewacht hat.“ Sie fanden ihn abgeschlachtet. Sie fingen an, an den Ufern entlang und ├╝berall im Wasser seine Lunge zu suchen. Da sahen sie einen sehr gro├čen Krebs, der die Lunge in seine H├Âhle schleppt. Sie nahmen ihm die Lunge und die Leber weg. Der Nordwind tauchte in das Meer und brachte heilendes Wasser und Wasser des Lebens. Sie bestrichen ihn damit, wuschen ihn, und Juozapas wurde lebendig und gesund. Sie fragen: „Wo ist die Jungfrau geblieben?“ – „Ich wei├č nicht. Ich war eingeschlafen.“ – „Du warst abgeschlachtet!“ Er eilt in alle L├Ąnder – nirgends findet er seine Herrin. Er fragte die Winde um Rat: „Was soll ich jetzt tun?“ Der Nordwind: „Geh in ihr Gemach, dort findest du Zaumzeug und einen Sattel. Sattle dir deinen Bullen, er wird sich in ein Pferd verwandeln, dass es im ganzen K├Ânigreich keinen zweiten solchen Hengst gibt. Steige auf, ├╝ber das Meer wirst du besser reiten als ├╝ber das Land. Und er wird dich in das K├Ânigreich bringen, wo die Jungfrau ist. Dort wird an dem Tage Pferdemarkt sein, und der K├Ânig wird versuchen, den Hengst zu kaufen. Wenn er anf├Ąngt zu handeln, dann sage: ‚Wenn ihr kaufen wollt, so kauft, ich habe keine Zeit‘, so lange, bis die Jungfrau herauskommt.“

Da kam die Jungfrau heraus, und sie erkannte ihr Tier. Sie ergriff ihren Mann bei der Hand, trat ihm auf den Fu├č und stieg auf. Und sie erhoben sich in die L├╝fte und flohen zu ihrem Palast. Da fiel der K├Ânig in Trauer. Er fragt die Zauberin: „Was soll ich jetzt tun?“ – „Da gibt es keine Hilfe mehr!“

Die Jungfrau kam nach Hause und lie├č ihren Bullen frei. Der Bulle lie├č sich auf seine Knie nieder und begann mit menschlicher Stimme zu sprechen: „Schlage mir den Kopf ab!“ Die Jungfrau wollte ihm den Kopf nicht abschlagen, aber schlie├člich musste sie es doch tun. Sie schlug ihm den Kopf ab, und es verschwand der vierte Teil des Meeres, an seiner Stelle war nun Land. Und aus dem Bullen wurde ihr Bruder. Sie schlug allen drei K├╝hen die K├Âpfe ab, sie wurden ihre Schwestern. Da verschwand das ganze Meer, es war daf├╝r ├╝berall Land. Da begannen dort Menschen zu leben. Und sie wurde die K├Ânigin in diesem Lande, und ihr Mann der K├Ânig. Ihr Mann hatte f├╝r ihren Bruder und f├╝r ihre Schwestern gelitten. Sie lebten gl├╝cklich und froh.

Und so endet das M├Ąrchen.

aus Litauen 

+1
0
+1
0
Dieses Bild teilen:
Ich hasse Menschen Buch

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mut zur Selbstverantwortung: Werde zum Gestalter deines Lebens!

Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand und gestalten Sie es selbst! Mit "Mut zur Selbstverantwortung" lernen Sie, Verantwortung zu ├╝bernehmen, Ihre Gedanken zu kontrollieren und selbstbestimmt zu handeln. Praktische ├ťbungen helfen Ihnen dabei, negative Muster loszulassen und sich weiterzuentwickeln. Werden Sie zum Gestalter Ihres Lebens und finden Sie Erf├╝llung und Gl├╝ck!

Unz├Ąhlige produkte von frida kahlo wie tassen, socken, kalender, poster, kleider und noch viel. Fassade : die fassade des hauses wurde vor kurzem renoviert und sieht jetzt wie neu aus. ╬Łeue heimat | die insel kreta | sprach und kulturbarrieren | teil ii.