Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Der Berg Obsute | Ein M├Ąrchen aus Japan

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Der Berg Obsute - ein M├Ąrchen aus Japan
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz
 

Vor Zeiten lebte am Fu├če eines Berges ein altes M├╝tterchen mit ihrem Enkel, der ob seiner Gutherzigkeit und T├╝chtigkeit im ganzen Dorf hochgeachtet war. Er pflegte sie sehr treu und liebevoll und war allezeit gehorsam und ehrerbietig gegen sie. Nun traf es sich, dass das Dorf in die Gewalt eines unbarmherzigen und unmenschlich grausamen Lehnsherrn kam. Der erlie├č eines Tages den Befehl an die Dorfleute, sie sollten alle alten Leute auf dem Berg aussetzen und Hungers sterben lassen; denn er meinte, sie seien zu nichts mehr n├╝tze in der Welt und verst├╝nden nichts als Reis zu essen. Den armen Dorfbewohnern blieb nichts ├╝brig, als dem Befehl zu gehorchen, so schrecklich er auch war. Und so stieg das ganze Dorf an dem bestimmten Tage auf den Berg hinauf, ├╝berlie├č dort die armen Alten ihrem Schicksal und kehrte kummervoll heim.

Auch unser altes M├╝tterchen f├╝hrte der Enkel mit trauernden Herzen auf den Berg und lie├č es dort allein, aber es elend langsam verschmachten zu lassen, das brachte er doch nicht ├╝bers Herz. Um Mitternacht desselbigen Tages noch holte er es wieder in sein Haus zur├╝ck, und hielt es dort im Keller ganz in der Stille von der Welt verborgen. T├Ąglich brachte er, was es zur Nahrung bedurfte, und m├╝hte sich redlich ab, es ihm an nichts fehlen zu lassen. Der Gutsherr war in der Bosheit seines Herzens entschlossen, die Gemeinde bis aufs Blut zu qu├Ąlen.

Eines Tages gab er seinen Leuten den n├Ąrrischen Befehl, ihm an einem bestimmten Tage ein Seil aus Asche zu bringen. Allen schien der Auftrag unausf├╝hrbar; wie sollte man aus Asche ein Seil machen? In ihrer Ratlosigkeit baten sie den Herrn um Erlass der ganz unm├Âglichen Arbeit, aber er forderte das Seil nur um so dringender und drohte ihnen schwere Strafe an, wenn sie es nicht bis zur festgesetzten Stunde br├Ąchten. In ihrer Angst versammelte sich die ganze Gemeinde im Hause des Enkels und beratschlagte, was zu tun sei, aber kein Ausweg war zu finden. Da erschien pl├Âtzlich zu aller Staunen das M├╝tterchen, das im Keller die Beratung angeh├Ârt hatte,

Weil bis dahin niemand von seinem Aufenthalt im Keller eine Ahnung gehabt hatte, wunderten sie sich alle aufs ├Ąu├čerste, dass eine so alte Frau der Bosheit des Herrn hatte entzogen werden k├Ânnen, und waren ger├╝hrt ├╝ber die kindliche Liebe und Klugheit des Enkels. Die Alte wieder tr├Âstete sie in ihrer Angst und Sorge, indem sie sagte: ÔÇ×Es ist nichts leichter, als dem Befehl des Herrn nachzukommen. Asche l├Ąsst sich zwar nicht zu einem Seile drehen, aber man erh├Ąlt ohne M├╝he ein Seil aus Asche, wenn man ein gew├Âhnliches Seil im Feuer zu Asche verkohlen l├Ąsst.ÔÇť Die Leute folgten sofort ihrem klugen Rat und erhielten wirklich das verlangte Seil.

Hocherfreut w├Ąhlten sie einen aus ihrer Mitte, der es dem Herrn ├╝bergeben sollte. Der ging sofort zum Herrenhause und lie├č melden, er bringe das gew├╝nschte Seil aus Asche. Verwundert und neugierig, wie sie das Kunstst├╝ck fertiggebracht h├Ątten, lie├č ihn der Herr sogleich vor sich kommen, und der Bote musste ihm den ganzen Hergang erz├Ąhlen. Das tat er auch mit aller Aufrichtigkeit. Er schilderte ihre Not und Angst und wie sie ganz ratlos gewesen seien, und dass es ihnen niemals m├Âglich gewesen w├Ąre, den Wunsch des Herrn zu erf├╝llen, wenn nicht die Klugheit der geretteten Alten sie aller Sorgen enthoben h├Ątte. Auch von der wunderbaren Errettung des M├╝tterchens sprach er ganz offen und r├╝hmte die Liebe und Treue ihres Enkels.

Da gingen dem harten Mann die Augen auf, und er erkannte, wie ├╝bereilt er dem Alter seinen Nutzen abgesprochen hatte, und wie t├Âricht und schlecht sein ganzes Verhalten gewesen war. Und er ging in sich und besserte sich und wurde von diesem Tage an, seinen Untergebenen ein gerechter und g├╝tiger Schirmherr.

M├Ąrchen aus Japan┬á

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