Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

Die Warze und die Kobolde | Ein M├Ąrchen aus Japan

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Die Warze und die Kobolde - ein M├Ąrchen aus Japan
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz
Einst lebte in einem Dorfe ein herzensguter, fr├Âhlicher Mann, der sich m├╝hevoll seinen Lebensunterhalt verdiente, dabei aber immer lustig und guter Dinge war. Auf der rechten Wange hatte er eine gro├če, h├Ąssliche Warze, die ihn sehr verunzierte, doch machte er sich nicht viel daraus, und wenn ihn die Leute dann und wann wohl dar├╝ber neckten, so fing er mit ihnen zu lachen an und kr├Ąnkte sich nicht dar├╝ber.

Sein Nachbar indessen, der merkw├╝rdiger Weise dieselbe Verunstaltung auf der linken Wange hatte, war anderer Natur, er war z├Ąnkisch, und Niemand h├Ątte wagen d├╝rfen, in seiner Gegenwart auf die h├Ąssliche Warze anzuspielen. Deshalb hatte dieser Nachbar auch wenig Freunde, w├Ąhrend der andere freundliche Mann von allen im Dorfe geliebt wurde.

Eines Tages nun nahm dieser, wie er dies ├Âfter tat, seine Axt und ging in den Wald, um Holz zu f├Ąllen, das er verkaufen wollte. Er wanderte tief in den Wald hinein, und als er den hohen Taikoberg bestieg, da fing es so gewaltig zu regnen an und der Sturm heulte so sehr, dass er nicht weiter kommen konnte und unter den breiten ├ästen der dicken B├Ąume Schutz suchte. Stundenlang hoffte er, das Unwetter werde nachlassen, und er k├Ânne dann den Heimweg antreten; doch sein Hoffen war vergebens, es regnete und st├╝rmte fort und fort, und so musste er sich entschlie├čen, die Nacht im Walde zu bleiben; denn die Sonne ging bereits unter, und es begann rings umher zu dunkeln. Als er sich nach einem Pl├Ątzchen umschaute, das ihn einigerma├čen vor Regen und Sturm sch├╝tzen konnte, denn weit und breit war keine H├╝tte zu sehen, da gewahrte er ganz in der N├Ąhe einen hohlen Baum. Geschwind ging er darauf zu und stieg in die weite H├Âhlung. Ja, nun war er geborgen; hier konnte er es ganz gut aushalten. Der gute alte Mann lachte vor Freuden, und zufrieden, wie er von Natur war, machte er es sich so bequem in seinem Verstecke, wie er nur konnte.

Schon fielen ihm vor M├╝digkeit die Augen zu und der Schlaf stellte sich ein, da h├Ârte er ganz in seiner N├Ąhe das Ger├Ąusch von Schritten, und sofort wurde er wieder wach und munter. Vorsichtig lugte er durch eine Spalte des Baumes und sah zu seinem nicht geringen Erstaunen eine ganze Schaar sonderbarer Kobolde, welche die merkw├╝rdigsten Spr├╝nge machten und gar wunderlich aussahen. Viele waren ├╝ber und ├╝ber von roter Farbe, andere wieder waren schwarz, mit sonderbaren roten Kleidern beh├Ąngt, manche hatten keinen Mund und wieder andere hatten nur ein Auge. Es waren ihrer wohl ├╝ber hundert, und der alte Mann war halb tot vor Grauen und Furcht. Indessen hielt er sich m├Ąuschenstill und wartete atemlos der Dinge, die da kommen w├╝rden. Die gespenstischen Wesen hatten auch einen Oberkobold; den sah der arme Mann jetzt ganz deutlich, und das Ungeheuer, das einen gro├čen Schnabel statt der Nase im Gesichte hatte, versammelte die Menge gerade unter dem hohlen Baume, in dem der Alte sa├č. Hier setzte sich der Oberkobold nieder, schlug die Beine unter und hie├č die Andern sich zu beiden Seiten in zwei langen Reihen niedersetzen. Dies geschah denn auch sogleich, und kaum war es geschehen, so fingen die Kobolde zu schmausen an. Sie tranken den Wein wie gebildete Menschen und hielten ein so regelrechtes Gastmahl, dass der Lauscher sich nicht wenig dar├╝ber verwunderte. Doch als die Schale mit Wein immer wieder die Runde gemacht hatte, da schien der Oberkobold trunken zu werden, das konnte man aus seinen Geb├Ąrden merken. Den alten Mann, der alles genau beobachtete und allm├Ąhlich seine Furcht verlor, belustigte dies nicht wenig, aber es sollte noch besser kommen. Einer aus der Gesellschaft trat, nachdem die Mahlzeit beendet war, aus der Reihe hervor, machte mit allem erdenklichen Zeremoniell seine Verbeugungen vor dem Oberkobold und f├╝hrte dann einen Tanz auf, so spa├čhaft und komisch, dass es gar nichts l├Ącherlicheres geben konnte. Und kaum hatte dieser den Anfang gemacht, so fingen sie alle an zu tanzen, schlugen sich ├╝ber und waren ├╝beraus possirlich. Der alte Mann, den dies ├╝ber alle Ma├čen belustigte, konnte sich nun nicht mehr halten; er verga├č ganz und gar, dass er nicht zu der Schar geh├Ârte und sprang mit den tollsten Spr├╝ngen mitten zwischen sie. Die Kobolde umringten ihn sogleich und st├╝rzten von allen Seiten herbei, doch ihn schien dies gar nicht zu k├╝mmern; er tanzte fort und fort, und als er in die N├Ąhe des Oberkoboldes kam, da f├╝hrte er den spa├čhaften Tanz eines Trunkenboldes auf, zu dem er laut zu singen anfing. Als die Gesellschaft dies sah und h├Ârte, da lachte sie, dass es im Walde widerhallte, und der Oberkobold sowohl als seine Genossen gaben das gr├Â├čte Entz├╝cken zu erkennen. Als der alte Mann seinen Tanz beendet hatte, sagten sie: ┬╗Wie lange schon halten wir in diesem Walde unsere Feste, und noch nie haben wir etwas so spa├čhaftes gesehen, wie heute den Tanz dieses fr├Âhlichen Alten! Er muss wiederkommen und an unseren Vergn├╝gungen teilnehmen!┬ź ┬╗Das will ich gern tun,┬ź sagte der alte Mann eifrig, denn es fing ihm doch wieder an unheimlich zu werden, ┬╗und das n├Ąchste Mal will ich es viel besser machen; heute habt ihr von meinen K├╝nsten nur eine schwache Probe gesehen!┬ź ┬╗Ach, wenn er heute uns verspricht, wiederzukommen,┬ź schrien die Kobolde, ┬╗so wird er doch sein Wort nicht halten, das wissen wir vorher.┬ź ┬╗So soll er ein Pfand hier lassen,┬ź sprach der Oberkobold; ┬╗geschwind, nehmt ihm die sch├Âne Warze aus dem Gesicht!┬ź ┬╗Nein, nicht die Warze,┬ź rief der alte Mann, ┬╗alles andere, nur die nicht! Ich habe die Warze nun schon so lange Jahre, von der kann ich mich nicht trennen!┬ź ┬╗Nun, dann gerade wollen wir sie behalten, damit wir sicher sind, dass du sie wieder holst,┬ź sprachen die Kobolde, griffen ihm mit den H├Ąnden ins Gesicht, und fort war die Warze. Als der Tag graute, zogen die Kobolde ab und der alte Mann war ganz allein. Ungl├Ąubig bef├╝hlte er sein Gesicht ÔÇô die Warze war und blieb fort.

Freudig eilte er heim und erz├Ąhlte seiner Frau die wunderbare Begebenheit, und als die Leute ihn sahen, da w├╝nschten sie ihm Gl├╝ck dazu, dass er die h├Ąssliche Warze nicht mehr zu tragen brauchte.

Aber der neidische Nachbar nebenan, der ergrimmte bei der Nachricht und war nun doppelt ├Ąrgerlich ├╝ber sein Gebrechen. Er ging zu dem gl├╝cklichen Alten, der die Warze verloren hatte, und lie├č sich haarklein den ganzen Hergang erz├Ąhlen, und als er sich alles genau gemerkt, da machte er sich auf und ging in den Wald. Bevor der Abend kam, fand er auch die beschriebene Stelle und versteckte sich in den hohlen Baum. Und gerade so, wie es der alte Mann erz├Ąhlt, kam es auch diesmal. Die Kobolde zogen herbei, lagerten sich, schmausten und tranken, und als der Tanz begann, da riefen sie: ┬╗Wo ist der spa├čige alte Mann? Kommt er noch nicht?┬ź ┬╗Hier ist er,┬ź sprach zitternd vor Furcht der neidische Nachbar, und als die Kobolde vor Freude schrien, da fing er auch wirklich zu tanzen an, obgleich er gar nicht tanzen konnte. Und als er seine unbeholfenen Spr├╝nge machte, da sprach der Oberkobold: ┬╗Du tanzest heute viel schlechter, als das vorige Mal; h├Âre damit auf, ich kann es nicht mehr ansehen! Gebt ihm sein Pfand wieder,┬ź befahl er den anderen Kobolden, ┬╗und lasst ihn fortgehen!┬ź

Die Kobolde warfen ihm die Warze ins Gesicht, genau an die Stelle, an der sie sein Nachbar getragen, und sie blieb ihm fest an der rechten Wange haften. Nun hatte er zwei gro├če Warzen, und als er voll Kummer in das Dorf zur├╝ckkehrte, da musste er noch den Spott der Menschen ertragen und w├╝nschte von Herzen, dass er nie in den Wald zu den Kobolden gepilgert w├Ąre. Ja, ja, das konnte er auch bleiben lassen!

M├Ąrchen aus Japan┬á

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