Ich vertraue dir nicht - das Buch zum erlernen von Vertrauen

ÔŤä Eine Verlassene | Weihnachtsgeschichte | Advent

Banner f├╝r das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gef├Ąrbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi
Eine Verlassene - Weihnachtsgeschichte
Novellen - Kurzgeschichten - B├╝cher - Daniela Noitz

Weihnachten! Ein Kreis hat sich zusammengefunden, um Weihnachten in die H├╝tten der Armen und Verlassenen zu tragen. Wir haben uns in einem Schullokal versammelt, haben unsere Pakete gemacht, bekommen unsere Adressen, unser Tannenb├Ąumchen und werden einem jungen Kandidaten der Theologie zugeteilt, der uns f├╝hren und den Armen die Weihnachtsandacht halten soll. Der Postschlitten wartet drau├čen, es ist ein eisiger Winternachmittag. Au├čer mit und den Kandidaten fahren noch zwei junge M├Ądchen mit uns. Man kann in der K├Ąlte schwer atmen. Der Kandidat sagt dem Kutscher eine Adresse, der brummt unzufrieden: „Das ist ja ganz aus der Stadt heraus“, murmelt er, „da wohnen ja nur die ├ärmsten, dort sind ja gar keine H├Ąuser mehr, nur H├╝tten.“

„Gerade darum fahren wir ja auch hin, diese ├ärmsten sollen auch Weihnachten haben“, sagt der Kandidat mit seiner hellen, fr├Âhlichen Stimme. Er ist noch sehr jung, und sein Herz ist voll begeisterter Liebe f├╝r die Armen und f├╝r sein zuk├╝nftiges Amt.

Die Fahrt will kein Ende nehmen, l├Ąngst liegen die H├Ąuser der Stadt hinter uns. An kleinen, schiefen H├Ąuschen mit verschneiten Vorg├Ąrten fahren wir vor├╝ber; es ist kalt, die erstarrten H├Ąnde k├Ânnen kaum mehr die Pakete und das B├Ąumchen halten. Endlich h├Ąlt der Schlitten vor einem etwas gr├Â├čeren Steinhause, und wir sind am Ziel. Die Haust├╝r ├Âffnet sich auf unser Klopfen, eine Frau mit finsterem m├╝rrischen Gesicht fragt nach unserem Begehr. Wir nennen den Namen der alten Frau, zu der wir wollen. – „Ach, zu der wollen Sie“, ist die noch immer unfreundliche Antwort.
„Wir bringen ihr Weihnachten!“ ruft die Stimme des Kandidaten.

„Bringen sie ihr lieber den Tod“, sagt die Frau m├╝rrisch, „dann w├╝rde sie ihnen mehr danken als f├╝r Weihnachten, sie ist schon sehr alt und stirbt noch immer nicht, sie lebt keinem zur Freude.“
So redend, leuchtet sie uns mit einer Laterne die steile Treppe hinauf und weist uns an eine verschlossene T├╝r. Wir haben das mitgebrachte B├Ąumchen mit Lichtern geschm├╝ckt, haben die Gaben ausgepackt, nun ├Âffnet der Kandidat die T├╝r. Wir treten in ein ziemlich gro├čes, d├╝steres Zimmer, das nur durch den Schein einer kleinen Petroleumlampe sp├Ąrlich erhellt ist. In einer Ecke des Zimmers steht ein Bett, aus den Kissen erhebt sich langsam ein furchtbares Gesicht, es geh├Ârt einer alten Frau. Wir sehen einen Totensch├Ądel mit tr├╝ben, traurigen Augen, die sich auf uns richten. Kein Haar bedeckt den Kopf, wie erstarrt blickt das furchtbare Antlitz auf uns.

Der Kandidat stellt das Weihnachtsb├Ąumchen auf den Tisch. Im Schein der Weihnachtskerzen steht er da, sein Gesicht ist licht und klar, leuchtend vor Erbarmen und G├╝te und voll kindlichen Gottvertrauens. Er gibt uns ein Zeichen, wir sollen singen. „Stille Nacht, heilige Nacht“, erklingt durch den d├╝steren Raum. Dann liest der Kandidat die alte frohe Botschaft, die den M├╝hseligen und Beladenen Jahr f├╝r Jahr immer wieder von neuem tr├Âstend erklingt: „Euch ist heute der Heiland geboren!“

Stumm und immer mit entsetzten Augen hat die Alte keinen Blick vom Kandidaten gewandt. Nun tritt er an ihr Bett, nimmt ihre Hand und spricht liebevoll: „Auch f├╝r sie ist heute das Christkind in die Welt gekommen.“

Da schleudert sie mit einer wilden Bewegung seine Hand zu Seite und schl├Ągt die d├╝rren H├Ąnde vors Gesicht: „Es ist nicht wahr“, schreit sie, „zu mir kommt niemand, nicht einmal der Tod. Was mache ich mit dem Christuskind, ich brauche den Tod, aber Gott hat mich vergessen!“
„Er hat Sie nicht vergessen!“ Wie ein Jubel klang es aus der hellen Stimme. „Gerade f├╝r Sie, weil sie so einsam und alt sind, gelten die sch├Ânsten Verhei├čungen.“
„Aber warum muss ich denn noch auf der Erde leben?“ jammert die alte Stimme.
„Das wei├č ich nicht“, antwortete die junge, „das wei├č nur Gott, aber vielleicht sollen Sie noch Geduld lernen, vielleicht Gehorsam. Wollen wir Gott bitten, dass er Sie das lehrt, was sie noch lernen sollen, und dass er sie dann heimgehen l├Ąsst in Frieden.“
Und er kniet nieder vor dem Bett der Alten, in all dem Schmutz, in all der D├╝sterheit hebt er sein helles J├╝nglingsgesicht empor und betet wie ein Kind.
Ich werde dieses Gebet nie vergessen. Ich hatte die Empfindung, als stiege es in seiner Einfachheit vor Gottes Thron. Und dann sangen wir: „O du fr├Âhliche, o du selige“. Ach, h├Ątte die arme, gefangene Seele doch in diesem Augenblick ihre Fl├╝gel heben und heim fliegen d├╝rfen!
Die Kranke weint. Man hatte das Gef├╝hl, als m├╝sse sie sterben in diesen Tr├Ąnen. Wir legen ihr die mitgebrachten Sachen aufs Bett, dann nehmen wir Abschied. Als der Kandidat ihr die Hand gibt, will sie sie k├╝ssen, erschrocken wehrt er ab.
Aufatmend stehen wir drau├čen unter dem dunklen Schneehimmel, keines wagt etwas zu reden. In tiefen Gedanken, schweigend, fahren wir heim.Monika Hunnius┬á

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Ich hasse Menschen Buch

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