­čÄä Der alte Weihnachtsbaumst├Ąnder | Geschichten zur Adventzeit

Der alte Weihnachtsbaumst├Ąnder - Adventgeschichte

F├╝r Liebhaber*innen guter Literatur:
Jetzt ansehen Ôćĺ
Zu B├╝chern Amazon┬áÔćĺ

Beim Aufr├Ąumen des Dachbodens – ein paar Wochen vor Weihnachten – entdeckte der Familienvater in einer Ecke einen ganz verstaubten, uralten Weihnachtsbaumst├Ąnder. Es war ein besonderer St├Ąnder mit einem Drehmechanismus und einer eingebauten Spielwalze. Beim vorsichtigen Drehen konnte man das Lied „O du fr├Âhliche“ erkennen. Das musste der Christbaumst├Ąnder sein von dem Gro├čmutter immer erz├Ąhlte, wenn die Weihnachtszeit herankam. Das Ding sah zwar f├╝rchterlich aus, doch kam dem Familienvater ein wunderbarer Gedanke. Wie w├╝rde sich Gro├čmutter freuen, wenn sie am Heiligabend vor dem Baum sitzt und dieser sich auf einmal wie in vergangener Zeit zu drehen anf├Ąngt und dazu „O du fr├Âhliche“ spielt. Nicht nur Gro├čmutter, die ganze Familie w├╝rde staunen.
So nahm er den St├Ąnder und schlich ungesehen in seinen Bastelraum. Jeden Abend zog er sich geheimnisvoll nun in seinen Bastelraum zur├╝ck und verriegelte die T├╝r. Eine gr├╝ndliche Reinigung und eine neue Feder, dann sollte der St├Ąnder wie neu sein.

Nat├╝rlich fragte die Familie, was er dort treiben w├╝rde und er antwortete jedes mal nur: „Weihnachts├╝berraschung“. Kurz vor Weihnachten sah der Weihnachtsbaumst├Ąnder aus wie neu. Jetzt noch schnell einen pr├Ąchtigen Weihnachtsbaum besorgt, so um die zwei Meter hoch und wieder verschwand der Vater in seinem Hobbyraum. Er stellt den Baum in den St├Ąnder und f├╝hrte einen Probelauf durch. Alles bestens, was w├╝rde Gro├čmutter f├╝r Augen machen. Nun endlich war es Heiligabend. Der Vater bestand darauf den Weihnachtsbaum alleine zu schm├╝cken, er hatte extra echte Baumkerzen besorgt, damit alles stimmte. „Die werden Augen machen!“ sagte er bei jeder Kugel, die er in den Baum hing. Als er fertig war, ├╝berpr├╝fte er noch einmal alles, der Stern von Bethlehem war oben auf der Spitze, die Kugeln waren alle angebracht, Naschwerk und Wunderkerzen hingen h├╝bsch angeordnet am Baum und Engelhaar und Lametta waren h├╝bsch untergebracht. Die Feier konnte beginnen!

F├╝r die Gro├čmutter stellte er den gro├čen Ohrensessel parat, die anderen St├╝hle stellte der Vater in einem Halbkreis um den Tannenbaum. Jetzt f├╝hrte der Vater die Gro├čmutter feierlich zu ihrem Platz, die Eltern setzten sich neben ihr und ganz au├čen sa├čen die Kinder. „Jetzt kommt die gro├če Weihnachts├╝berraschung“, verk├╝ndete er, l├Âste die Sperre am St├Ąnder und nahm ganz schnell wieder seinen Platz ein. Langsam begann der Weihnachtsbaum sich zu drehen und hell erklang von der Musikwalze „O du fr├Âhliche“. War das eine Freude! Die Kinder klatschten in die H├Ąnde und Oma hatte vor R├╝hrung Tr├Ąnen in den Augen. Sie brachte immer wieder nur „Wenn Gro├čvater das noch erleben k├Ânnte, dass ich das noch erleben darf!“ hervor. Mutter war stumm vor Staunen.
Eine Weile schaute die Familie entz├╝ckt und stumm auf den im Festgewand drehenden Weihnachtsbaum, als ein schnarrendes Ger├Ąusch sie j├Ąh aus ihrer Versunkenheit riss. Ein Zittern durchlief den Baum, die bunten Weihnachtskugeln klirrten wie kleine Gl├Âckchen. Nun begann der Baum sich immer schneller an zu drehen. Die Musikwalze h├Ąmmerte los. Es h├Ârte sich an als wollte „O du fr├Âhliche“ sich selbst ├╝berholen.

Mutter schrie laut auf. „So unternimm doch was!“ Vater sa├č aber wie versteinert auf seinem Stuhl und starrte auf dem Baum, der seine Geschwindigkeit immer weiter steigerte.
Mittlerweile drehte er sich so schnell. dass die Flammen hinter ihren Kerzen wehten. Gro├čmutter bekreuzigte sich und betete, und murmelte nur noch: „Wenn das Gro├čvater noch erlebt h├Ątte.“
Als erstes l├Âste sich der Stern von Bethlehem, sauste wie ein Komet durch das Zimmer, klatschte gegen den T├╝rrahmen und fiel auf den Dackel, der dort gerade ein Nickerchen hielt. Der Dackel flitzte wie von der Tarantel gestochen in die K├╝che und schielte in Sicherheit um die Ecke.
Lametta und Engelhaar hatten sich erhoben und schwebten, wie ein Kettenkarussell am Weihnachtsbaum.

Vater erwachte aus seiner Starre und gab das Kommando: „Alles in Deckung!“ Ein Goldengel trudelte losgel├Âst durchs Zimmer, nicht wissend, was er mit seiner pl├Âtzlichen Freiheit anfangen sollte. Weihnachtskugeln, der Schokoladenschm├╝ck und andere Anh├Ąngsel sausten wie Geschosse durch das Zimmer und platzten beim Aufschlagen auseinander.
Die Kinder hatten hinter der Gro├čmutters Sessel Schutz gefunden. Vater und Mutter lagen flach auf dem Bauch, den Kopf mit den Armen sch├╝tzend. Mutter jammerte in den Teppich. „Alles umsonst, die viele Arbeit, alles umsonst!“ Vater wollte sich vor Peinlichkeit am liebsten unter dem Teppich verstecken. Oma sa├č immer noch auf ihrem Logenplatz, wie erstarrt, von oben bis unten mit Engelhaar und Lametta geschm├╝ckt. Ihr kam Gro├čvater in den Sinn, als dieser 1914 – 18 in den Ardennen im feindlichen Artilleriefeuer gelegen hatte. Genauso musste es gewesen sein, als gef├╝llter Schokoladenbaumschmuck an ihrem Kopf explodierte, registrierte sie trocken ÔÇť KirschwasserÔÇŁ und murmelte: ÔÇť Wenn Gro├čvater das noch erlebt h├Ątte!ÔÇŁ Zu allem jaulte die Musikwalze im Schlupfakkord „O du fr├Âhliche“ , bis mit einem ├Ąchzenden Ton der St├Ąnder seinen Geist aufgab.
Durch den pl├Âtzlichen Stopp neigte sich der Christbaum in Zeitlupe, fiel aufÔÇÖs kalte B├╝ffet, die letzten Nadeln von sich gebend. Totenstille! Gro├čmutter, geschm├╝ckt wie nach einer New Yorker Konfettiparade, erhob sich schweigend. Kopfsch├╝ttelnd begab sie sich, eine Lamettagirlande, wie eine Schleppe tragend, auf ihr Zimmer. In der T├╝r stehend sagte sie: „Wie gut, dass Gro├čvater das nicht erlebt hat!“
Mutter, v├Âllig aufgel├Âst zu Vater: „Wenn ich mir die Bescherung ansehe, dann ist deine gro├če ├ťberraschung wirklich gelungen.“
Andreas meinte nur: „Du, Papi, das war echt stark! Machen wir das jetzt Weihnachten immer so?“Autor: unbekannt┬á

+1
0
+1
0
+1
0
+1
0
+1
0
+1
0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht.